Volvo Ocean Race
Wie Flummibälle entlang der Eisgrenze

Die Hälfte des ersten Abschnitts von Etappe 7 ist geschafft: Im Southern Ocean jagt die Flotte etwa beim 51. Breitengrad nach Osten und Kap Hoorn entgegen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 24.03.2018
Etappe 7, Tag 7 Etappe 7, Tag 7 Etappe 7, Tag 7

Jeremie Lecaudey/VOR Etappe 7, Tag 7

Der siebte Tag der siebten Etappe hat begonnen. Über Nacht hat das in der Gesamtwertung führende spanische Team Mapfre seine Führung verteidigen können. Dahinter hat sich Bouwe Bekkings Team Brunel mit nur zwei Seemeilen Rückstand auf Rang zwei vorgekämpft. Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic hat mit einem Plus von mehr als 32 Seemeilen zuletzt einen enormen Sprung nach vorne gemacht und liegt mit nur knapp 5 Seemeilen Rückstand hinter Mapfre auf Rang drei.

Yann Riou/Volvo Ocean Race Team Brunel pflügt durch den Southern Ocean. Während die neunköpfige Mannschaft das gelbe Boot bändigt, gelingt es Anbord-Reporter Yann Riou, diese Szene mit einer Drone einzufangen

VOR/Screenshot Halbzeit auf dem ersten Abschnitt der siebten Etappe von Auckland zum Kap Hoorn

VOR/Screenshot Am linken Bildrand ist Auckland zu erkennen, am rechten Kap Hoorn. Die dunkelroten Gebiete zeigen, dass der Wind weiter zunehmen wird

Die Halsen-Hatz entlang der Eisgrenze auf Kurs Kap Hoorn produziert mit jedem neuen Positions-Report, den die Wettfahrtleitung alle sechs Stunden veröffentlicht und auch den Teams zur Verfügung stellt, eine neue Reihenfolge. 16 Seemeilen Rückstand auf Mapfre hatte am Samstagmorgen das viertplatzierte Team AkzoNobel mit Skipper Simeon Tienpont. Charlie Enrights Comeback-Team Vestas 11th Hour Racing war mit knapp 20 Seemeilen Rückstand auf Rang 5 zurückgefallen. Gar 32 Seemeilen Rückstand hat sich zuletzt das auf Rang 6 abgesackte Dongfeng Race Team eingefangen. Immer noch auf Rang 7 hinkt David Witts Sun Hung Kai / Scallywag der Flotte weiter hinterher, konnte allerdings zuletzt 32 Seemeilen gutmachen. An Bord von Vestas notierte die Crew atemberaubende Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 37 Knoten bei längeren Surfs.

James Blake/VOR Ungemütlicher Arbeitsplatz am Steuer von AkzoNobel

Jeremie Lecaudey/VOR Nick Dana am Steuer für das Team Vestas 11th Hour Racing – gerade hat ihn wieder eine Welle getroffen

Die stark wechselnden Positionen sind dem Zickzack-Kurs geschuldet, den die Boote entlang der von der Wettfahrtleitung zu ihrem Schutz gezogenen Eisgrenze absolvieren. Es wirkt, als würden sich die Boote wie Flummis – auf (nach Norden) und ab (nach Süden) in Richtung Osten bewegen. Weiter südlich dürfen die Mannschaften – auch, wenn sie gerne wollen – nicht segeln. So soll die Gefahr von Kollisionen mit abgebrochenen und nach Norden getriebenen Einsstücken minimiert werden. Allzu weit in den Norden können die Teams aber auch nicht segeln, weil das zu viele Extrameilen bedeutet. So ergeben sich die im Tracker gut sichtbaren Zickzack-Linien.

Martin Keruzore/VOR Dongfeng-Seglerin und Nacra17-Weltmeisterin Marie Riou ist nach einer langen Halsen-Nacht erschöpft

Konrad Frost/VOR Auch Hände können Geschichten erzählen wie dieses Paar von Alex Gough im Team Sun Hung Kai / Scallywag

Und die Mannschaften haben eine weitere wichtige Aufgabe in den an diesem Wochenende noch einmal zunehmenden stürmischen Winden zu erfüllen: schnell sein! Denn die vielen erforderlichen Halsen lassen sich in den harschen Windbedingungen und bei hohem Wellengang mit hohen Geschwindigkeiten leichter absolvieren. Weiß man, dass alleine auf der Gennaker-Winsch bis zu sechs Tonnen Druck lasten, wird die Grundregel verständlich: Je schneller das Boot, je weniger Druck im Segel, je leichter die Halse. Klappt eine Halse besonders gut, dauert sie im Idealfall rund 15 Minuten. Bei Nacht und in Extrembedingungen kann sie inklusive Umstauen bis zu 50, 60 Minuten verschlingen.

Den härtesten Job haben – wie so oft – die Vorschiffsleute zu erledigen. Bouwe Bekking schreibt in seinem jüngsten Blog: "Segelwechsel sind nicht einfach. Insbesondere nicht für unseren Vorschiffsmann Carlo. Er steckt die Schläge der Wellen ein. Und wir wollen gar nicht davon sprechen, dass er die Arbeit ohne Handschuhe verrichten muss. Das bedeutet sehr kalte Finger. Aber er ist ein zähes Ding." Bekking wagte auch schon einen ersten Ausblick auf die Kap-Hoorn-Passage, die aufgrund der erwarteten Winde zur echten Herausforderung für die Teams werden könnte: "Für mich wird es die Nummer 9 sein. Für andere die erste. Sie haben Schiss, dass Neptun wieder vorbeischaut. Aber sie brauchen sich nicht zu sorgen. Er wird nicht hinter ihnen her sein. Er könnte uns aber auf eine Zigarre besuchen und ihnen auf die Schulter klopfen."

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