Volvo Ocean Race
Wenn zwei sich streiten …

Nach 17 Stunden Reparaturpause zaubert sich Telefonica wieder an die Spitze heran, wo Puma und Groupama einander ein Matchrace liefern

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 04.04.2012

Yann Riou/Groupama Sailing Team/Volvo Ocean Race Nach fast 6.000 Meilen auf Tuchfühlung: Groupama (v.) und Puma als Klecks am Horizont

Wie das Leben und der Wind so spielen, kann Nichtsegeln manchmal schneller sein als der taktisch ausgefochtene Kampf auf dem Wasser. So geschehen am Kap Hoorn, wo Telefonica wegen eines Schadens im Bugbereich eine Laminierpause einlegte und bei der Gelegenheit auch den am Rücken verletzten Bugmann Antonio ablud. Vor drei Tagen war der Rückstand auf rund 400 Meilen angewachsen, und man hätte die Sache gut und gerne für gelaufen erklären können.

Diego Fructoso/Team Telefonica Gas geben, was das Zeug hält: Telefonica hat in den Tagen nach der Reparatur 350 Meilen gutgemacht

Doch siehe da, während das Führungsduo Puma und Groupama in der Flaute um die Wette standen, ging Telefonica minus Cuervas-Mons mit frischer Brise nach nur 17 Stunden Stillstand wieder auf die Piste und liegt nun nur noch 58 Meilen zurück. Da ist nichts entschieden, und die Spanier könnten mit ein bisschen Glück sogar noch um den Etappensieg kämpfen. Sie haben den psychologischen Vorteil des Aufholens bereits auf ihrer Seite und rein gar nichts zu verlieren. Dementsprechend aggressiv segeln sie auch einen östlicheren Kurs als das Führungsduo, das sich knapp an der brasilianischen Küste entlanghangelt und dabei nervös über die Schulter blickt.

Hamish Hooper/Camper Woher, bitte, kommt auf Camper diese Gastlandflagge? Chile stand doch gar nicht auf dem Reiseplan …

Auf der anderen Seite des Kontinents ist Camper im chilenischen Hafen von Puerto Montt eingetroffen und wurde sofort gekrant. Die Bootsdoktoren, die mit schwerem Gerät angerückt sind, werden voraussichtlich vier Tage brauchen, um den roten Renner wieder flott zu bekommen. Schwärzer sehen muss man wohl für die schwarzrumpfige Abu Dhabi, die sich zu Camper hinzugesellen wird. Das beharrliche Schweigen seitens des Teams und der Veranstalter betreffend die Reparatur lassen befürchten, dass der mit Bolzen notdürftig zusammengeschraubte Rumpf mehr brauchen wird als einen Eimer Epoxid und ein paar Lagen Kohlefasergelege. „Wenn ich in der Navi sitze, bin ich am Schaden nahe dran”, ulkte Skipper Ian Walker. „Da kann ich dem Steuermann gleich sagen, wie er fährt.” Was er damit meint: Boot auf Händen tragen, damit es nicht noch schlimmer wird.

Bis ins Ziel nach Itajai in Brasilien sind es noch rund 700 Meilen. Die Ankunft der Sieger wird für Donnerstag oder Freitag erwartet.

Auf beiden Seiten Südamerikas


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Themen: Abu DhabiCamperGroupamaIan WalkerItajaiKap HoornPuerto MonttPumaTelefonicaVolvo Ocean Race

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