Regatta
Der Vendée-Globe-Jüngste: vom Genfer See erneut um die Welt

Alan Roura hat die Welt zum zweiten Mal als jüngster Vendée-Globe-Starter umrundet – eine herausragende Leistung. Dabei wurde der 27-Jährige hart geprüft…

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor 3 Monaten
Alan Roura Alan Roura Alan Roura

Yvan Zedda / Alea / #VG2020 Alan Roura

Mit den 95 Tagen, 6 Stunden, 9 Minuten und 56 Sekunden, die Alan Roura für seine zweite Vendée-Globe-Teilnahme gebraucht hat, hat er seine eigene Bestleistung von der Premiere 2016/17 um mehr als zehn Tage unterboten. Das tat er mit einer Imoca-Yacht von 2007, die ihm das Regattaleben beim Comeback immer wieder schwer machte. Der Schweizer war zum zweiten Mal in Folge als jüngster Skipper der Flotte im Einsatz. Er kam am Donnerstagabend um 19.29 Uhr ins Ziel und sicherte sich damit Platz 17. Bei der vergangenen Auflage hatte Alan Roura als jüngster Teilnehmer der Vendée-Globe-Geschichte Platz zwölf belegt. Damals kamen aber auch nur 18 Starter ins Ziel. Bei der 9. Edition deutet alles darauf hin, dass am Ende 25 Skipper und Skipperinnen ankommen. Einer der Helden und Heldinnen ist erneut Alan Roura.

Jean-Louis Carli / Alea / #VG2020 Dieses Ergebnis hat sich Alan Roura schwer erkämpft: Der Schweizer kam bei seiner zweiten Runde um die Welt als erneut jüngster Starter als 17. ins Ziel

Der in Lorient lebende und trainierende Schweizer darf eher zum Regatta- als zum Abenteurerkreis im gemischten Teilnehmerfeld gezählt werden. Obwohl er bei seinem zweiten Durchgang ein moderneres und wettbewerbsfähigeres Boot als noch bei Runde eins gesegelt hat, machten ihm technische Probleme die gut drei Monate auf See schwerer als gedacht, weil die Kielhydraulik früh im Rennen streikte und erst das zentrale Festsetzen des Kiels Erleichterung, aber auch Geschwindigkeitsverluste mit sich brachte.

Alea / #VG2020 "La Fabrique"-Skipper Alan Roura mit Humor

Segeln hat Roura einst klassisch als Schüler und Opti-Kind auf dem Genfer See gelernt. Schon im Alter von acht Jahren jedoch wurden die Meere für das Kind einer Fahrtenseglerfamilie zum Lebens- und Klassenraum. Das Leben auf Booten war seine Normalität. Mini-Transat-Segler inspirierten ihn auf Lanzarote im Teenager-Alter so sehr, dass er sich einen eigenen Mini 650 kaufte und damit in karibischen Gefilden solo segelte und alleine trainieren lernte. In den Mini-Circuit stieg Alan Roura 2009 ein und arbeitete sich als EInhand-Regattasegler klassisch hoch. 2014 bestritt er seine erste Route du Rhum. Bei seiner Transat-Jacques-Vabre-Premiere 2015 segelte er schon auf Platz zehn. Roura war immer eher Regattasegler als Abenteurer. Man dürfte ihn guten Gewissens einen "harten Hund" nennen. Seine Kämpferqualitäten hat er im zweiten Vendée-Globe-Anlauf auch mit zwischenzeitlich vergossenen Tränen der Verzweiflung erneut unter Beweis gestellt. Schon 2016 hatte Roura das Ankommen bei seiner Vendée-Globe-Premiere gesichert, indem er infolge einer Ufo-Kollision in 45 Knoten Wind sein kaputtes Ruder ersetzte.

Alan Roura / La Fabrique / #VG2020 Alan Rouras Gesicht spiegelt seine Liebe zur See wider

Bei der für ihn heute zu Ende gegangenen zweiten Runde wollte er mehr zeigen. Sein Boot war jenes, mit dem Armel Le Cléac'h – Sieger der achten Vendée-Globe-Auflage – bei der siebten Edition 2008/09 Zweiter geworden war. Roura hatte eine Platzierung im ersten Drittel der Flotte ins Visier genommen. Dafür hatte er dem Finot/Conq-Design von 2007 auch ein paar neue Flügel verliehen. Doch die halfen wenig, als ihn Ende November die ersten Kiel-Probleme in Form eines Öllecks ereilten. Während die Spitzenreiter enteilten, kämpfte Roura bis zur Verzweiflung seinen eigenen Kampf an der Reparaturfront und berichtete südlich von Madagaskar von einer "Traurigkeit tief in mir, die ich hart zu akzeptieren finde". Das nächste Ölleck kam am zweiten Weihnachtstag als böse Bescherung. Die zweite Großreparatur führte zur Entscheidung, den Kiel mittig zu fixieren. Roura musste in den Mast, er musste seinen Hydrogenerator reparieren und durfte dabei den Kiel nie aus den Augen lassen, konstatierte erst vor wenigen Wochen: "Ich befinde mich im Überlebensmodus."

Alan Roura / La Fabrique / #VG2020 Da war die Weihnachtswelt für Alan Roura noch in Ordnung. Am zweiten Weihnachtstag nicht mehr…

Vor diesem Hintergrund ist Rouras Ankommen heute ein großer Sieg über die technischen Hürden, die ihm dieser Meeres-Marathon immer wieder in den Weg gestellt hat. Nicht einmal die Wetterbedingungen waren beim atlantischen Wiederaufstieg zum Finale auf seiner Seite. Sie waren hart und launisch wechselhaft. Mit einiger Stoik vermeldete der Schweizer von See von seinem nie endenden Kampf: "Meine Rivalen hier draußen haben auch ihre Sorgen, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass meine Situation die schlimmste ist. Ich betrachte diese Vendée Globe sehr als mentalen und physischen Test." Die Herausforderung endete für Roura mit einem versönlichen Matchrace gegen Stéphane Le Diraison, das der Schweizer "La Fabrique"-Skipper auf den letzten Seemeilen mit gut zwei Stunden Vorsprung für sich entscheiden konnte. "Das gibt dem Ganzen Würze und ist wirklich cool", berichtete er vor dem Zieldurchgang von See. Ein Déjà-vu brachte das Duell außerdem: Schon vor zwei Jahren trennten Roura und Le Diraison auf der Ziellinie der Route du Rhum nur 4 Minuten und 43 Sekunden.

Le Diraison / Time for Oceans / #VG 2020 Der 44-jährige "Time for Oceans"-Skipper Stéphane Le Diraison kam am Abend des 11. Februar als 18. ins Ziel seiner ebenfalls zweiten Solo-Runde um die Welt

Roura wird bleiben: Der Schweizer Regattasegler will mehr und kann mehr als seine Platzierung es zeigt, die bei einem Königsrennen wie der Vendée Globe sowieso nicht alles ist. Alles andere als sein Comeback bei der Vendée Globe 2024/25 wäre eine große Überraschung. Dass Roura bei allem Ehrgeiz auch ein Romantiker ist, hat er mit vielen schönen Berichten von Bord bei dieser, aber auch schon bei seiner ersten Weltumsegelung hören und lesen lassen. Vendée-Globe-Fans, die auch die achte Vendée-Globe-Auflage vor vier Jahren intensiv verfolgt haben, werden sich vielleicht noch an seinen "Liebesbrief aus dem Südpolarmeer" erinnern, den der damals erst 23 Jahre alte Alan Roura öffentlich gemacht hatte. Wer den noch einmal genießen will, findet ihn hier (bitte anklicken!). Bei seiner zweiten Weltumsegelung hat Alan Roura nun 28.603 Seemeilen über Grund in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,51 Knoten absolviert. Kann er seiner Gesamtsegelzeit von der zweiten zur dritten Runde so steigern wie von der ersten zur zweiten, dürfte er im dritten Anlauf so weit vorn mitspielen, wie er es sich wünscht.

Vincent Curutchet / Alea / #VG2020 Nach diesem Abschied startete Alan Roura am 8. November 2020 hoffnungsvoll und voller Energie in seine zweite Solo-Weltumsegelung

Als nächste Seglerin wurde in der Nacht zum 12. Februar die britische Medaillia-Skipperin Pip Hare in Les Sables-d'Olonne erwartet.

Hier geht es zum Tracking und zu den Ergebnissen der weiter laufenden 9. Vendée Globe (bitte anklicken!).


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Themen: Alan RouraSchweizVendée Globe

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