Vendée Globe
Französin mit ältestem Boot im Ziel: "Nichts ist unmöglich!"

Alexia Barrier hat ihre Vendée-Globe-Premiere auf einer 23 Jahre alten Imoca beendet. Ihre Schlüssel: ein starker Wille, harte Arbeit und viel Optimismus

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 28.02.2021
Alexia Barrier Alexia Barrier Alexia Barrier

Jean-Louis Carli / Alea / #VG2020 Alexia Barrier

Happy End für Alexia Barrier: Die 41-jährige Französin hat ihre Vendée-Globe-Premiere auf dem ältesten Boot der Flotte ins Ziel gebracht. Ihre einst von Marc Lombard für Catherine Chabaud entworfene und heute unter dem Namen "TSE – 4MyPlanet" segelnde Yacht war am 1. März 1998 getauft worden und ist bei der Ankunft von Alexia Barrier fast auf den Tag genau 23 Jahre alt. Dennoch hat das Boot sie einmal nonstop um die Welt getragen. Die sympathische Solistin erreichte die Ziellinie am 28. Februar um 7.23 Uhr deutscher Zeit nach 111 Tagen, 17 Stunden, 3 Minuten und 44 Sekunden als 24. der Flotte und als vierte Seglerin nach Landsfrau Clarisse Crémer (12.) und den Britinnen Pip Hare (19.) und Miranda Merron (22.). Die beiden am stärksten eingestuften Skipperinnen Sam Davies (Großbritannien) und die Deutsch-Französin Isabelle Joschke waren vorzeitig ausgeschieden, hatten aber in den vergangenen Tagen ihre Weltumsegelungen außerhalb der Wertung nach Reparaturstopps bravourös zu Ende gebracht und waren im Ziel von großem Publikum stürmisch gefeiert worden.

Olivier Blanchet / Alea / #VG2020 Alexia Barriers "TSE – 4MyPlanet" auf Zielkurs mit zunehmender Zahl an Begleit- und Fanbooten

Jean-Louis Carli / Alea / #VG2020 Alexia Barrier auf dem Vorschiff ihrer 23 Jahre alten "TSE – 4MyPlanet"

In der Wiederholung: Die Live-Übertragung vom Empfang für Alexia Barrier am Ende ihrer beendeten Vendée-Globe-Premiere

Auch Alexia Barrier wurde an diesem Sonntag bei ihrer Einfahrt in den Start- und Zielhafen Les Sables-d'Olonne im traumhaft schönen Sonnenaufgang überaus herzlich empfangen. Am Ponton im berühmten Port Olona nach triumphaler Kanalpassage warteten auf sie Familie, Freunde, Projekt-Partner und ihr schwarzer Labrador Nikka. Kurz nach dem Festmachen sagte Barrier: "Ich habe das älteste Boot der Flotte gesegelt und bin im Ziel! Es ist viel passiert. Ich hatte starke Momente der Angst und glückliche Zeiten der Freude. Es war ein fantastisches Abenteuer, das für immer in meinem Gedächtnis eingraviert bleibt. In diesem Moment lässt mich das alles auf ein Comeback in vier Jahren mit einem schnelleren Boot hoffen. Auch wenn mein Boot unglaublich ist, eine Legende!" Barriers Schiff hat die Welt siebenmal umrundet.

Jean-Louis Carli / Alea / #VG2020 Im Feuerschein der klassischen Heimkehrer-Bengalos: Alexia Barrier

Yvan Zedda / Alea / #VG2020 Angekommen: Alexia Barrier genießt die Jubelstunden an diesem Sonntagvormittag

Nach unvergesslichen Momenten des Rennens gefragt, erzählte Alexia Barrier: "Ich hatte große Furcht im Indischen Ozean. Oder war es der Pazifik? Ich erinnere mich nicht, in welchem mein Mast bedroht war. Ich hatte sehr große Angst. Nicht Angst davor zu sterben, sondern Angst davor, dass ich das Ziel nicht erreiche. Und dann habe ich vor zehn Tagen meinen Rücken wirklich schlimm verletzt, musste im Boot krabbeln. In den letzten zwei Tagen ist es ein bisschen besser geworden. Aber nichts von alledem konnte mir etwas von diesem puren Abenteuer und dem Glück nehmen, jetzt hier in Les Sables-d'Olonne diesen außergewöhnlichen Empfang  zu erleben! Am meisten werde ich mich bei den Gedanken an diese Vendée Globe, meine erste Runde um die Welt, daran erinnern, dass nichts unmöglich ist. Mit der Kraft geistiger Stärke, harter Arbeit und Optimismus können wir jeder Herausforderung begegnen." Dazu brachte Barrier die enorme Fitness einer Triathletin und das nachhaltige Engagement einer Kämpferin für die Gesundheit der Weltmeere mit an Bord. Wie auch der bereits am 28. Januar bei seiner Vendée-Globe-Premiere in Les Sables angekommene Boris Herrmann macht Alexia Barrier mit ihrer bereits 2009 gegründeten Stiftung vor allem junge Menschen auf die Notwendigkeit und die individuellen Möglichkeiten zum Schutz der Ozeane aufmerksam.

Yvan Zedda / Alea / #VG2020 Alexia Barrier dankt ihrem Boot, das sie um die Welt getragen hat

Yvan Zedda / Alea / #VG2020 Glückliches Wiedersehen: Alexia Barrier und ihr schwarzer Labrador Nikka

Alexia Barrier hat die Ziellinie fast auf den Tag genau einen Monat nach den Spitzenreitern als Vorletzte der einst 33 Vendée-Globe-Starter erreicht, von denen voraussichtlich 25 mit gewertetem Ergebnis ins Ziel kommen. Nach ihr wird noch der sympathische finnische Pilot Ari Huusela in Les Sables-d'Olonne erwartet. Der "Stark"-Skipper hatte am Sonntagmorgen noch 920 Seemeilen bis ins Ziel zu segeln und die Azoren bereits passiert. Er selbst glaubt, Les Sables erst am kommenden Wochenende am 6. oder 7. März zu erreichen, weil ihn in der Biskaya zum Finale flaue Winde erwarten.

Jean-Louis Carli / Alea / #VG2020 Unbändig glücklich über die abgeschlossene Premiere: Alexia Barrier bei ihrer Pressekonferenz nach der Ankunft in Les Sables-d'Olonne

Jean-Louis Carli / Alea / #VG2020 Alexia Barrier verlässt das Dock mit Rückenschmerzen an einer Krücke und in Begleitung ihres Hundes Nikka


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Themen: Alexia BarrierCatherine ChabaudLes Sables-d'OlonneVendée Globe

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