Volvo Ocean Race
Team Vestas havariert auf Riff!!!

Unfassbar: Chris Nicholsons Vestas-Team läuft auf Riff und muss abgeborgen werden // Update: Beide Ruder gebrochen, Wassereinbruch bestätigt

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 29.11.2014

Team Vestas Wind Da war es nur ein Krängungstest in tiefem Wasser, jetzt ist es bittere Realität: Team Vestas Wind aufgelaufen

Ein schwerer navigatorischer Fehler könnte die Dänen um den erfahrenen Skipper Chris Nicholson das Rennen kosten, auf jeden Fall aber ist diese Etappe für sie gelaufen.

VOR Kurs Südwest, 1 Knoten?

Schon die letzte Positionsmeldung auf dem Volvo-Ocean-Race-Tracker heute Nachmittag deutscher Zeit ließ Probleme vermuten. Dort zeigte der Bug von Vestas nach Südosten, die letzte registrierte Geschwindigkeit betrug 1 Knoten.

Wie die Wettfahrtleitung am Samstagabend bestätigte, ist der VO-65 gegen 16 Uhr deutscher Zeit auf ein Riff bei Saint Brandon etwa 250 Seemeilen nordöstlich von Maritius gelaufen, eine weit verstreute Inselgruppe mit zahlreichen Flachs.

Die Crew sei wohlauf und derzeit nicht in Gefahr, hieß es. Sie warte bis zum Morgengrauen, um sich dann abbergen zu lassen.

Um 22 Uhr teilte die Volvo-Ocean-Race-Zentrale mit, beide Ruder seien gebrochen und Vestas nehme über das Heck Wasser. Gleichwohl sei der Zustand stabil und der Rest des Bootes einschließlich des Riggs intakt.  Ob eine Bergung und anschließende Reparatur der 65-Fuß-Yacht in dieser kaum bevölkerten Region rasch genug gelingen kann, erscheint zumindest zweifelhaft.

Schlimmstenfalls ist das Volvo Ocean Race für Vestas schon auf dieser zweiten Offshore-Etappe zu Ende. Es wäre ein Albtraum für die Crew und ihren Sponsor.

Über die Ursache für das Auflaufen ist derzeit noch nichts bekannt. Vestas segelte zum Zeitpunkt der Havarie den östlichsten Kurs aller Volvo-Teams; nicht auszuschließen, dass es ein katastrophaler Fehler von Navigator Wouter Verbraak war.

Um wenn nötig zu assistieren, ist Team Alvimedica in der Nähe von Vestas auf Standby. Auch eine nur eine Seemeile entfernte Station der Küstenwache, die über ein Rettungsboot verfügt, ist in Bereitschaft. Mit deren Festrumpf-Schlauchboot soll am Sonntagfrüh bei Tagesanbruch die Abbergung der Mannschaft erfolgen.

VOR/D. Kneale 2009: "Telefonica Blue" havariert vor Marstrand

Der aktuelle Vorfall ist nicht die erste Grundberührung einer Yacht im Volvo Ocean Race. Im Rennen 2008/09 kollidierte "Telefonica Blue" unter Skipper Bouwe Bekking (jetzt auf "Brunel" erneut am Start) kurz nach dem Start der 9. Etappe Ende Juni vor Marstrand mit einem Felsen. Gravierende Schäden erzwangen eine umfangreiche Reparatur. Damals war als Navigator Simon Fisher an Bord. Er segelt derzeit als Gesamtführender auf Abu Dhabi Ocean Racing und wird am ehesten nachvollziehen können, wie sich die Mannschaft auf Vestas gerade fühlt.

Aktualisierung um 23.20 Uhr:

Das Team hat zwei Rettungsinseln ausgebracht, die in etwa 15 Meter Entfernung der Yacht positioniert sind und von der Crew im Notfall erreicht werden können. Das Heck der Yacht ist mehrfach auf das Riff geschlagen. Die Crew kämpft gegen Wassereinbruch. Der Bug ist gen See gerichtet. Um kurz vor 22 Uhr gab es aber noch keine Pläne, das Boot zu verlassen. Noch immer plant die Mannschaft, ihr Schiff erst bei Tagesanbruch mit Hilfe der Küstenwache und Team Alvimedicas zu verlassen.

Aktualisierung um 23.59 Uhr:

Team Alivimedicas Navigator Will Oxley berichtet über die Situation: "Wir sind alle 30 Minuten über Funk mit Team Vestas in Kontakt, während wir auf die Morgendämmerung warten. Dann sollte die Küstenwache imstande sein, eine effektive Rettungsoperation durchzuführen. In der Zwischenzeit bin ich sicher, dass es gut für sie ist zu wissen, dass wir auf Standby und bereit sind, sie aus ihren Rettungsinseln aufzunehmen, falls sie ihr Boot in der Nacht verlassen müssen und tiefere Gewässer erreichen, in denen wir uns sicher bewegen können.

Wir haben unsere Segel geborgen und motoren auf der Lagunenseite des Riffs vor und zurück. Wir versuchen, so dicht wie möglich bei der Crew zu bleiben, solange sie Unterstützung benötigen. Wir können nicht näher als 1,8 Seemeilen an sie herankommen, weil sie genau auf dem Riff sitzen. Doch falls sie in die Rettungsinseln einsteigen, dann können wir möglicherweise beim Abbergen helfen. Wir werden außerdem möglicherweise nach der Rettung helfen können, warten aber auf Anweisungen."

Aus diesen gegebenen Gründen segeln wir derzeit nicht mehr mit Kurs auf Abu Dhabi. Aber wir haben das Rennen nicht aufgegeben. In Übereinstimmung mit dem Internationalen Seerecht und der fundamentalen Regel 1.1 der Internationalen Regattaregeln bleiben wir auf Standby, 'um jeder Person und jedem Schiff in Gefahr alle nur mögliche Hilfe zu bieten‘.

Die Jungs auf Vestas sind unsere Freunde und viele von uns haben Tausende Seemeilen mit ihnen gesegelt. Wir werden so lange bei ihnen bleiben, wie es möglich ist, dass wir ihnen helfen können."

+++ Weitere Updates folgen auf YACHT online, sobald mehr Informationen vorliegen +++


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