Volvo Ocean Race
Gebläse bringt Stotter-Start

Telefónica gewinnt Inport-Race, doch ein Schildbürgerstreich folgt: Etappe wird pünktlich gestartet und unterbrochen, bevor es echt losgeht

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 19.02.2012

Paul Todd/Volvo Ocean Race Telefonica, wer sonst? Beim Inport-Race in Sanya fügten die Spanier ihren Ergebnissen einen weiteren Sieg hinzu

Als ob die Huckepack-Etappe nach Abu Dhabi und die vielen Defekte bisher nicht schon für genügend Kritik gesorgt hätten, den Organisatoren scheinen die surrealen Ideen nicht auszugehen, wenn es darum geht, den Ansprüchen der Sponsoren gerecht zu werden. Zur Vermeidung des schweren Wetters wird der Start zur vierten Etappe nach Auckland nicht auf einen günstigeren Zeitpunkt verschoben, wie es vermutlich bei jeder anderen Regatta der Fall wäre, sondern das Spektakel wird für TV, Internet und Live-Zuseher programmgemäß am Sonntag um 07:00 MEZ beginnen. Dann werden ein paar Kringel in der Bucht  von Sanya gesegelt, vorbei an der riesigen Statue des Guanyin Buddha, bevor beim Leuchtturm vor der Marina Schluss ist. Vorläufig.

Paul Todd/Volvo Ocean Race Es fliegen die Späne. Groupama zeigt den Gästen beim Pro-Am Rennen, wo der Hammer hängt

Die Boote kehren dann in den Hafen zurück und müssen warten, bis sich die laut Wetterbericht bis zu acht Meter hohen Monsterseen im Südchinesischen Meer etwas gelegt haben. „Wir werden das Teilstück irgendwann am Montag starten, vielleicht sogar bei Dunkelheit,” kündigte Regattachef Knud Frostad an. „Wir machen dies auf Anraten unserer eigenen Wetterexperten und auch jener der Teams. Alle glauben, es herrschen Bedingungen, die für 12 bis 18 Stunden nach dem Start gefährlich sind, weil sie die Boote zertrümmern könnten, wenn sie gegenan segeln.” Geplant ist, die Teams gemäß ihrer Reihung nach der „Eröffnungsrunde" auf die lange Reise zu schicken.

Paul Todd/Volvo Ocean Race Alle nach links, nur Sanya (l.) nicht. Speedprobleme zwingen sie, gleich nach dem Start wegzuwenden. Fazit: wieder Letzte

„Wir müssen der Vorhersage glauben”, sagt Telefónica-Skipper Iker Martínez, der sich beim Inport-Race mit seinem Team bei frischer Brise und flachem Wasser locker gegen Puma und Abu Dhabi durchsetzen konnte. „Die Entscheidung war schwierig, aber es ist ganz klar ein Fall von Safety First und wir wollen nicht an die Wand rennen.”

Paul Todd/Volvo Ocean Race Deprimierend: Telefonica spielt mit allen weiter Katz und Maus

Fairerweise muss an dieser Stelle notiert werden, dass man aus den Desastern des letzten Rennens gelernt hat, als die Boote in genau diesen Gewässern von der buckeligen See schwer mitgenommen wurden und reihenweise mit schweren Defekten (z.B. gebrochene Kohlefasergroßbäume) Schutzhäfen anlaufen mussten. Konstrukteur Juan Kouyoumdjian, der für diese Ausgabe des VOR drei der fünf neuen Boote entworfen hat, glaubt allerdings, dass durch die Fortschritte bei der Verarbeitung der Materialien zumindest die neuen Schiffe solchen Beanspruchungen besser standhalten sollten.

„Die Materialien sind durch die Regeln vorgegeben, denn die Boote müssen sicher sein. Sie sind auch sehr sicher”, erzählte er der YACHT. „Die wahre Revolution passierte eher bei den Konstruktionsmethoden oder bei der Chemie der Harze. Die Bootsbauer arbeiten heute viel genauer und sind mit den neuesten Prepreg-Methoden bestens vertraut.”

Ian Roman/Volvo Ocean Race Vor eigener Kulisse: Sanya in der Bucht von Sanya, wo die vierte Etappe auf Raten gestartet wird

Doch selbst wenn die Boote halten, wie beim Clipper Round the World Race für zahlende Amateure, dessen Flotte sich ebenfalls in diesen Gewässern befindet, besteht immer noch die Gefahr schwerer Verletzungen für die Crew. Siehe aktuelle Meldung  zur Evakuierung zweier Segler beim Clipper Race.

Ergebnis Inport Race

1. Telefonica; 2. Puma; 3. Abu Dhabi; 4. Camper; 5. Groupama; 6. Sanya.

Zwischenstand Gesamtwertung

1. Team Telefónica, 101

2. CAMPER with Emirates Team NZ, 83

3. Groupama Sailing Team, 73

4. PUMA Ocean Racing by BERG, 53

5. Abu Dhabi Ocean Racing, 43

6. Team Sanya,17

Mehr auf der Event-Seite und über den Live-Stream , den YouTube-Kanal und die Apps für I-Phone und Android .

Aktuelle Positionen und Abstände im Tracker .


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: AucklandCamperGrant DaltonGroupamaIker MartinezKnud FrostadMonsunNeuseelandPumaSanyaSumatraTeam SanyaTelefonicaVolvo Ocean Race

Anzeige