Regatta
Der letzte Vendée-Globe-Held: Ari Huusela mit "Sisu" im Ziel

Mit der Ankunft des "Stark"-Skippers in Les Sables senkt sich der Vorhang der 9. Vendée Globe. Daheim in Finnland wird der Pilot wie ein Nationalheld gefeiert

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor einem Monat
Ari Huusela im Ziel Ari Huusela im Ziel Ari Huusela im Ziel

Jean-Louis Carli | Stark | #VG2020 Ari Huusela im Ziel

Die Finnen haben ein wunderbares Wort, das Eigenschaften wie Ausdauer, Kraft und klaglose Beharrlichkeit auf einen einzigen kurzen Nenner bringt: Sisu! Im Land der tausend Seen gilt Sisu als erstrebenswertes Lebenskonzept, in schwierigen Lagen weder den Kopf noch die Hoffnung zu verlieren. Das hat der erste finnische Vendée-Globe-Absolvent Ari Huusela in den vergangenen vier Monaten nie getan. Auch nicht nach dem frühen Beinahe-K.o.-Schlag zu Rennbeginn in der Biskaya, als sein Mast im ersten Sturm das Wasser berührte. In seiner Heimat ist Ari Huusela vor allem mit seiner beherzten Einstellung zum national bekannten Synonym für Sisu geworden. Als 25. der ursprünglich 33 gestarteten Teilnehmer kam der 58-Jährige heute nach souverän gesegelter Nonstop-Runde um die Welt als Letzter ins Ziel. Acht ausgeschiedenen Skippern, darunter prominente Segler wie "Hugo Boss"-Skipper Alex Thomson, war das nicht vergönnt.

Jean-Louis Carli | Stark | #VG2020 Ari Huusela mit den traditionellen Vendée-Globe-Bengalos im Ziel

Mit der Ankunft des sympathischen Piloten aus Helsinki geht der sportliche Teil der neunten Auflage des Solorennens um die Welt zu Ende. Da ließen es sich die Gastgeber nicht nehmen, den letzten Helden noch einmal besonders stürmisch zu feiern. Und der Finne genoss die finalen Meilen auf dem Weg in den Start- und Zielhafen Port Olona sichtlich. Ari Huusela hat sich nach 116 Tagen, 18 Stunden, 15 Minuten und 46 Sekunden auf See mit herausragendem Durchhaltevermögen jeden Beifall verdient. Der 58-Jährige hat ziemlich genau ein Jahresdrittel für seine erste Einhand-Weltumsegelung ohne Zwischenstopp gebraucht und gehört nun dem kleinen feinen Kreis der erst 113 Vendée-Globe-Absolventen an, die das Rennen seit seiner Premiere 1989/90 auch beenden konnten. Zum Vergleich: Als "erster Letzter" war bei der Vendée-Globe-Premiere 1989/90 Jean-François Coste nach 163 Tagen, 1 Stunde und 19 Minuten ins Ziel gekommen.

Der finnische "Stark"-Skipper Ari Huusela ist angekommen. Hier geht es zur Live-Übertragung

Ari Huusela | Stark | #VG2020 Ari Huuselas kleiner finnischer Schneemann an Bord der "Stark"

Ari Huusela | Stark | #VG2020 Mit Bildern wie diesen hatte der Finne immer wieder unterstrichen, dass er bei der Vendée-Globe-Premiere seinen großen Traum lebt

Als Höhepunkt seiner Reise bezeichnete Huusela seine Kap-Hoorn-Passage: "Das war so sehr mein großer Moment, mein Traum für diese Reise. Das war so schön! Der atlantische Aufstieg dagegen hat sich dann als Kampf erwiesen. Wie für die meisten anderen Segler auch." Nachdem Huusela schon vor dem Rennen auf dem Weg nach Frankreich in Helsinki von Hunderten Begleitbooten und Tausenden Fans verabschiedet worden war, ist bei seiner baldigen Heimkehr in den finnischen Heimathafen mit einem noch viel größeren Auflauf zu rechnen. "Dieses Projekt ist so, so groß geworden in Finnland", erzählt Huuselas beeindruckt, "das erstaunt mich sehr. Mein Leben wird anders sein, wenn ich wieder zu Hause bin. Ich glaube, dass es da sehr viele Leute gibt, die mir gefolgt sind und jetzt wissen, wer Ari Huusela ist. Ich habe dieses Projekt ursprünglich für mich selbst begonnen, wollte mein ehrliches eigenes Ich auf dieser Reise sein und nicht viel Lärm darum machen. Dann ist das einfach alles passiert. Ich habe einfach nur diese Geschichten von Bord geschrieben. Und ich denke, dass sie für die Menschen im Lockdown befreiend waren. Die größte Comedy-Show Finnlands hat neulich einen Sketch mit mir gezeigt. Es ist unglaublich!"

Ari Huusela | Stark | #VG2020 Ari Huusela an Bord seiner Imoca "Stark". Rechts neben ihm ist eine umgedrehte Flasche mit Karamellsauce zu sehen. Huuselas Vorliebe für die bretonische Geschmacksvariante "Beurre salé" ist bekannt…

Ari Huusela | Stark | #VG2020 An diesem Tag hatte sich Ari Huuselas Kap-Hoorn-Traum erfüllt

Huuselas einst in Neuseeland bei Hakes Marine in Wellington für Dee Caffari gebaute Imoca "Stark" ist inzwischen fast 14 Jahre alt und hatte die Welt vor Huuselas Abenteuer schon dreimal umrundet – einmal mit der Vendée Globe, zweimal im Barcelona World Race. Unter der Segelnummer FIN 222 hat sich die "Stark" nach mehreren Umbauten erneut als solide und zuverlässig erwiesen. Genau wie der Skipper selbst. Als Pilot mit hoher Affinität zum Element Luft und gutem Verständnis für Wetterentwicklung vorgebildet, hat der zweimalige Mini-Transat-Steuermann sein Rennen ins Ziel gebracht. "Hyvin tehty", gut gemacht, würden die Finnen sagen. Wie Huusela sein Abenteuer erlebt hat, können sie ab August noch einmal ganz genau nachlesen. Dann soll Huuselas Vendée-Globe-Buch erscheinen, für das er während des Rennens ein tägliches Tagebuch auf Papier geschrieben hat. Im Ziel sagte Huusela: "Ich bin so glücklich, so stolz, dass ich es geschafft habe. Vergesst nicht, dass ich immer noch Flugzeugpilot bin und das hier mein Hobby ist. Ich denke, ich habe alles geschafft, was man als Amateur-Solosegler schaffen kann."

Ari Huusela | Stark | #VG2020 Starke Leistung: Ari Huusela wird der Vendée-Globe-Gemeinde in bester Erinnerung bleiben

Themen: Ari HuuselaStarkVendée Globe


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