Vendée Globe

Die Kunst, ohne Kiel zu segeln

Jean-Pierre Dick übt sich in einer unfreiwilligen Disziplin mit Gefahrenpotenzial: Der Franzose versucht den Atlantik ohne Kiel zu bezwingen

Tatjana Pokorny am 25.01.2013
Dick

Jean-Pierre Dick im Kampf mit den Elementen: Wird er den Husarenritt ohne Kiel beenden können?

Drei Tage schon gelingt Jean-Pierre Dick so etwas wie die Quadratur des Kreises: Er treibt seine "Virbac Paprec 3" ohne Kielbombe über den Atlantik. Die tonnenschwere und für die Konfiguration des Bootes so wichtige Bombe hatte er 550 Seemeilen nordwestlich der Kapverdischen Inseln verloren. "Mein Traum von Platz drei", so meldete Dick kurze Zeit danach, "ist ganz plötzlich versunken."

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Virbac Paprec 3: Zu diesem Zeitpunkt noch mit Kielbombe, seit drei Tagen unten ohne

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Ein Bild aus glücklichen Vendée-Tagen: Jean-Pierre Dick wünscht seinen Fans ein gutes neues Jahr

Seitdem segelt der 47-Jährige, den sein Freund Loïck Peyron den "Gentleman-Skipper" nennt, wie auf einem Vulkan, der jederzeit ausbrechen kann. Auf Kurs halten Dick und seine "Virbac Paprec 3" lediglich der verbliebene Kielschaft, das Ruder, die Segel und vor allem der bewegliche Wasserballast. "Es ist nicht einfach", sagt Dick, "ich befinde mich in einem Hochdruckgebiet mit nur zwölf, dreizehn Knoten Wind. Keine leichte Aufgabe für ein Boot ohne Kiel. Ich kann keine großen Segels setzen, doch die Ballasttanks sind voll und gewähren ein gewisses Maß an Stabilität. Ich habe mit Bilou und Marc Guillemot gesprochen, die beide schon ähnliche Situationen erlebt haben. Natürlich könnte ich mit Kiel schneller segeln. Über meinen dritten Platz denke ich nicht mehr so sehr nach. Ich werde sehen, ob ich das Rennen beenden kann, wenn die Bedingungen es erlauben, aber ich kann kein zu hohes Risiko für mich oder das Boot eingehen. Ich müsste die Azoren etwa am 27. Januar erreichen. Dort könnte ich auf etwa 25 Knoten westliche Winde treffen. Das wird mir helfen zu sehen, wie das Boot sich bewegt, wenn Wellengang und Wind härter werden. Meine Entscheidung treffe ich dann anhand der Elemente und im Austausch mit einigen anderen Leuten."

Thomson aufs Podium?

Dicks Vorsprung auf den Viertplatzierten Briten Alex Thomson war am Freitagmorgen auf rund 35 Seemeilen zusammengeschmolzen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Thomson am Franzosen vorbeiziehen wird. Für Dick, der schon in der letzten Vendée Globe unglücklich ausschied, wäre nun das Erreichen der Ziellinie der größtmögliche Erfolg – egal, auf welchem Platz.

Andere Pläne haben François Gabart und Armel Le Cléac'h. Das Duell der beiden führenden Skipper hält an. Zwei Tage vor dem erwarteten Zieldurchgang verteidigte Gabart einen recht komfortablen Vorsprung von rund 100 Seemeilen. Doch bis zur Ziellinie gilt es noch rund 900 Seemeilen im zunehmenden Schiffsverkehr unbeschadet zu absolvieren. 

Das Race Village öffnet heute

Race Village Les Sables D'Olonne

Die Helden kehren zurück: Das Race Village Les Sables d'Olonne öffnet heute

In der Zwischenzeit bereitet sich der kleine französische Hafenort Les Sables d'Olonne mit seinen nur rund 14.000 Einwohnern auf den Ausnahmezustand vor. Bis zu einer halben Million Besucher werden in den kommenden Tagen im Race Village erwartet, das bereits heute um 10 Uhr seine Tore für Besucher öffnet. Die offizielle Eröffnungsfeier findet am Nachmittag um 15 Uhr statt. Die ersten Helden werden laut aktuellen Prognosen am Sonntagmorgen erwartet. Von ursprünglich 20 gestarteten Soloskippern sind noch zwölf im Rennen.

Tatjana Pokorny am 25.01.2013

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