Vendée Globe

Das Feld rückt wieder zusammen

Im schwachen, unbeständigen Wind haben die Boote ohne Foils aufgeholt. Alex Thomson und Jean-Pierre Dick fallen zurück, Le Cléac'h gibt Gas

Andreas Fritsch am 09.11.2016
Vendee Globe 2016 Team Banque Pop VIII PR_238

Der taktisch gewagte Abstecher von Alex Thomson ("Hugo Boss) und Jean-Pierre Dick ("St. Michel-Virbac") hat sich bisher nicht ausgezahlt, sie fallen hinter die führende "Banque Populaire" zurück. Nur für einen sehr kurzen Zeitraum hatten die beiden nach Osten unter die Küste Portugals ausgebrochenen Boote besere Bedingungen und waren schneller. Zurzeit ist es aber Armel le Cléac'h im Westen, der die Pace setzt. Alex Thomson hatte schon gestern in einem Bordvideo gesagt, dass der Extremschlag womöglich doch keine gute Idee gewesen sei (zum Video geht es hier).

Jean-Pierre Dick erkannte das Risiko offensichtlich früher und kehrte eher auf den alten Kurs nach Südwest zurück. Der Ausläufer des Azorenhochs erreichte das Feld früher als erwartet und war größer als vorhergesagt. Nun müssen alle Boote das Leichtwindband  passieren. Der heutige Tag wird höchst spannend.

Karte

Stand des Rennens heute Morgen um 8 Uhr

Erst nach der Passage Madeiras dürfte der Wind wieder etwas kräftiger werden. Ob die Insel an ihrer West- oder Ostseite passiert wird, ist durchaus von Bedeutung: Die große Gruppe um "PRB" im Westen muss Madeira mit genug Abstand passieren, um nicht in den Effekt des Windstaus vor ihr zu geraten. Die Boote im Osten müssen die Abdeckung meiden, die laut Vendée-Wettervorhersage gut 50 Seemeilen betragen kann.

Für etwas Unsicherheit sorgt der neueste Tracker-Plot der Vendée-Webseite, auf dem der Franzose Jean-Pierre Dick nur noch drei Knoten Speed fährt und vom direkten Kurs abgewichen ist. Noch gibt es keine Meldungen über Probleme an Bord. Manchmal können es auch Tracker-Fehler zum Zeitpunkt der Positionsnahme sein, aber bis zur Entwarnung müssen die Fans des smarten Tierarztes zittern.

Gute Bilder vom Start des Rennens und den ersten Meilen zeigt das erste Wochen-Update-Video des Veranstalters:


Weekly summary #01 / Vendée Globe 2016/2017 von VendeeGlobeTV

Ein Rätsel, das sich dagegen gestern aufklärte, war die relativ schwache Performance von "Safran"-Skipper Morgan Lagraviére. Der Skipper des brandneuen VPLP-Foilers lag eher im Mittelfeld und schien überraschend langsam. Gestern Abend meldete er von Bord, dass ihn Elektronikprobleme ihn aufgehalten haben, das Boot jetzt aber wieder bei 100 Prozent Leistungsfähigkeit sei. 

Seiner Top-Favoriten-Rolle wird bislang Armel Le Cléac'h voll gerecht. Er scheint jederzeit exzellenten Speed laufen zu können und hat sich mittlerweile mit knapp 27 Meilen einen schönen Vorsprung ersegelt. Sollte es ihm gelingen, als Erster den schwachen Winden zu entkommen und die Passatwinde zu erreichen, dürfte dieser noch deutlich anwachsen.

Dahinter ist das Feld wieder dicht beisammen, nachdem Thomson und Dick praktisch von der Meute wieder eingeholt wurden. Sehr stark segelt eine Vierergruppe im Westen mit den beiden Nicht-Foilern "PRB" von Vincent Riou und Paul Meilhats "SMA". Die beiden sehr leichten Boote bieten der hoch eingeschätzten "Edmond de Rothschild" von Sébastien Josse und dem nachgerüsteten Foiler "Maitre Coq" von Jérémie Beyou Paroli. Man darf gespannt sein, wie gut ihnen das gelingt, wenn die Boote den stärkeren Passatwind erreichen. Hier wird den Foilern ein deutilcher Vorteil prophezeit.  

Andreas Fritsch am 09.11.2016

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