Vendée Globe

Drag-Race in den Southern Ocean

Das Feld ist durch die zwei unterschiedlichen Routen-Strategien der Skipper wieder zusammengeschoben worden – Garant für spannende Tage

Andreas Fritsch am 30.11.2012
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Im Vormarsch: "Paprec-Virbac 3"

Für die Fans der Vendée Globe ist es ein Geschenk des Himmels: Zwei komplex positionierte Hochdruckgebiete im Weg der Teilnehmer bescherten in den letzten Tagen eine taktisch anspruchsvolle Situation, die nun als Resultat dazu führt, das acht Boote praktisch in Schlagdistanz in den Southern Ocean starten. Selbst beim letzten Rennen, wo zehn Teilnehmer mehr am Start waren, war es nicht so spannend. 

Der große Gewinner des Wetter-Lottos ist dabei der Franzose Jean-Pierre Dick mit seiner "Paprec-Virbac 3". Seine Südwestroute brachte ihm fast zwei Tage lang ideale Raumschots-Bedingungen, und so segelte er mit 456 Seemeilen das beste Etmal des ganzen Feldes. "Es ist wie auf dem fliegenden Teppich. Kein gutes Wetter hier unten, eben typisch für den tiefen Süden. Aber ich mag diese Gewässer, es ist sehr wild, aber auch sehr schön. Das Boot frisst die Meilen, und bald werde ich Thomson und Stamm überholt haben. Die spannende Frage wird sein, wo Armel nachher liegen wird", mailte er von Bord.

Auf Platz zwei liegt er nur noch 55 Seemeilen hinter dem Führenden Armel Le Cléac’h ("Banque Populaire"). Keine 20 Meilen dahinter segelt François Gabart ("Macif", derzeit mit dem höchsten Bootsspeed von 21,5 Knoten. Beide sind deutlich schneller als Le Cléac’h und man darf gespannt sein, was am Ende dieses Tages von seinem Vorsprung noch übrig sein wird.


Day 20 highlights - Thursday, November 29, 2012 von VendeeGlobeTV

Gut im Rennen sind hinter dem führenden Franzosen-Trio auch der Schweizer Bernard Stamm ("Cheminées Poujoulat") und Alex Thomson ("Hugo Boss"), die in Richtung Ziel nur eine Meile trennt, aber sie segeln über eineinhalb Längengrade auseinander. Thomson ist mit fast 20 Koten Bootsspeed zurzeit allerdings deutlich schneller unterwegs.

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Stand des Rennens heute Morgen um 9 Uhr

Erfreulich auch, dass das Verfolgerfeld der älteren Boote (… und Skipper) die Lücke, die zweitweilig auf deutlich über 300 Meilen angewachsen war, wieder etwas verringern konnte. Jean Le Cam ("Synerciel") segelt mit 200 Seemeilen Rückstand, Mike Golding ("Gamesa") ist mittlerweile 50 Meilen dahinter. Der Brite entschied sich für eine etwas nördlichere Route als der Franzose, ist langsamer und muss nun aufpassen, dass ihm im Süden nicht sogar noch der Schweizer Dominique Wavre ("Temenos") durchrutscht. Golding und Le Cam gelten als schnelle Skipper in den rauen Bedingungen des Southern Ocean. Golding hatte bei der letzten Vendée dort sogar streckenweise die Führung übernommen, bevor ihm der Mast von oben kam. Vielleicht können die beiden ihre Routine nutzen, um dichter an die Spitze zu gelangen. 

In ein, zwei Tagen wird das High-Speed-Rennen aber eine Pause einlegen, da das Feld von einem ostwärts ziehenden Hoch eingeholt wird. Sehr tief in die südlichen Breitengrade wird allerdings niemand ausweichen können, denn sehr weit nördlich treibende Eisfelder führten dazu, dass der Veranstalter das erste Eis-Gate weiter nach Norden verlegte. 

Andreas Fritsch am 30.11.2012

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