Alex Thomson tritt – vorerst – vom aktiven Regattasport zurück
Der Boss sagt goodbye

Der ersehnte Vendée-Globe-Sieg ist dem Briten in seiner schillernden Karriere versagt geblieben. Eine Rückkehr schloss der 47-Jährige aber nicht gänzlich aus

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 25.10.2021
Mindestens die Vendée Globe 2024/25 findet ohne ihren charismatischen britischen Top-Akteur Alex Thomson statt. Der "Boss" möchte seiner Familie mehr Zeit widmen und zieht sich als Skipper vorerst aus dem aktiven Regattasport zurück, will aber mit seinem Team neue Talente fördern Mindestens die Vendée Globe 2024/25 findet ohne ihren charismatischen britischen Top-Akteur Alex Thomson statt. Der "Boss" möchte seiner Familie mehr Zeit widmen und zieht sich als Skipper vorerst aus dem aktiven Regattasport zurück, will aber mit seinem Team neue Talente fördern Mindestens die Vendée Globe 2024/25 findet ohne ihren charismatischen britischen Top-Akteur Alex Thomson statt. Der "Boss" möchte seiner Familie mehr Zeit widmen und zieht sich als Skipper vorerst aus dem aktiven Regattasport zurück, will aber mit seinem Team neue Talente fördern

Mark Lloyd/Alea/VG2020 Mindestens die Vendée Globe 2024/25 findet ohne ihren charismatischen britischen Top-Akteur Alex Thomson statt. Der "Boss" möchte seiner Familie mehr Zeit widmen und zieht sich als Skipper vorerst aus dem aktiven Regattasport zurück, will aber mit seinem Team neue Talente fördern

Alex Thomson zählt zu den bekanntesten Akteuren der internationalen Segelwelt. Seine Karriere hatte neben der kämpferischen Komponente stets auch etwas Märchenhaftes. Als starker Segler und charismatischer Botschafter seines Sports wusste Thomson an der Seite seines Hauptsponsors Hugo Boss mit Leistung und publikumsträchtigen Aktionen wie "Mastwalk" oder "Skywalk" zu begeistern. Nur das eine große Ziel – der Sieg bei der Vendée Globe –, das hat er nicht erreichen können. Mit seiner unermüdlichen, aber unerfüllten Jagd nach der Trophäe im Rennen seines Lebens erinnerte Thomson oft an den früheren Ausnahme-Tennisspieler Ivan Lendl, der alles, nur nicht Wimbledon gewinnen konnte.

Thomsons Karriere verlief schon in ihren Anfängen ein wenig wie in einem Hollywood-Film: Mit 21 Jahren arbeitete der Junge aus dem südenglischen Halbinselort Gosport in einer Fabrik, die Plastikstrohhalme produzierte. Er schuftete in Nachtschichten. Eines Abends kam sein Boss zu ihm, machte ihm Komplimente, lobte ein eifrig ackernden jungen Mann als außergewöhnlich zuverlässigen Mitarbeiter. Wenn er so weitermache, sagte der damalige Fabrikchef, dann sei Thomsons Aufstieg zum Vorarbeiter für die Nachtschichten binnen zwei Jahren zu machen. Das innere Entsetzen über diese aus seiner Sicht so gar nicht rosigen Aussichten erschütterte Thomson so tief, dass er noch am selben Abend die Fabrik verließ und nie wieder zurückkehrte.

Graham Snook/Mirabaud Yacht Racing Image Immer wieder verschoben Alex Thomson und sein Team die technologischen Grenzen in der Imoca-Klasse

Ein gutes Vierteljahrzehnt später zählt Thomson heute zu den bekanntesten Skippern der Welt. Er gehört jener Garde unerschrockener Einhandsegler an, die auf der Jagd nach Rekorden und Abenteuern die Welt umsegeln. Im Alter von nur 25 Jahren setzte Thomson das erste große Ausrufezeichen, gewann das Clipper Round the World Race und empfahl sich mit auffallend guten Führungsqualitäten und viel Ehrgeiz für höhere Aufgaben. Thomsons erste Auftritte in der Imoca-Szene liegen 20 Jahre zurück. Mit Hauptsponsor Hugo Boss sitzt er seit 18 Jahren in einem Boot. Die Partner beflügelten den Aufstieg des Briten und gaben dem stets bodenständig und nahbar gebliebenen Selfmade-Segler nicht nur Geld und Garderobe, sondern verliehen ihm auch eine große Portion Glamour auf dem Weg an die Spitze. Seine größten Erfolge erreichte Thomson bei der Vendée Globe 2012/13 mit Platz drei und 2016/17 mit Platz zwei. Der in den Augen von Fans und Beobachtern verdiente Sieg aber war ihm nicht vergönnt. Bei der jüngsten Auflage 2020/21 schied Thomson mit seiner Hightech-Rakete "Hugo Boss" nach einer Serie von technischen Problemen aus.

Nun hat Thomson angekündigt, dass er 2024 nicht an der Vendée Globe teilnehmen wird, schließt andererseits aber auch nicht gänzlich aus, dass er 2028 noch einmal zum Rennen seines Lebens zurückkehren könnte, bei dem er zahlreiche Speedrekorde aufgestellt und so oft auf dramatische oder erfolgreiche Weise im Mittelpunkt des Interesses stand. Zu seinem Abschied von der aktuellen Rennbühne sagte Thomson: "Ich hatte das Privileg, seit fast 20 Jahren an Imoca-60-Regatten teilzunehmen und Rennen zu fahren. Ich liebe den Sport, aber jetzt ist die Zeit gekommen, mehr Zeit an Land mit meiner jungen Familie zu verbringen. Meine Frau Kate hat unsere Kinder in den letzten zehn Jahren einhand erzogen, während ich meinen Traum gejagt habe. Jetzt möchte ich Kate unterstützen und ihr die gleiche Chance geben, die sie mir gegeben hat. Das bedeutet nicht, dass ich in den Ruhestand gehe, sondern nur meine Rolle verändere: von der meisten Zeit auf See zu mehr Zeit an Land.“

Alex Thomson Racing Ewiger Kämpfer und Galionsfigur der Vendée Globe: Alex Thomson wird der Szene als Skipper fehlen

"Die Vendée Globe ist die härteste sportliche Herausforderung der Welt"

Seine Rolle als Galionsfigur für seinen Sport hat Thomson stets gut, gern und authentisch ausgefüllt. Er sagt: „Abgesehen davon, dass ich Skipper bin, habe ich immer daran geglaubt, dass es meine Aufgabe ist, ein Botschafter unseres Sports zu sein und die Geschichte einem internationalen Publikum zu erzählen. In den letzten 20 Jahren haben wir jeden Winkel der Welt bereist, von Russland nach Mexiko, Kanada, Australien und Taiwan und sogar den Jangtse hinauf nach Shanghai in China! Es gibt eine riesige globale Fangemeinde, die der Vendée Globe folgt und sie liebt. Ich möchte den Sport weiter fördern, die Geschichte weiter erzählen und mein Wissen und meine Erfahrung teilen, aber mit Fokus auf die nächste Generation."

Thomson und sein Team 5 West Ltd wollen zusammenbleiben. Dazu sagt der Skipper: „Das Ziel war immer, die Vendée Globe zu gewinnen, die für mich heute noch die härteste sportliche Herausforderung der Welt ist, und das haben wir noch nicht geschafft. Dies ist der Beginn eines neuen Kapitels mit einem neuen Skipper, und wir werden ihm oder ihr alle Werkzeuge, Kenntnisse, Erfahrung und Umgebung zur Verfügung stellen, um zu gewinnen.“ Wer künftig die Rolle als sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin übernehmen soll, verriet Thomson aber noch nicht. In den zwei Jahrzehnten, in denen er zu den großen Charakteren in der Imoca-60-Szene zählt, hat sich der Offshore-Segelsport erheblich verändert. Die Yachten haben sich ähnlich wie die Formel 1 radikal weiterentwickelt. Auch Thomson und sein Team sind mit dem Sport gewachsen und haben mit bahnbrechenden Designs wie der jüngsten Vendée-Globe-Yacht "Hugo Boss" eigene Maßstäbe am Limit gesetzt. Thomsons Team hat mit preisgekrönten Stunts wie „Mastwalk“ oder „Skywalk“ und außergewöhnlichen Bilderwelten ein globales Publikum in den Bann gezogen.

Thomsons Technischer Direktor Ross Daniel, der seit 20 Jahren an seiner Seite arbeitet, sagte: „Nach acht Rennen um die Welt haben wir einen enormen Erfahrungsschatz und viel gelernt. Wir haben einige der innovativsten Boote der Imoca-Klasse entworfen und gebaut. Unser Boot aus dem Jahr 2016 galt als das Referenzboot seiner Generation. Wir werden unsere Erfahrung im Design und Bau von Booten und der Durchführung erfolgreicher Kampagnen weiterhin nutzen, und ich freue mich auf die nächste Kampagne, die zur Vendée Globe im Jahr 2024 führt."

Die wird nun ohne Thomson an Bord ins Visier genommen, der zum möglicherweise nur zeitweiligen Abschied von seiner aktiven Rennkarriere sagte: „Ohne unsere Partner wäre natürlich nichts von dem, was wir erreicht haben, möglich gewesen. Ich bin Hugo Boss ewig dankbar für die Unterstützung und Loyalität, die sie mir entgegengebracht haben. Gemeinsam begeistern und inspirieren wir seit 18 Jahren Menschen auf der ganzen Welt und sind zu einer führenden Marke im Segelsport geworden. Ich bin so dankbar, so eng mit dem Team von Hugo Boss zusammengearbeitet zu haben, mit so vielen kreativen und inspirierenden Menschen, von denen viele lebenslange Freunde bleiben werden.“

Alex Thomson/Hugo Boss Dieses Bild entstand bei der jüngsten Vendée Globe im November 2020 – es hat ein wenig Symbolcharakter für Thomsons letzten Siegversuch, der unter einer Serie von technischen Rückschlägen litt und schließlich scheiterte

Vor vier Jahren wurde Thomson zusätzlich von einem neuen Technologiepartner, Nokia Bell Labs, unterstützt, der seine Aufmerksamkeit auf die Leistung des Bootes und Thomson selbst gerichtet hat. Während der letzten Vendée-Globe-Kampagne „The Hub“ lieferte ein Online-Dashboard Live-Leistungsdaten für die Zuschauer, während Thomson die Segel wechselte, Reparaturen vornahm, Essen zubereitete und schlief. Die Plattform zeigte den Fans das Rennen und Thomsons Leben an Bord aus neuen Perspektiven. „Mit Nokia Bell Labs an unserer Seite haben wir so viel darüber gelernt, wie man das Beste aus dem Boot und mir herausholt. Dabei haben wir wirklich nur an der Oberfläche des Möglichen gekratzt“, sagte Thomson.

Seine Worte zum Abschied von der aktiven Skipper-Bühne: „Ich möchte allen, die bisher Teil der Reise waren, ein großes Dankeschön aussprechen. Ich danke meinen Teams in Vergangenheit und Gegenwart für das Engagement und das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben. Allen unseren Partnern und Lieferanten für ihre Unterstützung und natürlich unseren treuen Fans. Der größte Dank gilt natürlich meiner Frau Kate, die mir bei jedem Schritt zur Seite stand“, so Thomson.


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Themen: Alex Thomson

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