Volvo Ocean Race
"Wie konnte das nur passieren?"

Vor dem Finale am Wochenende: Während Bouwe Bekkings Team Brunel mit dem Schicksal hadert, kämpfen Dongfeng und Abu Dhabi um den Etappensieg

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 25.02.2015

Greenfield/Dongfeng Race Team/VOR VOR 2014/2015 Etappe 4: Dongfeng Race Team

Die Etappe hätte ihr Meisterstück werden können – und sollen. Nach dem fast genialen taktischen Schachzug zu Beginn der vierten Etappe hatte sich das holländische Team Brunel schon eine souveräne Führung erarbeitet. Navigator Andrew Cape wurde für sein gutes Händchen gepriesen, weil sein Team der Flotte mit Mut und Vertrauen in seine Fähigkeiten entwischt war. Und nun? Mit einem weiteren Alleingang – dieses Mal nach Süden statt nach Norden – sowie einigen Hängern in den komplizierten Wetterbedingungen der Doldrums haben sich die Holländer in der vergangenen Woche selbst um den Erfolg gebracht: Sie hinken den Spitzenreitern wenige Tage vor dem Zieldurchgang mit schmerzhaften 80 Seemeilen Rückstand hinterher. Schlechter ist nur noch das Frauen-Team SCA. Während die Boote an der Spitze mit konstant besseren Bootsgeschwindigkeiten dem Zielhafen Auckland entgegenstreben, hadern die Brunel-Segler mit ihrem Schicksal. Noch haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben, doch der Weg zurück an die Spitze wird immer länger – und auf den verbleibenden nur noch 800 Seemeilen bis ins Ziel immer unwahrscheinlicher.

VOR Die Positionierung der Boote am 18. Tag auf See aus der Vogelperspektive: Abu Dhabi und Dongfeng kämpfen um die Führung, Mapfre bleibt dran. Derweil hinken die einstigen Spitzenreiter vom Team Brunel fast aussichtslos hinterher. Im Kasten rechts werden die erwarteten Ankunftszeiten der Teams in Auckland gezeigt

"Wir lagen doch in Führung. Wir hatten das Rennen in unseren Händen. Wie konnte das nur passieren?", fragt sich im Team Brunel nicht nur Rokas Milevicius. "Ich will darüber jetzt nicht reden, sonst fange ich an zu weinen." Sein Teamkamerad Gerd-Jan Poortman sieht der brutalen Realität bereits ins Gesicht: "Wir müssen ehrlich sein: Es wird sehr schwer sein, jetzt noch einmal dahin zurückzukehren, wo wir schon waren." Laurent Pages mag aber noch lange nicht aufgeben und macht den Kameraden Mut mit seiner Vision: "Lasst uns ans Limit gehen und kurz vor Auckland an den anderen vorbeiziehen."

Teams/VOR Team Brunel mit dem Rücken zur Wand: Sie wollen und sie werden kämpfen, doch der Vorsprung der Spitzenreiter ist kaum mehr aufzuholen

Teams/VOR Schöne Impression von Mapfres Anbord-Reporter Francisco Vignale

Das könnte nach aktuellen Windprognosen ein schöner Traum bleiben. Die führenden Mannschaften segeln in besseren Windwinkeln und haben sich bereits auf ein Duell um den Etappensieg eingestellt. Das Dongfeng Race Team beschrieb die Situation am Mittwochmorgen mit dem Titel "Der Jäger gegen die Gejagten". Zwar warnte Abu Dhabis Skipper Ian Walker vor der Gefahr einer späten Rennentscheidung im Hauraki-Golf, gleichzeitig aber sagte der erfahrene Brite: "So wie es jetzt aussieht, werden Dongfeng und wir wohl den ganzen Weg bis nach Auckland zusammenkleben." Zwischen den auch in der Gesamtwertung vor Abu Dhabi führenden Chinesen und ihren Verfolgern ist der Kampf um die Vorherrschaft zur Halbzeit der Regatta um die Welt voll entbrannt. Will Team Brunel, derzeit auf Platz drei im Gesamtklassement, wieder in den Kampf um die Krone eingreifen, müssten die Holländer Achterbahnfahrten wie auf dieser Etappe künftig vermeiden.

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