Volvo Ocean Race
Im Rausch der Brüllenden Vierziger

Führungswechsel machen das zwölfte Volvo Ocean Race spannend. Für ein paar Stunden segelte das chinesische Dongfeng Race Team in Front

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 31.10.2014

Matt Knighton/ADOR/VOR Führen das Feld weiter mit knappem Vorsprung an: Ian Walkers Team Abu Dhabi Ocean Racing

Das Volvo Ocean Race hält Segler und Fans in Atem: Nichts bleibt wie es ist! Über Nacht hatte sich zwischenzeitlich sogar einmal das chinesische Dongfeng Race Team die Führung erkämpft. Dann lag am Freitagnachmittag wieder Ian Walkers Team Abu Dhabi Ocean Racing vorne. Bouwe Bekkings Team Brunel blieb mit neun Seemeilen Rückstand dran am Heck von "Azzam". Und auch das dänische Team Vestas Wind und das US-Team Alvimedica waren hinter dem wieder auf Platz drei zurückgerutschten Dongfeng Race Team mit 53 und 80 Seemeilen Abstand zur Spitze noch aussichtsreich im Rennen. Weiterhin nicht in Schlagdistanz segelten das spanische Team Mapfre (230 Seemeilen Rückstand) und das Frauen-Team SCA (353 Seemeilen Rückstand). Alle Boote hatten bis zum Morgen gehalst und einen östlichen Kurs mit Ziel Kapstadt eingeschlagen. Sogar die Schlusslichter machten mit, nahmen das Risko von flauen Winden zugunsten des kürzeren Weges nach Kapstadt in Kauf. Ihnen bleibt gar kaum eine andere Wahl: Das möglicherweise zu frühe Abweichen vom Süd- auf den Ostkurs ist ihre einzige Chance, sich in den verbleibenden Tagen bis zum Zieldurchgang vor Kapastadt in der kommenden Woche noch zu verbessern.

Vincent Riou/Dongfeng Race Team/VOR Über Nacht geführt: Das Dongfeng Race Team bleibt dran

Matt Knighton/ADOR/VOR Harte Alltagsarbeit: Den Seglern stehen die Strapazen ins Gesicht geschrieben

Team Alvimedicas Anbord-Reporter Amory Ross schrieb: "Es ist wie beim Drücken eines Lichtschalters. An folgt Aus in nur einem kurzen Moment. Die erwateten westlichen Winde des Südatlantiks sind endlich da – zurzeit mit 28 Knoten – ich werde nie aufhören mich darüber zu wundern, wie schnell sich das Leben an Bord ändern kann. In einem Moment genießt du ganz gemütlich ein kleines Nickerchen in deinem Schlafsack in zwölf Knoten Wind. Alles läuft geschmeidig, tranquillo, wie Charlie sagt. Vielleicht sind die Batterien sogar zur Neige gegangen während du geträumt hast, geträumt von zuhause oder vielleicht von einem Steak in Kapstadt. Es ist eigentlich egal – du träumst. Dann wirst du von etwas geweckt, du öffnest deine Augen und Ohren und da ist plötzlich ein ganz anderes, alarmierendes Szenario. Es ziemlich chaotisch. Deine Augen gewöhnen sich langsam an die Dunkelheit. Das einzige Licht stammt von den roten Kopflampen der Männer um dich herum, die so ziemlich das Gleiche tun wie du. Das Boot hämmert durch die Nacht wie ein außer Kontrolle geratener Güterzug, pflügt einen Graben in den Ozean, während es jeden Tropfen Wasser auf seinem Kurs vertilgt. Es ist laut, immer laut wie ein konstantes Donnergrollen in der Ferne. Du kannst die Geschwindigkeit tatsächlich hören, du kannst sie fühlen. Es ist wie beim Beschleunigen mit einem Sportwagen bei Regen im Gelände – mit geschlossenen Augen. Die Leute an Deck brüllen. Die Taschen fliegen unter Deck umher. Die Wellen schießen durch die Luke. Dabei versuchen du und alle gerade nichts anderes, als aus dem Schlafsack zu kriechen und aufzuwachen, einfach auf die Beine zu kommen."

Amory Ross/Alvimedica/VOR Die Brüllenden Vierziger erwarten die Segler im typischen grauen Kleid

Amory Ross/Alvimedica/VOR Zügig unterwegs: Das US-Team Alvimedica

Abu Dhabi Ocean Racings Anbord-Reporter Matt Knighton bestätigte: "Wir haben den vierzigsten Breitengrad gekreuzt, befinden und technisch betrachtet in den Brüllenden Vierzigern. Noch brüllt es nicht in voller Stärke, doch heute Abend ist eine Front durchgegangen und wir hatten die ganze Nacht über Windgeschwindigkeiten um die 25 Knoten. Ich wusste, dass es heftig wehte als Chuny zurückkam und außer Atem sagte: "Das ist doch ok, oder?" Bevor ich antworten konnte, begann er damit alle schwerere Ausrüstung unter und in meinen Schlafsack zu stopfen, weil sich der Bug unseres Bootes immer wieder in die Wellen bohrte und wir das Gewicht im Heck brauchten. Bis zum Abendessen war es aber ein netter Segeltag. Die stärkeren Winde sind willkommen."


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Themen: Abu Dhabi Ocean RacingDongfeng Race TeamKapstadtMatt KnightinTeam BrunelVolvo Ocean Race

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