Volvo Ocean Race
Walkers Weg: "Azzam" vor erstem Sieg?

Abu Dhabi Ocean Racing segelt eine starke erste Etappe, steht vor dem möglichen Auftaktsieg. Überraschungsteam Dongfeng aber hält dagegen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 04.11.2014

Knighton/ADOR/VOR Erbarmungsloser Schlussspurt: Abu Dhabis "Azzam" rast Kapstadt entgegen

Die Frage aller Fragen vor dem voraussichtlich morgigen Schlusssprint der Spitzenreiter: Wird es ein Ziel-Duell zwischen "Azzam" und "Dongfeng" geben, oder können Bouwe Bekkings Team Brunel und womöglich sogar noch das dänische Team Vestas Wind in den Kampf um den prestigereichen Auftakterfolg eingreifen? Einen entscheidenden Faktor im Ringen um den ersten Etappensieg hatte das führende Team gestern benannt: "Wer will es am meisten?" Mitentscheidend wird neben der besten Positionierung aber auch der physische Zustand der Segler sein, die in den vergangenen Tagen bei ihrer erbarmungslosen Hatz durch das Südpolarmeer viel Kraft investiert und wenig geschlafen haben. Welches Team hat sich seine Resourcen am besten eingeteilt und kann nun im letzten Aufbäumen punkten?

VOR Die Ansteuerung von Kapstadt birgt Spannungspotenzial: Kann Abu Dhabis führende "Azzam" die Führung bis ins Ziel behaupten?

Am Dienstagmorgen hatte sich an der Reihenfolge der Mannschaften bei der Ansteuerung des Zielhafens Kapstadt nur wenig verändert. Ian Walkers "Azzam" hatte die Führung vor dem Dongfeng Race Team über Nacht verteidigt. Doch der Vorsprung von "Azzam" betrug nur sechs Seemeilen. "Azzam"-Skipper Ian Walker und seinen Männern sitzt mit dem 40 Jahre alten Bretonen und Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier ein Mann im Nacken, der sein französisch-chinesisches Team auch nach dem Materialbruch am Sonntagabend mit ungeheurer Willenskraft in Richtung Kap der Guten Hoffnung führt. Der ehemalige Figaro- und Transat-Jacques-Vabre-Sieger Caudrelier mag im Volvo Ocean Race – noch – eine eher unbekannte Größe sein, zählt aber in seiner Heimat Frankreich zu den erfolgreichsten Hochsee-Seglern. Caudrelier hatte vor dem Rennen gesagt: "Skipper im Volvo Ocean Race zu sein, das bedeutet für mich einen entscheidenden Schritt in meinem Leben als Segler und als Mann." Dieser Schritt scheint ihm aktuell gut zu gelingen.

Halloran/SCA/VOR Brutaler Arbeitsplatz: Auch auf "SCA" wird in unwirtlichen Bedingungen geschuftet

Ian Walker hat den ersten Ocean-Race-Schritt bereits im Rennen 2008/2009 getan, als er das Team Green Dragon anführte. Auch die Premiere von Abu Dhabi Ocean Racing hat Walker 2011/2012 als Skipper geprägt. Dem ehrgeizigen Briten fehlt aber nach zwei Kampagnen immer noch der Sieg. Sind aller guten Dinge drei für für den ehemaligen Erfolgscoach von Olympiasiegerin Shirley Robertson? Der zweimalige olympische Silbermedaillengewinner sagte vor der zwölften Auflage des Meeres-Marathons: "Es wird ganz sicher das härteste und knappste Rennen der Geschichte. Erfolgreich wird sein, wer sich keine schlechten Etappen leistet. Du musst ein starkes Team haben. Du musst schnell segeln. Du musst das Boot in einem Stück heimbringen, smart und auf richtigem Kurs segeln." Bislang hat der Vater von zwei Töchtern die sich selbst gestellten Aufgaben mit seinem erfahrenen Team und Erfolgsnavigator Simon "SiFi" Fisher nahezu ideal gelöst.

Knighton/ADOR/VOR Eisiges Vergnügen: die Arbeit an Bord von "Azzam"

Riou/Dongfeng/VOR Was geht noch für die angeschlagenen, aber keinesfalls demoralisierten Männer auf "Dongfeng"?

Bouwe Bekkings Team Brunel muss sich nun etwas ausdenken, will es die beiden führenden Boote noch einholen. Knapp 40 Seemeilen Rückstand bei nur noch etwas über 400 Seemeilen bis ins Ziel sind eine hohe Hürde. Auch segelten die Niederländer zuletzt nicht in der schnellsten Spur, waren am Dienstagmorgen durchschnittlich zwei Knoten langsamer als Abu Dhabi und Dongfeng unterwegs. Kaum mehr aufzuholen scheinen die mehr als 80 Seemeilen Rückstand, die das dänische Team Vestas Wind auf das Top-Boot "Azzam" gutzumachen hat. Platz vier wäre für das junge Last-Minute-Team um Skipper Chris Nicholson allerdings zum Auftakt kein schlechtes Ergebnis. Die größte Enttäuschung dürfte an Bord der vor Rennstart mitfavorisierten spanischen "Mapfre" von Skipper Iker Martinez herrschen. Platz sechs im Feld der sieben VO-65-Yachten wäre sicher nicht der Anspruch der Spanier. Es müsste aber schon ein mittelgroßes Wunder her, wenn "Mapfre" sich angesichts von 527 Seemeilen Rückstand zur Spitze und knapp 300 Seemeilen hinter dem aktuell fünftplatzierten Team Alvimedica noch verbessern sollte.

Ross/Alvimedica/VOR Ein majestätischer Anblick inmitten von Kampf und Dramatik: Seglers Aberglaube besagt, dass in Albatrossen die Seelen verstorbener Kameraden weiterleben


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Abu Dhabi Ocean RacingBouwe BekkingCharles CaudrelierDongfeng Race TeamIan WalkerKap der Guten HoffnungKapstadtMapfreTeam BrunelVolvo Ocean Race

Anzeige