Volvo Ocean Race
"Es geht hier zu wie im Casino"

In Sichtweite kämpfen die Teams am 16. Tag auf See in flauen Winden um jeden Meter. Auckland darf sich auf ein Thriller-Finale freuen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 23.02.2015

Alvimedica/VOR VOR 2014/2015, Etappe 4, Bilder von See

Auch die vierte Etappe hält, was die neue Einheitsklasse seit dem Start der zwölften Auflage des Volvo Ocean Race verspricht: Es bleibt hochspannend! In flauen und nervenzerrenden Äquatorbedingungen ringen die Teams um jeden Meter. Fünf der sechs Mannschaften segeln nach 15 Tagen auf See in Sichtweite zueinander! Auch Team SCA hat als Schlusslicht "nur" 15 Seemeilen Rückstand auf die chinesischen Spitzenreiter. Das auch in der Gesamtwertung führende Dongfeng Race Team hat die Bugspitze knapp vorn. Zwei Seemeilen dahinter kämpfen Mapfre und Abu Dhabi Ocean Racing um Rang zwei. Bouwe Bekkings Team Brunel hat sich inzwischen vom Rückschlag im Süden erholt und sich mit 2,5 Knoten Bootsgeschwindigkeit an die noch einen Knoten langsameren Konkurrenten herangepirscht. Nur noch drei Seemeilen trennen Team Brunel von Charles Caudreliers Dongfeng Race Team. Team Alvimedica wiederum sitzt den zurzeit nicht fliegenden Holländern mit nur einer Zehntelseemeile im Heck. Über Langeweile im Positionspoker kann in diesem Stadium der vierten Etappe keiner klagen.

Dongfeng Race Team/VOR Am 16. Tag auf See liegt das Dongfeng Race Team knapp in Führung

"Wer hätte das 15 Tage nach dem Startschuss gedacht", fragte Mapfres Anbord-Reporter Francisco Vignale sich und die Fans am Montagmorgen. Seinen Crew-Kameraden Jean-Luc zitiert er mit den Worten: "Es geht hier zu wie im Casino." Alle Crew segeln im selben Bereich. Der Erste könnte Letzter werden. Und anders herum. Vignale schreibt weiter: "Dongfeng ist in Luv, Abu Dhabi in Lee und am Horizont sehen wir Alvimedica, die unserer Gruppe langam näherkommt. Es könnte nicht spannender sein. Ich war heute wirklich sehr beeindruckend, als die Positionsmeldung alle Boote auf einer Linie sah. Wir können die Rivalität spüren, und es bleibt keine Zeit für Ablenkungen. Fakt ist, dass dich eine einzige Bö aus den Doldrums und das ganze Rennen selbst retten kann. Diese Etappe ist heiß! Wir haben Meile für Meile zusammen mit Abu Dhabi und Dongfeng gekämpft. Wir haben unseren Nutzen aus diesen riesigen Regenwolken gezogen, eine Dusche genommen und uns erfrischt, weil es zu heiß ist. Weil wir zurzeit keinen Wind haben, fühlt es sich noch viel heißer an. Wir befinden uns in einer guten Position, um diese Übergangszone zu kreuzen, wenn die Winde es erlauben. Der Rest liegt in den Händen von acht Seglern, die unermüdlich gemeinsam arbeiten. 24 Stunden jeden Tag. Das Ziel: Mapfre an die Spitze der Podiumsplätze zu bringen. Go, Mapfre!"

Mapfre/VOR Trügerische Idylle: Tatsächlich zwingen die immer neuen Wolken- und Wetterszenarien die Segler zu ständigen Manövern

Die Konkurrenz bestätigt die Einschätzung Vignales und die Anspannung, für die der Flautenpoker und das Wind- und Wolken-Roulette sorgen. Abu Dhabi Ocean Racings Anbord-Reporter Matt Knighton berichtete: "Als Ian die Modelle für alle sechs Teams durchgerechnet hat, kam dabei heraus, dass wir Auckland alle binnen eineinhalb Stunden erreichen werden. Mehr noch, die ersten drei Teams würden danach nur zehn Minuten trennen. Da noch etwa fünf Tage vor uns liegen, ist das natürlich pure Spekulation. Aber eines ist sicher: Diese Etappe könnte eine der engsten und am wenigsten vorherzusagenden dieser Auflage werden."


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Themen: Abu Dhabi Ocean RacingAucklandBouwe BekkingDongfeng Race TeamMapfreTeam BrunelVolvo Ocean Race

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