Volvo Ocean Race
"Sonnenkrieger" im Eiswasser

Fünf Tage vor dem erwarteten Zieldurchgang der ersten Etappe hat sich ein Quartett abgesetzt, unaufhaltsam angeführt von Abu Dhabis "Azzam"

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 01.11.2014

Matt Knighton/ADOR Die Bedingungen werden ungemütlicher: Abu Dhabi Ocean Racing führt das Feld an

Knapp 1.500 Seemeilen hatten die führenden Boote am Samstagabend noch bis in den Zielhafen Kapsatdt zu absolvieren. Die erste Etappe nähert sich ihrem Showdown. Die Entscheidung über den Sieg fällt voraussichtlich erst kurz vor dem Zieldurchgang am 5. oder 6. November. Vier Boote konnten sich zuletzt vom Feld absetzen. Hinter den Spitzenreitern lauern das Dongfeng Race Team (19 Seemeilen Rückstand), Team Brunel (23 Seemeilen Rückstand) und Team Vestas Wind (57 Seemeilen Rückstand) auf ihre Chance.

Riou/Dongfeng/VOR Kuschelig wird es erst wieder in Kapstadt: Unwirtliche Bedingungen an Bord des chinesischen Teams

Riou/Dongfeng/VOR Härtetest für das Dongfeng Race Team in den Brüllenden Vierzigern

Allen voran preschte Abu Dhabi Ocean Racing dem Kap der Guten Hoffnung weiter als Leitwolf entgegen. Zwar mussten Ian Walker und seine Männer zuletzt schon einmal Team Brunel und auch dem Dongfeng Race Team die Führung überlassen, doch jedes Mal kamen sie wieder zurück. "Azzams" Anbord-Reporter Matt Knighton notierte in seinem Blog: "An Deck begegnen die Jungs weißen Wellen-Mauern, während sie die vier Meter hohen Ozeanwellen hinuntersurfen. Wenn einer dieser Ritte im Wellental endet, bohrt sich Azzams Bug in die nächste und schickt eiskaltes Meerwasser mit einer Kraft übers Deck, die einen niederstrecken kann. Das Beste daran: Es ist nur die Einleitung zum Segeln im Südpolarmeer."

Nichts wie hinterher: Mapfres Team liegt weit zurück

Andere Töne schlugen die Teams an Bord der abgeschlagenen Boote an. Das spanische Team Mapfre hinkte den führenden Teams mit mehr als 350 Seemeilen hinterher und konnte damit den Erwartungen nicht entsprechen. Noch schwerer wiegen die mehr als 550 Seemeilen, die das Frauen-Team auf SCA im Rückstand liegt. Anbord-Reporterin Corinna Halloran schrieb am Samstag: "Wir nehmen jeden Tag, wie er kommt. Jeder Tag ist anders, jede Stunde ist unterschiedlich. 'Zu diesem Zeitpunkt werden die Reichen reicher werden', hat Libby gestern gesagt. Wir haben uns alle wie Luftballons gefühlt, aus denen die Luft entweicht. Die Distanz nahm immer weiter zu! Gestern Nachmittag konnten wir unsere Leistungsdaten nicht erreichen, obwohl wir unsere besten Seglerinnen an den richtigen Positionen im Einsatz hatten. Sie sagten, dass sich das Boot langsam anfühlt, konnten aber den Grund dafür nicht herausfinden. Am späten Nachmittag hatte sich alles geändert. Der Wind nahm zu und entschied sich dazu, ein bisschen länger als vorhergesagt zu verweilen. Die Wellen begannen über den Bug zu krachen. Und wir segelten schnell. Alles fühlte sich ein bisschen besser an. Nicht einmal der Positionsreport war so qualvoll wie sonst."

Vignale/Mapfre/VOR Segeln intensiv: Die Crew von Iker Martinez bei ihrer Aufholjagd im Südpolarmeer

Humorvoll meldete sich Team Brunels Reporter Stefan Coppers zu Wort: "Im Heck des Bootes steht der Spanier Arrate. Versteckt hinter seiner Balaklava, bemüht er sich, die Temperaturen in seinem geliebten Santander zu imitieren.  Aber ach, nicht einmal die Berge warmer Klamotten, die dieser spanische Sonnenkrieger bei sich trägt, kann ihn gegen die Kälte schützen. Es ist neblig, das Wasser kalt, und der Windmesser zeigt 28 Knoten. Eine riesige Welle eilt über das Vordeck und verwandelt das Cockpit in eine Badewanne gefüllt mit Eiswasser. Arrate schaut noch einmal in die Navigationsecke: heute öfter als normalerweise."


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