Volvo Ocean Race
Sanya ist der Ausreißer im Westen

Wer nicht schnell ist, muss schlau sein. So ist's auch beim Rennen rund um die Welt. Aber ob alle, die wagen, gewinnen, wird sich zeigen

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 19.12.2011

Hamish Hooper/Camper Wo lang? Die Lösung kommt nicht vom Bildschirm, sondern von der richtigen Interpretation der Wetterdaten

„Das war das schlimmste und frustrierendste Segeln, das wir in unserem Leben bisher mitmachen mussten” – so drastisch drückt es Ken Read aus, der Skipper von Puma Ocean Racing. Winde aus allen Richtungen, Fronten, die sich nicht wie geplant oder erhofft entwickeln, und endlose Segelwechsel machten bisher den Seglern das Leben schwer auf dieser zweiten Etappe. Ganz zu schweigen vom zähen Vorankommen. Dem unbedarften Zuschauer wird allerdings auch nichts geschenkt, nicht mal ein zarter Hinweis, wohin die Reise denn eigentlich gehen soll, bevor die Schiffe buchstäblich aus dem Verkehr gezogen werden, um den Piraten vor Ostafrika auszuweichen.

Hamish Hooper/Camper Richtig oder nicht? Die Spannung steht den Seglern auf Camper ins Gesicht geschrieben

Es ist schon ein wenig grotesk, dieses Rennen nach irgendwo, und so sollte es nicht wundern, dass Team Sanya, das am sich am Samstag entschloss, früh auf Nordkurs zu gehen, innerhalb weniger Stunden mehr als 200 Meilen Vorsprung auf Camper, Puma und Telefonica herausholen konnte. Die favorisierten Teams blieben nämlich eng beisammen, um sich gegenseitig zu bewachen – teilweise in Sichtweite zueinander – und mühten sich weiter südöstlich auf der Suche nach stabilen Bedingungen. „Am Wasser sind wir nicht schnell genug, um dieses Rennen zu gewinnen“, gab sich Sanya-Skipper Mike Sanderson illusionslos. „Deshalb müssen wir Gelegenheiten wie diese nutzen, um eine Etappe für uns zu entscheiden oder zumindest aufs Podest zu kommen.”

Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race Jausenpause: Wer so gut unterwegs ist wie die Boys von Sanya, dem schmeckt auch Astronautennahrung.

Solche Rochaden sind mit einer guten Prise Vorsicht zu genießen, denn selbst der Veranstalter bekennt, dass Sanyas Führungsposition nur näher an einem „virtuellen” Wegepunkt sei. Doch das Schiff hat, so viel steht fest, mit dem risikoreichen Extremschlag im Westen mehr Wind, der von einer Störung vor der Küste von Madagaskar herausbläst. Zeitweise verzeichnete das unter chinesischer Flagge laufende Boot eine fast doppelt so hohe Durchschnittsgeschwindigkeit als das Gros der Flotte.

Yann Riou/Groupama Sailing Team/VOR Fern und östlich: Auf Groupama muss die „Südost-Taktik" noch Ergebnisse zeitigen

Weniger Erfolg mit Extremschlägen hat bisher Groupama, die zuerst lange im Süden blieb und nun das östlichste Boot ist, aber mit schwierigen Umständen zu kämpfen hatte. Um 05 Uhr MEZ lag bei allen Booten Kurs NO an, wobei Sanya mit 36 Knoten maximaler Windgeschwindigkeit aus SO die härtesten Bedingungen zu ertragen hatte.  „Sanya und Groupmas Taktiken erschienen uns sehr riskant”, erklärte Campers Skipper Chris Nicholson. „Respekt, wenn sie’s richtig durchschaut haben. Aber warten wir erst mal ab.”

Frustration beim Kampf um die beste Position im Indischen Ozean

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