Vendée Globe

Der erste taktische Schachzug

Alex Thomson und Jean-Pierre Dick segeln dicht unter Land, um mehr Wind zu finden, Armel Le Cléac'h liegt nun 100 Meilen westlich

Andreas Fritsch am 08.11.2016
Vendee Globe 2016 Team StMichel Virbac PR_23824_1_FR_original

Neuer Führender: Jean-Pierre Dicks "St. Michel-Virbac"

Gestern gegen Abend halste Alex Thomson in Führung liegend seine "Hugo Boss" in Richtung portugiesisches Festland, um dort mehr Wind zu finden und dem sich aus Westen nähernden Schwachwindbereich zu umfahren. Wenig später folgte ihm Jean-Pierre Dick ("St. Michel-Virbac"). Der Dritte im Führungstrio, Armel le Cléac'h ("Banque Populaire VIII"), entschied sich, weiter den kürzesten, direkten Weg zu segeln und beim Feld zu bleiben. Er übernahm in der Folge kurzzeitig die Führung. Fast 100 Meilen trennen die drei ehemals führenden Boote jetzt in Ost-West-Richtung. 

Beim Positions-Update heute Morgen um 8 Uhr lagen Jean-Pierre Dick und Thomson mit nur 0,5 Meilen Abstand zueinander dann wieder vor Le Cléac'h. Zurzeit scheint sich die Ostroute auszuzahlen: Während die beiden Führenden noch immer mit 14 Knoten Bootsspeed unterwegs sind, wird das Feld im Westen bereits deutlich langsamer, ist teils mit deutlich unter 10 Knoten Speed unterwegs. Die VMGs differieren ähnlich stark.

Positionen

Positionen heute Morgen um 8 Uhr

Thomson und Dick gehen damit ein hohes Risiko ein, denn noch besteht laut der Meteorologen der Regatta-Leitung die Möglichkeit, dass eine kleine Front dem Feld im Westen im Laufe des heutigen Tages etwas mehr Wind beschert als gedacht. Doch bislang scheint sich der Ausbruch nach Osten auszuzahlen.

Von Bord des Open 60 empfand Yann Eliès das Geschehen an der Spitze positiv: "Der leichtere Wind bevorteilt uns mit den nicht foilenden Booten. Es sollte den Führenden nicht mehr so leicht fallen, uns davonzufahren!" Tatsächlich hat sich der Abstand allerdings mittlerweile auf etwas über 20 Meilen vergrößert, gegenüber rund 14 gestern.

Bester Skipper auf einem der älteren Boote ist nach wie vor Vincent Riou mit seiner "PRB" auf Platz vier. Doch der Preis dafür ist hoch, wie er gestern mitteilte: "Ich habe viel meiner Energie verbraucht, um mit den Foilern mithalten zu können", meldete er gestern etwas erschöpft von Bord. Offenbar muss er sein Boot wirklich zu 100 Prozent ausreizen, mehr Segelwechsel durchführen, ständig trimmen, um dranzubleiben. Keine schöne Aussicht bei rund 65 Prozent Raumanteilen auf dem Kurs, die die Foiler bevorteilen sollten.

Schmerzlich war gestern der Tag für den Franzosen Jérémie Beyou, der mit seiner "Maitre Coq" in den Wind schoss, als sein Leeruder plötzlich hochklappte. "Das Boot luvte scharf an, und ich stürzte kopfüber auf eine Winsch und habe mir einen Zahn abgebrochen", berichete er. Bleibt zu hoffen, dass die Verletzung nicht so ernst ist, dass er aufgeben muss. Mit seinem älteren Open 60 (die Ex-"Banque Populaire"), der Foils nachgerüstet hat, gehört zu den spannenden Teilnehmern im Feld, und er ist als harter Kämpfer bekannt. Sein Sieg beim letzten Transat-Rennen, in dem er die neuen Foiler schlug, hat ihm viel Respekt eingebracht.

Im Laufe des Tages rechnen die Meteorologen mit nachlassenden Winden aus Nordwest, etwa 8 Knoten, die dann auf Nordost drehen sollen. Morgen dürfte das Feld dann die Kanaren passieren und allmählich in die Passatwinde eintauchen.

Andreas Fritsch am 08.11.2016

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online