Vendée Globe

Eine halbe Million Fans zum Finale?

Die siebte Auflage der härtesten Regatta der Welt strebt dem Finale entgegen. Zum Showdown werden bis zu 500.000 Fans im Zielhafen erwartet

Tatjana Pokorny am 24.01.2013
François Gabart

François Gabart genießt den Finalsprint im Sonnenuntergang

Spannend, spannender, Vendée Globe! Die siebte Auflage der härtesten Regatta um die Welt segelt ihrem Showdown auf Superlativ-Kurs entgegen. Laut aktuellen Prognosen werden die ersten Helden der Einhand-Nonstop-Weltumsegelung am Wochenende im Start- und Zielhafen Les Sables d'Olonne erwartet. Der kleine französische Badeort am Atlantik mit seinen nur 14.000 Einwohnern wird dann wieder einmal aus allen Nähten platzen. Erwartet werden in den kommenden Tagen bis zu eine halbe Million Fans vor Ort, die Strände, Ufer, Docks und Straßenzüge säumen werden. Die Bühne ist bereit für die Sieger, allen voran "Golden Boy" François Gabart. Sollte der Benjamin der Flotte seinen bislang so souveränen Triumphzug bis ins Ziel fortsetzen können, ist er Frankreichs neuer Segelsuperstar.

Armel Le Cléac'h

Kann er François Gabart noch abfangen: Jäger Armel Le Cléac'h

Oder kann sein etwas erfahrenerer 35 Jahre alter Verfolger Armel Le Cléac'h doch noch Gabarts Thronbesteigung verhindern und das Blatt wenden? Knapp 90 Seemeilen Rückstand hatte Le Cléac'h am Donnerstagmorgen noch aufzuholen. Über Nacht hatte er sich die am Vortag verlorenen Seemeilen mit der schnellsten Durchschnittsgeschwindigkeit der Flotte zurückgeholt. Die Wettervorhersage jedoch sprach weiter für Gabart, der als Erster noch frischere Winde erreichen und mit ihnen auf Les Sables d'Olonne zufliegen sollte. Von Bord berichtete Gabart: "Die Winde sind mir gewogen. Ich befinde mich auf der richtigen Seite des Tiefdruckgebietes. Ich kann es kaum erwarten, euch allen in Frankreich endlich wieder näherzukommen."

Was kann Gabart im Duell mit Le Cléac'h noch stoppen? Der 26-Jährige selbst umriss die bevorstehende letzte Herausforderung: "Je näher wir dem Ziel kommen, je mehr Schiffsverkehr wird es geben. Leider sind es nicht nur große Containerschiffe, sondern auch viele kleine Fischerboote. Ich kann nur hoffen, dass die alle ihr AIS angeschaltet haben. Ich weiß auch, dass einige Wale in der Gegend unterwegs sind. Dagegen kann man auch bei allergrößter Vorsicht wenig tun. Ich werde definitiv vorsichtig sein und keinerlei Risiko eingehen. Ich habe bislang schon kaum Risiken in Kauf genommen. Nun noch weniger! Ich werde das Konzept simpel halten. Ich werde nicht zu schnell segeln, um vielleicht eine halbe Meile zu gewinnen. Anders wäre es, wenn Armel vor mir läge. Aber das tut er nicht. Es wäre natürlich wunderbar, wenn wir schon am Samstagmorgen das Ziel erreichen könnten. Angesichts der Wetterprognosen ist das aber nicht sehr wahrscheinlich. Doch ich gestehe: Ich würde es lieben!"

Die Fans blicken aber nicht nur auf das hochklassige Duell an der Spitze des Feldes der zwölf Skipper, die den Hochsee-Marathon bislang bestanden haben. Auf Platz drei kämpft der sympathische Peyron-Freund Jean-Pierre Dick schon seit zwei Tagen um alles oder nichts. Nach dem Verlust seiner Kielbombe wagt Dick offenbar den Finalsprint in gefährlicher Konfiguration, will nicht aufgeben. Mithilfe seines Wasserballastsystems will er das Ziel erreichen und möglicherweise sogar seinen dritten Platz verteidigen. Solange er in moderaten Bedingungen hoch am Wind segelt, funktioniert das Notfall-Konzept. In vergleichbarer Situation gelang bei der letzten Vendée-Auflage seinem Landsmann Marc Guillemot auf "Safran" ein ähnliches Husarenstück. Brenzlig wird es für Jean-Pierre Dick aber, wenn er dem Ziel vor dem Wind entgegen strebt. Auf diesem Kurs kommt ein Boot ohne Kielbombe wesentlich schneller ins Rollen. Dann droht Kentergefahr.

Der erfahrene Alain Gautier erklärte als Kommentator: "Jean-Pierre segelt vermutlich mit sechs oder sieben Tonnen Wasserballast. Das ist gut und sicher, solange er kreuzt. Vor dem Wind aber kann sich die Situation verändern. Ich weiß, dass Jean-Pierre die richtige Entscheidung treffen und alles für seine Sicherheit tun wird."

Der Viertplatzierte Alex Thomson zeigte sich in den vergangenen Tagen trotz verlockender Aussicht auf einen möglichen Podiumsplatz als fairer Sportmann: "Das kommt schweres Wetter auf uns zu. Ich würde es an Jean-Pierres Stelle nicht riskieren – na ja, vielleicht hätte ich es getan, bevor ich eine Familie hatte. Es wäre mir aber lieber, wenn Jean-Pierre das Rennen beenden könnte. Auch wenn ich dann Vierter werde. Das wäre mir lieber, als wenn Jean-Pierre das Rennen nicht beenden könnte."

Alessandro di Benedetto

Alessandro di Benedetto

Im Mittelfeld liefern sich die beiden "Silver Ager" Mike Golding und Jean Le Cam ein packendes Duell. Lediglich 20 Seemeilen trennten Jean Le Cams "SynerCiel" am Donnerstagmorgen von Goldings "Gamesa". Die Führung zwischen dem 53-jährigen Le Cam und dem 52-jährigen Briten Golding hatte zuletzt mehrfach gewechselt. Im Privatduell zwischen den beiden Senioren wird keiner der beiden auf dem Weg nach Les Sables d'Olonne nachgeben.

Am Ende der Flotte hat Alessandro di Benedetto vor allem mit sich selbst und seiner "Team Plastique" zu kämpfen. Der Franko-Italiener hatte sich bei einer Reparatur eine Rippe gebrochen und segelt dem Ziel mit knapp 4.200 Seemeilen Rückstand auf Spitzenreiter François Gabart entgegen, nimmt seine Situation aber mit Humor: "Ich stehe unter Schmerztabletten und bin sehr müde. Bin aber zeitweise so schnell wie François. (Lacht). Oh, ich sollte solche lustigen Geschichten nicht mehr erzählen. Das tut meinen Rippen nicht gut."

Tatjana Pokorny am 24.01.2013

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