Volvo Ocean Race
Helenas Herausforderung: Qual der Wahl

Die entscheidende Schlussphase von Etappe 1 bricht an, die Boote haben sich für die Ansteuerung Kapstadts formiert – das Südpolarmeer wartet

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 29.10.2014

Knighton/ADO/VOR Abu Dhabi Ocean Racing jagt das Team Brunel auf dem Weg ins Südpolarmeer und nach Kapstadt

VOR VOR 2014/2015, Etappe 1: Die Flotte steuert Kapstadt an

VOR VOR 2014/2015, Etappe 1: die Positionen nach 18 Tagen auf See

Innen und damit dem St.-Helena-Hoch am nächsten probierte es am Mittwochmittag das führende Team Bunel, ganz außen das dänische Team Vestas Wind: Die sieben Boote im Volvo Ocean Race haben sich für ihre Ansteuerung auf Kapstadt formiert. Den nördlichsten Kurs bei der West-Ost-Passage besetzt nach 18 Tagen auf See Bouwe Bekkings Team Brunel, das mit 10,2 Knoten Geschwindigkeit zuletzt aber das langsamste Boot der Flotte war. Auf der Außenspur machten die Dänen zuletzt Boden gut. Nur 22 Seemeilen hinter den Holländern verkürzte Ian Walkers Team Abu Dhabi Ocean Racing den Abstand zu den Spitzenreitern zuletzt wieder. Das vor Rennbeginn als Co-Favorit eingestufte spanische Team Mapfre müht sich 216 Seemeilen hinter dem führenden Boot weiter um Anschluss, hat sich aber inzwischen einen 60-Seemeilen-Vorsprung auf die SCA-Frauen erarbeitet. Dabei hatten die Spanier um Skipper Iker Martinez mit 364 Seemeilen die 24-Stunden-Bestmarke noch ein bisschen weiter nach oben verschoben und mit 24 Knoten gleichzeitig die höchste Spitzengeschwindigkeit auf dieser Etappe erzielt.

Halloran/SCA/VOR Knochenarbeit für die Damen an Bord von SCA

Halloran/SCA/VOR Die malträtierten Frauenhände von Abby Ehler

Knighton/ADO/VOR Die Hände der Männer an Bord von "Azzam" sehen auch nicht besser aus

Anbord-Reporterin Corinna Halloran vom Team SCA fand am Mittwoch Zeit für einen philosophischen Gruß von Bord: "Forest Gump hat einmal weise gesagt: 'Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, du weißt nie, was du bekommst.' Das war niemals richtiger als heute. Nur dass unsere Schokolade an Bord inzwischen zu Brei geworden ist. Aber sie schmeckt immer noch gut, und wir lieben sie immer noch. Es war in den letzten 24 Stunden einfach nur ein bisschen stickig und dreckig... Letzte Nacht haben wir uns in bester Laune für einen Kurs Südwest entschieden. Dabei hat uns unsere ganz persönliche Regenwolke gefangengenommen und auch den letzten Hauch von Wind eingesogen. So hat es uns das schöne Manöver bildlich und auch tatsächlich verregnet. Am Morgen hatten wir 80 Seemeilen Rückstand auf Mapfre. Um 13 Uhr mittags waren weitere 49 Seemeilen dazugekommen. Ich bin nicht sicher, ob das Wort Enttäuschung die Stimmung an Bord treffend beschreibt. Es fühlte sich an, als hätte uns jemand in den Magen getreten. Es war kein einfacher Tag heute für uns. Aber wir haben es uns nicht gestattet, die Köpfe hängen zu lassen. Wir haben unter den gegebenen Segelbedingungen 100 Prozent Leistung gebracht. Wie ich also schon zuvor sagte: Streicht uns nicht von der Liste. Erwartet nicht weniger als das Beste von uns. Hört nicht auf an uns zu glauben. Es warten immer noch Tausende Seemeilen auf uns, und das neu hinzugekommene Eistor im Südpolar könnte dafür sorgen, dass sich die Flotte in den kommenden Tagen wieder enger zusammenschiebt. Wir kämpfen, und das ist das Wichtigste. Am Ende weiß man ja nie, welche Pralinen morgen auf uns warten..."

Vignale/Mapfre/VOR Die Mapfre-Crew checkt das Rigg vor dem Eintauchen ins Südpolarmeer

Was zweifellos auf die Teams wartet, ist das Südpolarmeer. Sie werden auf ihrem südwestlichen Kurs nach Kapstadt in die unwirtlichen südlichen Breitengrade vorstoßen und bereiten sich darauf vor. An Bord von Mapfre geschieht das nicht ohne Unbehagen, denn das Team hat Probleme mit dem Laden der Batterien. Am Mittwochmorgen war an Bord der Alarm losgegangen, der auf einen Ladezustand von unter 30 Prozent hinwies. Die Crew konnte die Ursache der Probleme bislang nicht finden und hatte bereits einen Reparaturstopp an Land im Hinterkopf. Dann jedoch ließen sich die Batterien immerhin im isolierten Zustand laden. Anbord-Reporter Francisco Vignale vermutet einen Zusammenhang mit einem Wassereinbruch am Vortag. Zwischenzeitlich funktionierte das System wieder, doch die Mannschaft weiß: Gibt es in den kommenden Tagen erneut Probleme, könnten die drastische Folgen haben. Vignale schrieb: "Wenn die Probleme erneut auftreten, könnten sie in den bevorstehenden harten Bedingungen sehr, sehr ernsthafte Folgen haben. Wir bereiten uns auf anstrengendes Segeln vor und haben Mast und Winschen noch einmal gründlich überprüft. Wie Iker so schön sagt: 'Im Süden kann alles passieren.' Wer sich am besten vorbereitet, wird ein besseres Ergebnis erzielen."

Knighton/ADO/VOR Auf Verfolgungsjagd: Ian Walkers Männer schließen Seemeile für Seemeile zum führenden Team Brunel auf


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