Volvo Ocean Race
Franck Cammas, der Meister der Winkel

Nach dem Fehler auf dem ersten Teilstück fürchtete sich Groupama, allein ins Extrem zu segeln. Trotzdem riskierten sie's wieder – mit Erfolg

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 21.12.2011

Yann Riou/Groupama Sailing Team Chef Cammas am Ruder. Beharrlichkeit brachte die Franzosen von ganz hinten nach ganz vorn

Auch wenn Franck Cammas ein Rookie beim Volvo Ocean Race ist, kann man ihn schwerlich als Anfänger bezeichnen. Immerhin hält er mit 48 Tagen (noch) den Rekord für die schnellste Nonstop-Weltumsegelung. Ob der von „Banque Populaire V” gebrochen werden kann, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Doch als Multihullspezialist ist Cammas nicht nur Fachmann für hohe Geschwindigkeiten, sondern auch die optimalen Windeinfallswinkel, die man dazu braucht.

Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing Der Chef in der Navi-Schaukel: Ian Walker von Abu Dhabi muss sich bald was einfallen lassen, wenn er im Etappenziel daheim besser als Fünfter sein will

Als einziges Team wählten die Franzosen zuerst eine südliche, dann eine östliche Kurslinie auf dieser verrückten zweiten Etappe. In den vergangenen 24 Stunden, auf dem Weg nach Norden, wurden sie für ihre Risikofreudigkeit mit raumer Brise und deutlich höherer Geschwindigkeit belohnt, mit der sie in prompt Führung gingen, während der Rest des Feldes weiter westlich gegenan knüppeln musste.

Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing Ah, tut das gut: Schweiß und Salzwasser müssen in den Tropen oft aus den Augen gewaschen werden

„Nach der ersten Etappe hatten wir einen Komplex, wir wollten nicht wieder allein irgendwohin segeln”, gestand Cammas. „Als wir aber das riesige Tor im Süden der Front sahen, sind wir hin, doch keiner fuhr mit.” Für ihn ist dies auch eine bessere Zeit, weil seine Leute zur Abwechslung mal lächeln, wenn die Positionen der anderen Boote gemeldet werden.

VOLVO OCEAN RACE Das Feld segelt im Eilzugtempo nach Norden mit Groupama auf der rechten Außenbahn. Sanya, ganz links, ist beim Boxenstopp in Madagaskar

Puma war eines derjeningen Teams, die sich sowohl die Westoption von Sanya als auch Groupamas Taktik auf der anderen Seite überlegten, am Ende aber doch beim Feld und besonders bei Telefonica in der Kursmitte blieben. „Respekt vor den Franzosen, die haben die Sache selbst in die Hand genommen. Sie sind bei ihrem Schlachtplan geblieben, und das zahlt sich zumindest im Moment aus”, sagte Puma-Skipper Ken Read, derzeit auf dem dritten Platz liegend. Er sei zufrieden mit der Performance des Bootes und der derzeitigen Position. Denn er weiß, dass es in den nächsten Tagen, beim Durchsegeln der Innertropischen Konvergenzzone, schon wieder ganz anders aussehen kann.

Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race Auf Sanya wurde das Backbordwant gelascht, um damit in den Hafen segeln zu können

Sanya ist unterdessen auf Madagaskar eingetroffen und hat mit der Reparatur des Riggs begonnen. „Bei uns liegt viel an, weil es sich um ein größeres Problem handelt als bloß um den Tausch eines Stags”, sagt Skipper Mike Sanderson. Man werde die Wanten auf beiden Seiten tauschen, und das sei ein ziemlich dicker Job. Sanya muss diesen Teil des Rennens bis zum geheimen Ziel aus eigener Kraft fertigsegeln, um wenigstens die Punkte für den letzten Platz zu bekommen, selbst wenn sie es nicht bis nach Abu Dhabi zum eigentlichen Etappenziel und dem dortigen In-Port Race schaffen sollten.

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