Vendée Globe

Bernard Stamm aus dem Rennen!

Schock für den Schweizer: Die Jury disqualifiziert ihn wegen der Inanspruchnahme von Hilfe während seines Reparaturstopps in Neuseeland

Andreas Fritsch am 02.01.2013
Stamm

"Cheminées Poujoulat" im Glitsch. Stamm hatte Probleme mit den Hydrogeneratoren und der Zentralwinsch

Die Leidensgeschichte des Schweizers bekommt damit eine neue Dimension: Auch im dritten Anlauf bringt er das Rennen nicht zu Ende. Die Jury begründete ihre Disqualifikation mit dem Manöver, das Stamm während seines Anker-Stopps vor Enderby Island in Neuseeland fuhr. Er lag dort vor Anker, als dieser zu slippen begann und er auf ein russisches Forschungsschiff zudriftete, das ebenfalls dort ankerte. Laut Stamm war dies eine gefährliche Situation, und so nahm er zum Kapitän des Schiffes Funkkontakt auf. Die Skipper einigten sich, dass Stamm mit seinem Open 60 längsseits gehen könnte, um die Situation sogleich zu entschärfen. Stamm muss noch seine tragische Strandung in einer ähnlichen Situation bei der letzten Vendée Globe auf den Kerguelen vor Augen gehabt haben.

stamm

Ausgeschieden: Bernard Stamm

Laut Jury war schon dies ein klarer Verstoß gegen das Verbot des Reglements, Hilfe von außen anzunehmen. Doch es kam noch schlimmer. Während Stamm das Manöver fuhr, sprang ungefragt ein russisches Crewmitglied des Forschungsschiffes auf seinen Open 60 und begann, den Anker von "Cheminées Poujoulat" einzuholen. Als Stamm dies bemerkte, schickte er den Mann nicht von Bord. Er begründete dies damit, dass er sich zum einen in einer Gefahrensituation war, da sein Boot mit dem Forschungsschiff zu kollidieren drohte und zum anderen er sich außerstande sah, dem Mann den komplizierten Sachverhalt in der Hektik des Augenblicks zu erklären. Anschließend lag das Boot dann sicher längsseits, und Stamm reparierte seinen defekten Hydro-Generator.

Vor einigen Tagen war Bernard Stamm in einer Mail von Bord bitterböse mit der Technik an Bord seines Open 60 und sich selbst ins Gericht gegangen:

"Wir konnten uns nicht vorstellen, dass einige Teile der Hydro-Generatoren derart unterdimensioniert sind. Sie sind wie ein Lego-Spielzeug konstruiert, nicht ein ernsthaftes Stück Ausrüstung für so ein Boot! Alle Leute sagen mir immer, ich könnte nicht für jedes Teil an Bord selbst verantwortlich sein, ich müsste Verantwortung abgeben. Aber wenn ich es tue, seht, was passiert! Ich muss die Folgen dann allein tragen. Nächstes Mal würde ich alles selber in die Hand nehmen! Ich bin richtig sauer, und ich denke, es ist gerechtfertigt. (...) Wenn ich zurückschaue, ist es letztlich der Container, den wir während des Transats Jacques Vabre gerammt haben. Das hat unsere Vorbereitung einfach zu sehr zurückgeworfen."

Zu seiner Disqualifikation hat Stamm bislang noch keine Stellungnahme veröffentlicht.

UPDATE: Mittlerweile hat sich der Schweizer auf seiner Website geäussert und will eine Wiederaufnahme des Verfahrens erwirken. Die Jury hätte nicht verstanden, dass die Gefahr einer Kollision bestand, und er keine Möglichkeit hatte, die Situation anders zu lösen. Abgesehen davon will er das Rennen zu Ende segeln, egal wie die Entscheidung der Jury ausfallen wird. 

Andreas Fritsch am 02.01.2013

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