Segeln olympisch

Tragischer Unfall: Motten-Weltmeister Gulari im Krankenhaus

Motten-Weltmeister und Nacra17-Steuermann Bora Gulari hat nach übereinstimmenden italienischen Medienberichten im Training mehrere Finger verloren. AKTUALISIERT

Tatjana Pokorny am 30.08.2017
Bora Gulari
US Sailing
Bora Gulari

Bora Gulari

Die Nachrichten überstürzten sich am Donnerstagabend in den sozialen Netzwerken. Nach übereinstimmenden italienischen Medienberichten soll der amerikanische Motten-Weltmeister Bora Gulari bei einem Trainingsunfall vor La Grande Motte in Frankreich mehrere Finger seiner rechten Hand verloren haben. Dem Unfall war ein "Nosedive" des amerikanischen Nacra17 vorausgegangen, in dessen Folge Gulari über Bord geschleudert wurde. Im Wasser soll das Steuerbord-Foil des Katamarans entsprechend mehrerer Berichte die rechte Hand des bekannten Seglers getroffen haben. Vorschoterin Helena Scutt, mit der Gulari einen zweiten Olympia-Start ansteuerte, blieb nach ersten Berichten unversehrt.

Das Magazin "Farevela" und weitere italienische Medien berichteten, dass Gulari infolge der fatalen Kollision sogar zu ertrinken drohte. Der italienische Coach Gabriele Bruni habe ihn aus dem Wasser gezogen und notverarztet, während er zugleich den Amerikaner schnell an Land brachte und auf dem Weg eine Ambulanz zum Hafen rief. Die italienischen Medien schildern auch die Verwundung entsprechend des Berichts seines Retters detailliert. YACHT online verzichtet darauf bewusst. Gabriele Bruni setzte ein Antiseptikum ein und begleitete Gulari bis ins Krankenhaus, wo er von den Ärzten und seinem eigenen Trainer weiter betreut wurde. Bruni wird mit den Worten zitiert: "Es ging ihm nicht gut."

Volvo Ocean Race 2011/12

Franck Cammas

Der in Segelkreisen sehr beliebte Bora Gulari ist ein im Umgang mit schnellen Mehrrumpfern sehr erfahrener Segler. Der Unfall mit den bei hohen Geschwindigkeiten so gefährlich scharfen Foils und Rudern ist nicht der erste, der die Segelgemeinde schockte. Bei einem ähnlichen Unfall mit einem GC32-Katamaran hatte im Dezember 2015 der französische Volvo-Ocean-Race-Sieger und America's-Cup-Skipper Franck Cammas fast einen Fuß verloren. Im Juni 2015 hatte eine Frau auf einem Begleitboot beim Start zu einer Volvo-Ocean-Race-Etappe vor Lorient ein Bein verloren, nachdem der Trimaran "Spindrift 2", der selbst nicht am Volvo Ocean Race teilnahm, das kleine Rib überfahren und eines der Ruder die Frau getroffen hatte.

Ergänzung, 30. August, 23.20 Uhr. Bora Gularis Vorschoterin Helena Scutt schrieb dies am späten Mittwochabend zum Unfall ihres Steuermanns: "Ein ganz schöner Schock hier für uns heute in La Grande Motte. Ich habe nicht erwartet, so schnell wieder in einem französischen Krankenhaus zu landen. Ich danke allen für die vielen Nachrichten und die Anteilnahme! Bora ist sofort operiert worden, und wir sind jetzt wieder 'zu Hause'. Wenn es etwas gibt, das ich beim letzten Mal gelernt habe, dann ist es dies: Was dich nicht umbringt, macht dich härter! Erwartet nicht, dass sich Bora von diesem hier aufhalten lässt. Danke an alle, die uns in diesem Jahr geholfen haben, so große Fortschritte zu machen. Wir werden die Chance schnell genug bekommen, unser Können zu zeigen. Aber nicht dieses Mal. Schickt eure Heilkräfte an Bora! (Entgegen einiger Meldungen hatte ich übrigens nicht das Bewusstsein verloren. Mir geht es glücklicherweise absolut gut!)"

Aktualisierung, 31. August, 11.10 Uhr: Der amerikanische Segler-Verband US Sailing hat zum Trainingsunfall von Bora Gulari Stellung genommen. Dabei wurden auch die ersten Berichte korrigiert, Gulari habe vier Finger in Folge der Kollision mit dem Steuerbord-Foil verloren. Weder das eine noch das andere hat sich bestätigt. Gulari hat während einer Kenterung im Kontakt mit dem Rigg Teile von drei Fingern verloren. Gulari erhole sich zur Zeit von der Operation und wolle in vier Wochen wieder in den Segelsport zurückkehren. Gulari wird auch selbst zitiert: "Das ist ein unglücklicher Rückschlag. Aber Helena und ich werden zurückkommen und mit unserer Olympia-Kampagne für 2020 weitermachen.Ich werde definitiv so schnell wie möglich aufs Wasser zurückkehren. Das sollte in etwa einem Monat der Fall sein." Neben dem italienischen Coach Gabriele Bruni hat auch der britische Coach David Howlett bei der Rettung Gularis geholfen, während Helena Scutt den Nacra17 mit der Hilfe von Olympiasieger Santi Lange in den Hafen zurücksegelte. Lange war dem Team von land aus zur Hilfe gekommen. US Sailign und die betroffenen Segler bedankten sich ausdrücklich bei allen Helfern für die schnelle und umsichtige Unterstützung.

Tatjana Pokorny am 30.08.2017

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