Vendée Globe

"Das Boot droht zu zerbrechen!"

Thomas Ruyant ist in ernsten Schwierigkeiten: Nach seiner Ramming mit einem UFO kollabiert sein Open 60. Und der nächste Sturm naht

Andreas Fritsch am 19.12.2016
Schaden
Thomas Ruyant

Die Schäden an "Le Souffle du Nord"

Ruyant

Thomas Ruyant

Der Vendée-Rookie, der bislang ein so hervorragendes Rennen segelte, kämpft um sein Boot. "Der Rumpf ist an der Backbordseite auf Höhe des Vorschiffs gebrochen, auch unter der Wasserlinie. Das Deck ist zerborsten, die Steuerbordseite delaminiert ebenfalls", meldete er von Bord und belegte das mit schockierenden Fotos und einem Video, das zeigt, wie Wasser ins Schiff gelangt. Die Risse und Löcher sind gewaltig, das Ringschot ist komplett vom Rumpf gelöst. "Es besteht die Gefahr, dass die ganze Bugsektion einfach abbrich", so Ruyant. Zurzeit halten praktisch nur noch die längs verlaufenden Verstärkungen und Stringer den Rumpf im vorderen Bereich zusammen. 

Schaden

Die Schäden an "Le Souffle du Nord"

Zum Ablauf der Kollision, die zu dem Schaden führte, konnte er nicht viel sagen, nur, dass es ein gewaltiger Aufschlag war. "Ich fuhr 17 bius 18 Knoten, als es passierte. Das Boot blieb vom Aufprall komplett stehen. Nach dem Schaden, den es im Vorschiff gibt, könnte es ein Container gewesen sein. Die ganze Bugpartie ist zusammengefaltet und regelrecht explodiert. Ich schlief zum Glück in meinem Sitzsack, mit dem Kopf darin, als es passierte und ich ans vordere Schot knallte. Das hat alles gedämpft. Ich habe nachher Ausrüstung gefunden, die vom Niedergangschot zehn Meter durchs ganze Schiff zum vorderen Schott geflogen ist. Aber der Wassereinbruch ist zum Glück vor dem wasserdichten Schott."

Thomas Ruyant mit Bildern der erschreckenden Schäden

Ruyant

Thomas Ruyant

Nun beginnt für den 35-Jährigen ein banger Wettlauf mit der Zeit. Knapp 260 Seemeilen sind es bis zum Schutz der neuseeländischen Küste in Bluff, doch schon morgen früh zieht ein Sturmtief auf, das höheren Seegang bringen soll. Zurzeit motort Ruyant mit sechs bis sieben Knoten Speed, um den Rumpf nicht zu stark zu belasten. 

Die Sicherheitsausrüstung liege griffbereit, falls der Rumpf zerbricht und er sich in die Rettungsinsel begeben muss. Seit heute Morgen nähert sich seine "Souflle du Nord" auch der Zone, in der ein Heliktoptereinsatz möglich wäre, um notfalls den sympathischen jungen Segler abzubergen. Doch zurzeit konzentriert er sich voll und ganz darauf, sein schwer beschädigtes Schiff, die Ex-"Groupe Bel" von Kito de Pavant, noch zu retten. Der Wassereinbruch ist offensichtlich mit den Pumpen des Bootes noch zu kontrollieren.

Mastbruch auf "Compagnie du Lit

Notrigg

Notrigg

Fast zeitgleich mit Ruyants Unglück brach auf Stéphane le Diraisons "Compagnie du Lit" in 40 Knoten Wind und sehr rauer See der Mast. "Das Boot surfte mit 28 Knoten eine Welle herunter, als ich einen ziemlichen Lärm hörte. Ich rannte an Deck, dachte, es war eine der Deckssalinge beschädigt, aber dann war da überhaupt kein Rigg mehr! Normalerweise bricht ein Mast auf Höhe der ersten oder zweiten Saling, aber meiner war direkt über dem Deck abgeschoren. Er lag in Stücken da, die Segel hingen über die Seite im Meer, das ganze Schiff war übersät mit Kohlefaserstücken. Die Salinge bohrten sich ins Deck. Ich wollte noch den Gennaker retten, aber die Seen waren riesig und brachen sich, stiegen ins Cockpit ein."

Eine kurze Untersuchung der Ursache weist auf ein gebrochenes Auge am Achterstag-Beschlag hin. Sehr ärgerlich, so der Franzose, da es erst kurz vor dem Rennen ersetzt worden war. Diraison weiter: "Ich habe zwölf Stunden gebraucht, um das Deck einigermaßen freizuräumen. Ich konnte ein Sieben-Meter-Notrigg setzen, das ist fantastisch. Das hört sich immer so einfach an, wenn Leute erzählen, wie sie Notriggs haben, aber auf einem 60-Fußer allein im Sturm ist das nicht einfach. Ich glaube nicht, dass das runterkommt. Ich habe meine Sturmsegel gesetzt und versuche, so schnell wie möglich nach Norden zu gelangen, raus aus der Eiszone, in der ich drifte. Ich war völlig konsterniert, richtig unter Schock. Man muss wirklich die letzten Reserven mobilisieren, um damit fertig zu werden."

Nun dümpelt der Franzose mit etwa drei bis vier Knoten Speed nordwärts in Richtung Australien, das noch gut 1000 Seemeilen entfernt ist. 

Andreas Fritsch am 19.12.2016

Das könnte Sie auch interessieren


YACHTmarkt DK Buch Schärenkreuzer DK Buch Logbuch

Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online