Volvo Ocean Race
Kälter, schneller – und Sanya gibt auf

Rumpf, Rigg und Ruder: Aller schlechten Dinge sind drei für Sanya, das älteste Schiff im Feld, das zum dritten Mal in Schwierigkeiten ist

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 23.03.2012

Hamish Hooper/Camper Arbeitsteilung: Roberto Bermudez De Castro steuert und Andrew McLean kurbelt auf der führenden Camper

Während sich die anderen warm anziehen, anleinen und auch sonst auf jede erdenkliche Art gegen die wilden Bedingungen im Südmeer wappnen, musste Sanya aus dem Ruderschaden die Konsequenz ziehen und hat Kurs auf Auckland genommen, wo das Boot zum Wochenende erwartet wird. Besonders bitter: Zum Zeitpunkt des Defekts hatte das unter chinesischer Flagge segelnde Boot überraschend die Führung auf dieser fünften Etappe inne. Dessen unbenommen rast das Feld bei sehr unwirtlichen Bedingungen weiter in Richtung Kap Hoorn. Die beiden flauen Tage sind längst vergessen, jetzt geht’s wieder ans Eingemachte: Wind Südwest, Spitzen bis Stärke 8, Wellenhöhe etwa fünf Meter, und das Ganze bei lockeren 22 Knoten Schnitt. Camper hat als erstes Boot das erste Ice-Gate erreicht und führt mit knappem Vorsprung vor Groupama und Telefonica. „Doppeltes Reff im Groß und Sturmfock”, prophezeit Groupama-Skipper Franck Cammas für die nächsten Tage, die sich wieder zwischen Vollgas und Überleben abspielen werden.

Doch für Mike Sanderson, der einer der neuseeländischen Kultsegler ist, steht eine Heimkehr bevor, die ihm keiner wünscht. Er, der mit ABN Amro One 2006 das erste Rennen auf diesen extremen Volvo Open 70 gewinnen konnte und damit Designer Juan Kouyoumdjian zum internationalen Durchbruch verhalf, muss nun mit seinem waidwunden Boot schon zum dritten Mal einen Hafen zur Reparatur ansteuern. Dieser Rückzug ist nach dem Delaminierungsschaden zu Beginn des ersten Teilstücks die zweite komplette Aufgabe einer Etappe für das chinesische Team, das als einziges mit einem Schiff der vorigen Generation am Start ist. Es handelt sich um die ehemalige "Telefonica Blue", ein Farr-Design, gebaut bei King Marine. Deutlich scheint, dass diese Boote für zwei Rennen um die Welt unter extremsten Belastungen nicht geeignet sind.

Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race Im Verließ: David Swete klettert durch das wasserdichte Heckschott nach der Inspektion des Schadens, und der orange Schlauch liegt zum Lenzen bereit

„Unglaublich, mir fehlen die Worte”, sagte ein niedergeschlagener Sanderson, der froh sein muss, dass das Leck, das der gebrochene Ruderschaft hinterließ und durch das mehrere Tonnen Wasser ins Heck eindrangen, so weit repariert werden konnte, dass unter Notruder nach Auckland gesegelt werden kann. „Das Ruder brach zwischen Deck und Rumpf, und das ist der GAU, weil es sich selbst raushebelt und unschöne Spuren hinterlässt”, erklärte Sanderson. Die Heldentat besteht nun nicht mehr in einer guten Platzierung im Ziel im sonnigen Brasilien, sondern in der sicheren Rückkehr nach Neuseeland.

Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race Glatt ab: der Schaft des Steuerbordruders von Sanya

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