Vendée Globe
"Initiatives-Cœur" rammt UFO und dreht nach Norden ab

Schon wieder trifft ein Boot ein schwimmendes Objekt – obwohl viele Teams eine Kamera im Masttopp haben. Boris Herrmann über die Grenzen des Systems

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert vor 4 Monaten
Sam Davies mit ihrer "Initiatives Coeur" Sam Davies mit ihrer "Initiatives Coeur" Sam Davies mit ihrer "Initiatives Coeur"

Eloi Stichelbaut/Polaryse/VG2020 Sam Davies mit ihrer "Initiatives Coeur"

Gestern Abend gegen 19 Uhr rammte die Britin in voller Fahrt Treibgut oder ein Meerestier und drehte danach nach Norden ab, um genau wie Sébastien Simon dem Starkwind und Seegang auszuweichen und den Schaden am Boot genauer zu untersuchen. Beim Positions-Update heute morgen um 09:00 Uhr fuhr sie noch immer mit sechs Knoten gen Norden. Nähere Angaben zu Schäden, wie und wo genau am Boot etwas eingeschlagen ist, gibt es noch nicht.

Eloi Stichelbaut/Polaryse/VG2020 Sam Davies mit ihrer "Initiatives-Cœur"

Sébastien Simon segelt nach seinem heftigen Crash gestern ebenfalls noch gen Norden, sogar nur mit knapp 3 Knoten Fahrt. Er bespricht mit seinem Team, ob eine Not-Reparatur seiner "Arkéa-Paprec" möglich ist.

"Charal", "Hugo Boss", "Arkéa Paprec", Initiatives-Cœur" – die Liste der Boote, die mit nicht näher spezifizierten Objekten im Meer kollidiert sind, wird immer länger. Und das, obwohl viele der Spitzenteams im Masttopp das Hightech-Wärmebild-Kamerasystem Oscar haben. Auch Boris Herrmann nutzt es, hat es sogar als Einziger im Feld mit dem Autopilot gekoppelt, sodass es im Notfall selbstständig Ausweichmanöver fahren kann.

Auf Nachfrage der YACHT äußerte sich Boris Herrmann per Sprachnachricht von Bord zu den Grenzen des Systems bei ihm an Bord – zumindest in schweren Wetter wie jetzt.

Vendèe Globe Stand des rennens heute morgen um 06:00

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Derweil geht im Rennen der Angriff von Louis Burton auf die führende "Apivia" weiter. Im Laufe der Nacht machte der Bretone mit seiner "Bureau Vallée 2" wieder 50 Meilen auf Charlie Dalin gut, liegt jetzt nur noch 200 Seemeilen zurück und hat den zweiten Platz von Thomas Ruyant ("LinkedOut") übernommen. Im rauen Wetter des Sturms, den er am härtesten abbekommt, ist sein Speed aber mittlerweile auf 15 Knoten gesunken. Offensichtlich geht auch er jetzt vom Gas. Da er aber fast direkt Ostkurs fährt, Dalin dagegen nordöstlich, nimmt er ihm im VMG (Weg in Zielrichtung) fast 7 Meilen in Richtung Ziel pro Stunde ab. Es wird also spannend.

Darüber philosophierte gestern Charlie Dalin ausführlich im Mittags-Interview: "Ich habe noch nie so viel Zeit bei einer Regatta damit verbracht, ein Boot langsam zu machen. Ich muss fast 50 Prozent der Zeit darauf achten, nicht zu sehr zu pushen, damit alles heil bleibt. Für einen Regattasegler ein sehr ungewohnter Zustand!"

Einen guten Ausblick auf das Renn-Geschehen für die nächsten Tage gibt Boris Herrmanns Team-Kollege Will Harris, der die Wetter-Routen-Alternativen der unterschiedlichen Gruppen samt Seegangsprognose vorstellt.

Will Harris über die Wetter-Taktik der nächsten Tage

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