Vendée Globe
Als Vierter wie ein Sieger gefeiert

Happy End für Jean-Pierre Dick. Der heimliche Held der Vendée Globe kreuzte die Ziellinie um 16.05 Uhr nach 2.650 Seemeilen ohne Kielbombe

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 04.02.2013

Olivier Blanchet/DPPI/Vendée Globe Jean-Pierre Dick im Ziel

Das gibt es nur in Frankreich: Hunderttausend Fans feiern an einem ganz gewöhnlichen Montagnachmittag in Les Sables d'Olonne einen Viertplatzierten. Aber so ganz gewöhnlich war der Tag eben doch nicht, denn ihr Vendée-Globe-Held Jean-Pierre Dick hatte zuvor ein kleines Segelwunder vollbracht: Von insgesamt 27.734 Seemeilen im Rennen um die Welt absolvierte der Bretone eine neue "Rekorddistanz" von 2.650 Seemeilen ohne Kielbombe! Mit einer Gesamtzeit von 86 Tagen, drei Stunden, drei Minuten und 40 Sekunden belegt Dicks "Virbac Paprec 3" Platz vier. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit bei der am Ende von Materialproblemen geprägten Hatz um den Globus betrug 13,4 Knoten.

Jean-Marie Liot/DPPI/Vendée Globe Glücklich und erleichtert: Jean-Pierre erreicht Les Sables d'Olonne

Zweimal schon hatte Jean-Pierre Dick vor seiner dritten Vendée-Globe-Teilnahme das Zweihandrennen Barcelona World Race gewonnen, dreimal sogar das Transat Jacques Vabre. Vor dem Start zur siebten Vendée-Auflage zählte der 47-Jährige zu den Favoriten. Ein Vorstagbruch, verschiedene kleinere Probleme und schließlich der folgenschwere Verlust der tonnenschweren Kielbombe machten dem Mann mit dem Spitznamen "Gentleman Skipper" aber einen Strich durch die Rechnung und kosteten ihn den angestrebten Podiumsplatz. "Die schwerste Prüfung war für mich nach dem Kielverlust das dauernde Abwägen zwischen der optimalen Segelgeschwindigkeit und meiner Sicherheit. Es war psychologisch enorm hart."

Jean-Marie Liot/DPPI/Vendée Globe Gefeiert von 100.000 Fans: Jean-Pierre Dick ist wieder zu Hause

Fast zwei Wochen lang segelte und lebte Dick nach dem Kielverlust auf Messers Schneide, bändigte sein Boot vom Typ Imoca Open 60 wie eine gigantische Hochseejolle. 48 Stunden lang ging er am vergangenen Wochenende vor der nordspanischen Küste in Deckung, versteckte sich vor den für ein Boot ohne Kiel zu stürmischen Winden. Erst am Sonntag setzte der 2011 in Frankreich zum Segler des Jahres gewählte JP Dick wieder Segel, riskierte den letzten Schlag durch die immer noch aufgewühlte Biskaya ins Ziel und hörte dann trotz großer Müdigkeit nicht mehr auf zu lächeln. "Das heute ist ganz sicher einer der glücklichsten Tage meines Lebens."

Olivier Blanchet/DPPI/Vendée Globe Ein Bretone auf dem Weg in den Heimathafen: Jubel um Jean-Pierre Dick

Ob Jean-Pierre Dick eine vierte Vendée-Teilnahme anstrebe, konnte er in ersten Interviews noch nicht beantworten. "Man muss dafür ein großes Begehren mitbringen. Aber vielleicht mache ich es noch einmal." Seine Fans veranlasste schon diese vorsichtige Aussage zu weiteren Begeisterungsstürmen im strömenden Regen. Trotz widrigster Umstände hat Dick sich mit Blick auf seinen sechsten Platz bei der letzten Vendée-Auflage verbessern können. Bei seiner Premiere 2008/2009 hatte er das Ziel nach der Kollision mit einem unbekannten Objekt ("Ufo") noch nicht erreicht, musste bereits in Neuseeland aufgeben.

Draußen auf dem Kurs spitzte sich zeitgleich zur Jubelfeier in Les Sables d'Olonne das Duell zwischen dem Briten Mike Golding und dem Franzosen Jean Le Cam wieder zu. Goldings "Gamesa" und Le Cams "CynerCiel" trennten am Monntagnachmittag nur noch neun Seemeilen. Der Kampf der beiden "Silver Ager" auf den verbliebenen rund 600 Seemeilen dürfte die Fans auch in den kommenden Tagen in Atem halten. Entwarnung dagegen gab es schon am frühen Morgen nach der Kenterung von Javier "Bubi" Sanso. Der Spanier konnte aus seiner Rettungsinsel abgeborgen werden und wurde unversehrt in eine Militärbasis auf der Azoreninsel Terceira geflogen.

Javier Sansos "Acciona 100 % EcoPowered" nach der Kenterung. Der Skipper kann per Helikopter aus der Rettungsinsel geborgen werden.


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Themen: Javier SansoJean Le CamJean-Pierre DickKielMike GoldingVendée GlobeVirbac-Paprec 3

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