Vendée Globe

Die zehn Favoriten für das Rennen

Am Samstag startet die härteste Nonstop-Regatta der Welt. 19 Skipper und eine Skipperin kämpfen um die Krone des Einhandsegelns

Andreas Fritsch am 09.11.2012
Virbac

Einer der Top-Favoriten: Jean-Pierre Dicks "Paprec-Virbac 3"

Nie zuvor war der Kreis der siegfähigen Teilnehmer so groß wie bei dieser Auflage des Rennens. Denn trotz Wirtschaftskrise zeigt sich die Szene der Open 60s erfreulich lebendig – es gibt diverse gut finanzierte Projekte mit starken Skippern. Durch die Rekordbeteiligung der letzten Auflage mit so vielen Neubauten wie nie zuvor standen auf dem "Gebrauchtmarkt" viele gute Designs zur Verfügung, die durch konsequente Weiterentwicklung auch Siegpotenzial haben. Aber wer sind nun die ganz heißen Titelkandidaten? Wir haben die zehn Skipper zusammengestellt, die aus Sicht der YACHT das Zeug haben, um den Sieg zu fahren.

Vendee Teams

"Safran"

Vendee Teams

M. Guillemot

"Safran",  Marc Guillemot, 53  Das 2007 gebaute Boot von VPLP/Verdier gilt als wegweisend in der Szene dank radikalem Leichtbau und eines sehr solventen Sponsors, der enorme Summen in die Weiterentwicklung steckte. Obwohl von 2007, dürfte das Boot deshalb kein Speed-Defizit haben. Dritter der letzten Vendée – nur Schäden nach einer Wal-Kollision und die verlorene Zeit, als er dem schwer verletzten Skipper Yann Eliés auf seiner "Generali" beistand, verhinderten mehr. Zuverlässiges Boot, Transat-Sieg 2009,.

Vendee Teams

"Virbac-Paprec 3"

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J.-P. Dick

"Virbac-Paprec 3", Jean-Pierre Dick, 47
Der zweimalige Barcelona-World-Race- und dreimalige Transat-Jacques-Vabre-Sieger will endlich auch einhand den ganz großen Titel erringen. Bislang schied er bei der Vendée mit technischen Problemen aus. Im Double-Handed-Modus derzeit kaum zu schlagen; einhand jedoch fehlt ihm noch der ganz große Sieg, doch die Zeit scheint reif. Sein VPLP/Verdier-Design der letzten Gene­ration (2010) gehört ohne Frage zu den schnellsten Booten im Feld. Die lange Zusammenarbeit mit seinem Sponsor ermöglichte eine konsequente Entwicklung. Dick gilt als Perfektionist, der technische Raffinesse liebt und immer am Limit segelt. Einer der Top-Favoriten.

Vendee Teams

"Synerciel"

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J. Le Cam

"Synerciel", Jean Le Cam, 53
Ein Altmeister der Vendée, der sich 2004 ein hartes Duell mit Vincent Riou um den Sieg lieferte und Zweiter wurde. 2008 verlor er auf Platz drei liegend vor Kap Hoorn den Kiel. Konkurrent Vincent Riou rettete ihn spektakulär aus seinem kieloben treibenden Boot, beschädigte aber das Rigg seiner "PRB" und verlor schließlich den Mast. Sein Boot ist das Farr-Design von Loïck Peyron aus 2007. Eigentlich ein sehr schnelles Boot, aber aufgrund akuten Sponsorenmangels und erst eines Deals in letzter Sekunde könnte es nicht optimal vorbereitet sein. Doch der enormer Erfahrungsschatz des Skippers könnte das ausgleichen.
 

Vendee Teams

"PRB"

Vendee Teams

Vincent Riou

"PRB", Vincent Riou, 40
Der Vendée-Sieger von 2004 gilt noch immer als absoluter Klasse-Skipper, auch wenn er danach ein paar Jahre keine so guten Ergebnisse hatte. Seit er Jean Le Cam 2008 von dessen sinkendem Schiff abbarg, gilt er als eine Vendée-Legende. Bei der letzten Vendée verletzte er sich relativ früh und konnte nur unter Schmerzen und mit eingeschränkter Leistung segeln. Diesmal ist mit ihm zu rechnen. Sein Ende 2010 gebautes VPLP/Verdier-Design dürfte zu den schnellsten und leichtesten Booten im Feld gehören. Das enorm langfristige, solide Sponsoring von "PRB" ließ viel Zeit für Entwicklung. Und die Formkurve zeigte zuletzt steil bergauf.
 

Vendee Teams

"Maitre Coq"

Vendee Teams

J. Beyou

"Maitre Coq", Jérémie Beyou, 36
In der Figaro-Einhand-Klasse ist der Franzose seit Jahren einer der Top-Leute, bei den Open 60s versucht er bislang vergeblich den großen Wurf – zumindest einhand. Mit Jean-Pierre Dick siegte er aber beim Transat Jacques Vabre 2011. Bei der letzten Vendée schied er recht früh mit technischen Problemen aus. Seine Farr-Yacht ist zwar von 2007, zugleich aber das vorletzte Boot von Michel Desjoyeaux und gilt als das schnellste der Farr-Generation, da es massiv verändert wurde. Es sollte konkurrenzfähig sein.

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"Macif"

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F. Gabart

"Macif", François Gabart, 29
Der Youngster im Feld segelt das neueste Design von 2011 des zurzeit erfolgreichsten Design-Büros der Open 60s, VPLP/Verdier. Das Boot erwies sich zuletzt als schnell, was zu erwarten war, aber vor allem auch zuverlässig. Beim letzten Barcelona World Race segelte er mit Großmeister Michel Desjoyeaux, bis ein Mastbruch sie stoppte. Dass er aber ein Riesentalent ist, zeigte er zuletzt, als er das Transat-Rückrennen von Boston nach Frankreich gewann. Top-Boot, gute Einhand-Ergebnisse 2011, einer der Top-Favoriten, auch wenn die Einhand-Erfahrung mit Open 60s vor allem im Southern Ocean vielleicht noch etwas fehlt. 

Vendee Teams

Banque Populaire

Vendee Teams

A. Le Cléac’h

"Banque Populaire", Armel Le Cléac’h, 35
Der 2008 bei der Vendée Zweitplatzierte ist mit der letzten "Foncia" des zweimaligen Siegers Michel Desjoyeaux unterwegs, das dieser für das Barcelona World Race 2010 baute. Ein radikaler Leichtbau aus dem Hause VPLP/Verdier, den er in der Werft CDK seines Bruders zu einem der Top-Boote entwickelt hat. Bei der letzten Vendée zeigte er eine beeindruckende, sehr konstante Leistung. Ein 2. und 3. Platz bei Transat-Rennen 2011 belegen die gute Form des Skippers. Da er mit Banque Populaire dazu über einen der großzügigsten Sponsoren der Segelszene verfügt, dürfte sowohl das Boot als auch er ein heißer Kandidat für den Sieg sein.

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"Groupe Bel"

vendee

K. de Pavant

"Groupe Belle", Kito de Pavant, 51
Der Franzose hatte mit seiner 2007 gebauten VPLP-Kon­struk­tion viel Bruch und tech­nische Probleme erlebt. Für den Sieg reichte es nie, aber das Boot gilt als schnell. Wie Mike Golding wird de Pavant bei seinem wohl letzten Anlauf – für ihn der zweite Start – sicher hoch pokern. Ein Vorteil ist das sehr langfristige Sponsoring des Käseherstellers, er konnte sich optimal auf die Vendée vorbereiten, aber die großen Resultate blieben in den letzten Jahren aus. Inwieweit sein Alter, es sind diverse Skipper über 50 am Start, schon ein Nachteil ist, bleibt abzuwarten. In einer der physisch wohl härtesten Regatten der Welt darf aber schon erwartet werden, dass ein Armel Le Cléac’h oder François Gabart die Strapazen des Schlafmangels und der kräfteraubenden Segelwechsel besser wegsteckt als die Oldies wie de Pavant, Golding, Wavre oder Guillemot.

Vendee Teams

"Gamesa"

Vendee Teams

M. Golding

"Gamesa", Mike Golding, 52 
Der britische Vendée-Veteran bei seinem vierten Start. Beim vorigen Rennen schied er in Führung liegend mit Mastbruch im Sturm unglücklich aus. Das Owen-Clarke-Design von 2007 schien zuletzt mit den Neubauten nicht mehr ganz Schritt halten zu können, wurde 2012 aber einer massiven Abspeckungs-Kur unterzogen, nachdem es beim Barcelona World Race mit Jean Le Cam am Ruder den Mast verloren hatte. Neues Deck, neuer Mast, neuer Kiel – man darf gespannt sein, zu was Golding damit in der Lage ist. Er hat viel Erfahrung, 2004 landete er bei der Vendée auf dem 3. Platz und gilt als guter Wetter-Taktiker, der taktisch klug segelt. Einziges Handicap waren Sponsorenprobleme, die es ihm eine ganze Weile nicht erlaubten, das Boot konsequent zu nutzen und weiterentwickeln.

Natürlich gibt es noch einige andere Kandidaten, die interessant sind, die ohne Frage auf das Podium mitfahren können, aber auch einige kleinere Defizite haben, die den Sieg doch recht optimistisch erscheinen lassen. Einer davon ist der zweite Brite im Feld, Alex Thomson, der mit seiner "Hugo Boss" immer für schrille Auftritte sorgt, wie seinen "Keelwalk". Allerdings fehlt ihm einhand noch der Beleg, dass er wirklich schnell ist. Doublehanded segelt er oft vorne mit, einhand fehlt noch der Beweis, dass er konkurrenzfähig ist. Außerdem startet er in wenig anderen Rennen und zeigte sich in der technischen Entwicklung seiner Boote nicht immer recht glücklich, zuletzt hatte er mit dem alten Juan-K-Design offensichtlich auf das völlig falsche Pferd gesetzt. Man darf gespannt sein, ob der als Materialmörder verschriene Thomson gereift ist und diesmal nicht schon früh seinen Open 60 überfordert.

Die einzige Frau im Feld, die Britin Sam Davies mit "Saveol", gilt als Ausnahmetalent und bewies bei der letzten Vendée mit der hoffnungslos veralteten "Roxy", dass sie enorm stark und konstant segelt. Aber wie schon bei der letzten Auflage geht sie aus Geldmangel auch diesmal mit einem zu alten Schiff an den Start: die alte "Veolia" und "Neutrogena", mit der Boris Herrmann das Barcelona World Race gesegelt ist. Das 2004er-Design ist zwar immer weiterentwickelt worden, erreicht aber mittlerweile eindeutig seine Grenzen. Nur wenn es viele Ausfälle gibt und sie fehlerlos segelt, dürfte sie eine Chance haben.

Spannend ist auch das Projekt des Spaniers Javier Sanso, der mit einem brandneuen Owen-Clarke-Design antritt, das sich ausschließlich aus ökologischen Stromquellen versorgen soll. Zwei Wellengeneratoren, riesige Solarflächen und eine Brennstoffzelle treiben die Systeme an. Für den Notfall ist ein Elektromotor eingebaut. Hochinteressant zu sehen, ob das alternative Versorgungskonzept aufgeht. Sanso ist kein schlechter Segler, war schon beim Barcelona World Race dabei, hat mehrere Transats bestritten und auch gute Platzierungen erziehlt, aber im Einhand-Modus fehlen noch aufsehenerregende Resulate.

Man sieht: Auch diesmal mangelt es der Vendée nicht an interessanten Skippern, mit denen es mitzufiebern gilt. Am Samstag geht es um 13 Uhr los, die Wettervorhersage verspricht gute Bedingungen mit etwa 12 Knoten Wind aus Nordwest, was einen Am-Wind-Start bedeutet. Deutsche Fans der Kult-Regatta können ihn im Internet auf der Vendée-Globe-Homepage verfolgen. Wer will, kann natürlich auch virtuell das Rennen mitsegeln. Wie schon bei der letzten Auflage können Fans beim Online-Computer-Spiel "Virtual Regatta" ein eigenes Schiff kreieren und sich auf den Weg um den Planeten machen. Die YACHT-Redaktion wird daran ebenfalls mit einem eigenen Boot teilnehmen. Aber Vorsicht: Suchtgefahr! Zum Spiel geht es hier

Andreas Fritsch am 09.11.2012

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