Vendée Globe

Kito de Pavant gerettet

Heute Morgen, mit dem ersten Licht, hat die Crew des Versorgers "Marion Dufresne II" den Skipper der "Batide Otio" an Bord genommen

Andreas Fritsch am 07.12.2016
Kito
VINCENT CURUTCHET / DPPI /Vendee

Bastide otio

Es waren dramatische Stunden bis zur Rettung des sympathischen Skippers, der sich im dritten Anlauf endlich den Traum der vollendeten Vendée Globe erfüllen wollte. Das französische Versorgungsschiff "Marion Dufresne II" hatte gestern den Notruf vom MRCC in Frankreich empfangen und war sofort mit Höchstgeschwindigkeit zu dem mit halb abgerissenem Kiel treibenden Open 60 abgedreht. Gegen Einbruch der Dämmerung erreichte das Schiff Kito de Pavant. Vor Ort wehten immer noch 6 bis 7 Beaufort, und der Seegang war laut dem Kapitän des Versorgungsschiff nach dem Sturm der letzten Tage gewaltig. So entschieden beide Skipper sich gegen eine Bergung in der einsetzenden Dunkelheit. Der Kapitän der "Marion Dufresne II" berichtet:

Rettung

Kam zur Rettung: "Marion Dufresne II"

Wir hatten Sicht- und Funkkontakt zu Kito de Pavant, aber da es dunkel wurde und das Wetter rau war, war es unmöglich, sofort zu handeln. Wir entschieden uns gemeinschaftlich, bis zum Tageslicht zu warten und dann eine Bergung mit unserem Schlauchboot vorzunehmen. De Pavant beschrieb seine Lage so: Er hatte den Wassereinbruch in den Griff bekommen, und falls sein Kiel abreißen und das Boot kentern sollte, würde er es über den Notausstieg verlassen und in die Rettungsinsel steigen, und wir würden ihn dort abbergen. Wir blieben mit ihm in regelmäßigem Funkkontakt, was ihm erlaubte, ein wenig zu schlafen. Am Morgen begann sich die Situation dann rasch zu verschlechtern, der Wasserspiegel unter Deck stieg. So haben wir ihn dann mit unserem Schlauchboot abgeborgen. Er war sehr müde und vor allem extrem enttäuscht, dass er das Rennen und sein Schiff aufgeben musste. Der Schiffsarzt hat sich sofort um ihn gekümmert.

Kiel

Ein riesiges Loch klafft im Boot. Rechts im Bild ist die ausgerissene Achse des Kiels zu erkennen

Wenig später meldete sich Kito de Pavant selbst zu den Geschehnissen:

Ich hatte Glück im Unglück. Die "Marion Dufresne II" war in der Gegend, und das kommt nur viermal im Jahr vor... Die Situation wurde kritisch letzte Nacht, ich bekam das eindringende Wasser nicht mehr in den Griff. Die Bodenbretter schwammen schon. Es war hart, mein Boot aufzugeben, hier im Nirgendwo des Südpolarmeers. Der Verlust bewegt mich sehr. Aber es war die einzige Lösung, weil ich kaum noch Strom für die Pumpen hatte, sich der Motor schon unter Wasser befand und die Batterien nicht mehr laden konnte. Ein großer Bereich des Rumpfes wurde beschädigt, als der Kiel mit dem Boden der achteren Kielaufhängung herausgerissen wurde. Der Hydraulik-Zylinder des Schwenkkiels hat sich mehr als einen Meter durch den Rumpf gearbeitet. Es hat mich krank gemacht, das Boot in diesem Zustand zu sehen. Es wurde zu gefährlich für mich...

Nach seiner Havarie und vor seiner geplanten Rettung schickte Kito de Pavant dieses bewegende und von einer beängstigenden Geräuschkulisse begleitete Video aus dem Südpolarmeer.

Zum Hergang der Kollision erzählt er:

Es war ein gewaltiger Crash. Ich fuhr 15 bis 20 Knoten in 25 bis 30 Knoten Wind und sehr schwerer See. Ich war nicht zu schnell, segelte vorsichtig und war nicht zu hoch am Wind. Ich habe etwas gerammt, aber ich weiß nicht was. Ich hörte nur den lauten Knall und dachte sofort, dass es etwas Hartes gewesen sein muss. Aber als ich hinters Boot schaute, konnte ich nichts sehen. Was ich gehört hatte, muss der Bruch im Boot gewesen sein. Der Aufprall brach den achteren Teil des Kiels aus dem Rumpf heraus, und die Achse war achtern herausgerissen. Als ich nachschaute, hing der Kiel noch dran. Aber als ich das Vorsegel eingerollt hatte, um das Boot langsamer zu machen und erneut kontrollierte, war er schon etwa vier Zentimeter tiefer abgesackt. Es wurde immer schlimmer. Ich konnte nichts tun. Ich wechselte auf den anderen Bug, um nach Norden zu segeln, habe dann aber schnell eingesehen, dass das Boot nicht mehr weiterkonnte. Ich nahm das Groß herunter und kontaktierte die Rennleitung. Die "Marion Dufresne II" war zum Glück nur 110 Seemeilen entfernt von mir. Die andere Möglichkeit für Hilfe wäre Louis Burton gewesen, der etwa zwei Tage von meiner Position entfernt war. Er wäre also erst Morgen früh gekommen. Es ist schrecklich, das Boot so zurücklassen zu müssen. Ich habe viel verloren, und das Ganze wird für mich sehr ernste Konsequenzen haben. Es ist das erste Mal, dass ich ein Boot verliere. Es trifft mich sehr hart. Aber körperlich bin ich wohlauf.

Was genau der 55-Jährige mit "ernsten Konsequenzen" meint, ist nicht klar, normalerweise sind die meisten Boote für das Rennen versichert. De Pavant bleibt nun auf dem Versorger, der die nächsten drei Wochen die Crozet-Inseln, die Kerguelen und die Insel Amsterdam anläuft. Vielleicht eine gute Auszeit, um Abstand zu den schrecklichen Stunden zu bekommen, die hinter ihm liegen.

Andreas Fritsch am 07.12.2016

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