Vendée Globe

Auf zwei Flügeln um die Welt

Am 6. November startet die Vendée Globe zum achten Mal. Wissenswertes und Hintergründe über die Technik der foilenden Rennboliden

Andreas Fritsch am 02.11.2016
Vendee Globe 2016 Team Banque Pop VIII PR_26282730240_7ff704f3c8_b

Das beherrschende Thema dieser Vendée sind die Foils: Fünf Boote der letzten Generation sind mit ihnen ausgerüstet ("Banque Populaire", "St. Michel Virbac", "Edmond de Rothschild", "Safran", "Hugo Boss") und ein Älteres nachgerüstet ("Maitre Coq"). Die Fortschritte mit den Foils waren gerade in den letzten sechs, sieben Monaten sprunghaft, die Boote wurden schneller, und die Skipper fanden Wege, sie verlässlicher zu nutzen. Die Bruchserien von 2015 scheinen beendet, die Flügel aus am Rumpfende faustdickem, massivem Kohlefaserlaminat verlässlicher. Bei den Transatlantik-Regatten 2016 lagen die Foiler plötzlich deutlich vor der letzten Generation von Open 60s, die 2015 die Flügel-Geschosse teils noch auf Distanz halten konnten. Vincent Rious "PRB" war eins der Boote, dass lange Zeit auf Augenhöhe schien und deshalb auf Foils verzichtete. Doch die Lernkurve der Skipper und Konstrukteure ist steil.

"Die Bewegungen mit Foils sind brutal, der Lärm ist enorm"

Konstrukteur Guillaume Verdier, der zusammen mit den Designern von VPLP alle sechs Neubauten der Klasse entworfen hat, bringt die Probleme auf den Punkt: "Vor allem müssen die Skipper cool bleiben, wenn sie um die Welt wollen. Die Boote sind sehr stressig zu segeln, die Bewegungen sind mit den Foils noch brutaler, der Lärm von den Foils ist riesig. Ich glaube nicht, dass die Jungs tagelang mit 27 Knoten foilen werden." Die Skipper müssten lernen, wann es Zeit ist zu pushen und wann sie besser vom Gas gehen."

Das war schon immer die Gratwanderung bei der Vendée, doch bei dieser Auflage ist sie noch schwieriger als je zuvor. Für viele Otto-Normal-Segler scheint die Frage, wie man eine Kielyacht in Offshore-Bedingungen quasi wie auf Flügeln fährt, ohnehin schwer nachvollziehbar. Das Ganze ist ein filigranes Zusammenspiel der Kräfte: Bekommt das Schiff Lage, setzt das leicht sichel- oder L-förmige Schwert ein und presst mit der Rundung am Ende das Boot aus dem Wasser. Der Effekt beginnt bei etwa 11 bis 13 Knoten Wind zu funktionieren und wird umso stärker, je schneller das Boot segelt. Zusammen mit dem Auftrieb, den der geschwenkte Kiel erzeugt, wird das Boot weit aus dem Wasser gehoben, bis der Rumpf nur noch auf einem kleinen Bereich hinter dem Kiel und dem Luvruder gleitet. Der Vorteil zu nicht foilenden Booten ist immens, je nach Kurs, Windstärke und Team wird von fünf bis zehn Prozent mehr Speed gesprochen.

Wie genau das Zusammenspiel funktioniert, wie groß die Lasten auf Rumpf und Schwerter ist und wie heikel der Ritt für die Skipper, ist in der aktuellen YACHT Nr. 23 zu lesen. Für den Artikel zur Vendée Globe segelten wir auf dem neuen Foiler "Hugo Boss" von Alex Thomson mit und sprachen mit den Designern von VPLP über die Physik der Schwerter.

In Videos erklären die Teams, wie ihre Boote funktionieren. Eindrucksvolle Bilder belegen, dass die Technik mittlerweile zuverlässig ist. 

 

Dass das Steuern der fliegenden Speed-Maschinen der reinste Nervenkitzel ist, offenbart auch dieses Video vom Team Banque Populaire. Mehr Action geht nicht! 

Andreas Fritsch am 02.11.2016

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online