Vendée Globe

"Ich werde mich für ein Alternativrennen stark machen"

Die Transats sind von der Absage bedroht. Boris Herrmann unterstützt eine neue Idee und dirigiert sein reduziertes Lorient-Team in der Corona-Krise von daheim

Tatjana Pokorny am 18.03.2020
Team Malizia
Andreas Lindlahr/Team Malizia

Boris Herrmann über die Arbeit seines Teams und die sich verändernden Regattapläne in Corona-Krisenzeiten

Ursprünglich war für den heutigen Tag eine große Pressekonferenz in seiner Heimatsatdt Hamburg geplant. Da wollten Vendée-Globe-Herausforderer Boris Herrmann und sein Team Malizia die Pläne für die Teilnahme am härtesten Einhand-Marathon um die Welt und die davor stattfindenden Transat-Rennen bekanntgeben und mit dem Logistikunternehmen Kühne + Nagel ganz offiziell den zweiten Partner der Kampagne neben dem Yacht Club de Monaco vorstellen. Kühne + Nagel will mit dem Team unter anderem in den Kernbereichen Ozeanforschung und Nachhaltigkeit stark kooperieren. Nun ist in Zeiten der Corona-Krise vieles nicht mehr wie geplant, und deswegen musste die Präsentation ausfallen. Stattdessen sprach YACHT online mit dem 38-jährigen Skipper, der seinem aktuellen Hamburg-Aufenthalt auch gute Seiten abgewinnen kann, denn er wird voraussichtlich Anfang Juni erstmals Vater und kann einige Tage mit seiner Ehefrau Birte Lorenzen verbringen.

Boris Herrmann erklärt das Upgrade für seine Vendée-Globe-Yacht

Die Imoca-Szene rechnet inzwischen nach Regatta-Absagen weltweit auch damit, dass die beiden in diesem Jahr als Qualifikations-Prolog zur Vendée Globe geplanten Transat-Rennen von Brest nach New York und zurück in den Vendée-Heimathafen Les Sables-d'Olonne abgesagt werden. Mit der sich in der Corona-Krise schnell verändernden Lage beschäftigt sich die Imoca-Klassenvereinigung intensiv. Ein Planungstreffen soll in rund zwei Wochen stattfinden. Im Gespräch ist als Ersatzregatta für die wohl zu streichenden Transat-Rennen ein alternativer Kurs von Brest nach Les Sables-d'Olonne, der die Solisten möglicherweise rund Kapverden oder rund Azoren oder auch zu einem festgelegten Punkt im Atlantik und zurück führen könnte. "Ich würde mich beim Exekutiv-Komitee für ein solches Alternativrennen stark machen", sagte Herrmann, der etwa die Länge des Bermudes-1000-Rennens von April 2019 für eine solche Ersatzregatta im Visier hätte.

Team Malizia

Boris Herrmanns Imoca-Yacht "nackt" und bereit für ihr neues Gewand

Team Malizia

Auch für Segelprofi Boris Herrmann sind mit der Corona-Pandemie nachdenkliche Zeiten angebrochen. Sein Team arbeitet mit stark reduzierter Bootsbaumannschaft in Lorient weiter, so lange das möglich ist

Herrmann selbst hat zwar alle Qualifikationsbedingungen für die Vendée Globe 2020/2021 mit Start erst im November erfüllt, aber einige namhafte und potenziell schlagkräftige Skipper wie beispielsweise Armel Tripon ("L'Occitane en Provence"), Nicolas Troussel ("Corum L'Epargne") und auch Kojiro Shiraishi ("DMG Mori") haben mit ihren neuen Booten noch reichlich Meilen nachzuweisen. Das wollten sie im Rahmen der Transats tun. Entfallen die, bleibt nur das angedachte Ersatzrennen, in dem einige Solisten dann entsprechend bedächtig agieren müssen, weil das Durchkommen für sie wichtiger wäre als die Platzierung. Aufgrund der schwierigen Umstände kann sich Herrmann allerdings auch vorstellen, dass die Vendée-Globe-Veranstalter als unabhängige Entscheider über ihr Regelwerk die Qualifikationsbedingungen möglicherweise etwas lockern. Solche Maßnahmen bleiben jedoch abzuwarten. Aktuell bewerben sich noch 35 Kandidaten um 34 Vendée-Globe-Startplätze. "Ich gehe allerdings leider davon aus, dass die Krise das eine oder andere Team noch erwischt, weil es dem Sponsoren nicht mehr gut geht", erklärt Herrmann die zusätzlichen Schwierigkeiten, die so manches ambitionierte Team derzeit hat.

Team Malizia

Gerettet: Kurz vor der Werksschließung von Multiplast hat Team Malizia die neuen Foils noch rausholen können. Inzwischen sind sie am Mittwoch in der Halle eingetroffen, in der "Malizias" Refit voranschreitet

In der Bretagne wird auf den Werften inzwischen stark gedrosselt oder gar nicht mehr gearbeitet. Multiplast hat den Werksbetrieb beispielsweise am heutigen Mittwoch eingestellt. So berichtete es Boris Herrmann, dessen auf vier Mann reduziertes Bootsbauteam unter Vorort-Leitung von Boatcaptain Stewart McLaughlin noch gerade eben die Foils von Multiplast abholen konnte und nun im kleinen, schlagkräftigen Team in Lorient Schritt für Schrit weiter am Refit der Yacht arbeiten kann. Bis Herrmanns Imoca-Yacht wieder schwimmt, werden rund 12.000 Mannstunden in die Entwicklung neuer Foils und den Umbau des Bootes geflossen sein. Der Plan sah ursprünglich vor, das Boot nach dem Refit und vor dem ersten Transat-Start im Mai noch zwölf Tage auf dem Wasser zu testen. Fallen die Transats aus, bleibt für Tests voraussichtlich mehr Zeit. Das alles jedoch steht in Abhängigkeit des weiteren Verlaufs und der jeweils nationalen und regionalen Maßnahmen, Anordnungen und Verbote im weltweiten Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Team Malizia

In vielen Phasen auch selbst intensiv in den Refit eingebunden: Skipper Boris Herrmann

Boris Herrmann – Team Malizia

Adieu, "Malizia II"! In diesem Look wird man Boris Herrmanns Imoca-Yacht nicht mehr sehen. Im späten Frühjahr soll sie – je nach weiterem Verlauf der Corona-Krise – mit neuen Foils wieder in Betrieb genommen werden

Tatjana Pokorny am 18.03.2020

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