Volvo Ocean Race
Erst Waschmaschine, nun Umleitung

Vor den Brüllenden Vierzigern wird der Wind leichter. Und die Navigatoren müssen nach der Verschiebung der Eis-Gates die Kurse neu berechnen

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 20.03.2012

Amory Ross/Puma Ocean Racing Ungeschützt: Der Puma-Steuermann steht im Strahl des „Feuerwehrschlauchs"

Zur Erleichterung der Geschundenen haben Wind und Wellen nachgelassen, doch das war nicht von schlechten Eltern, was Poseidon da in den ersten 48 Stunden der Etappe auftischte. „Ohne den Schatten eines Zweifels, das war die schwerste erste Nacht, die ich je auf einer Volvo-Etappe miterlebt habe”, stellte Campers Co-Skipper Stu Bannatyne lakonisch fest. Der muss es wissen, denn dies ist sein fünftes Volvo Ocean Race. Andernorts wird von Schmerzen berichtet:  Puma-Segler Casey Smith (Bug) erlitt eine Rückenverletzung, und Thomas Johanson (Rudergänger), der erst in Auckland als Ersatzmann zugestiegen war, kegelte sich die rechte Schulter aus. Doch beide seien auf dem Weg der Besserung, meldet Käpt'n Ken Read.

Hamish Hooper/Volvo Ocean Race Vergleichswerte: Stu Bennatyne von Camper sagt, so schimm war die erste Nacht noch nie

Am ärgsten erwischte es aber doch Abu Dhabi, die nach dem Boxenstopp in Auckland hurtig den anderen nacheilen wollten, doch auf dem Weg nach draußen von Böen mit bis zu 60 Knoten – das sind satte 11 Beaufort – im Colville Channel überrascht wurden. Skipper Ian Walker entschied, im Schutz einiger Inseln beizudrehen. Das war im Sinne der Sicherheit und wohl auch aus taktischen Überlegungen richtig. „Wir sind in der Zwickmühle”, gab der Engländer frustriert durch. „Entweder gegen den Sturm ankämpfen und nicht viel ausrichten, oder warten und noch mehr Meilen an die Konkurrenz verlieren?”

Amory Ross/Puma Ocean Racing Mit Hut: Tony Mutter, einer der Rudergänger auf Puma, könnte in dem Aufzug auch Motorrad fahren

Der Rückstand Abu Dhabis wuchs dadurch in der Tat exorbitant und trug Walker den Spott mancher Blogger ein, die das Vorgehen in ihren Kommentaren als „soft” bezeichneten und meinten, Peter Blake, Grant Dalton oder Pierre Fehlmann wären zu ihren Zeiten nie in die Verlegenheit gekommen, zu solchen Maßnahmen zu greifen oder gar eine Startverschiebung wegen Schlechtwetters wie in Sanya zu erdulden. Die Boote seien aufregend, aber zerbrechlich und das Ganze sei, so ein Kommentator, „kein Abenteuer mehr, sondern nur eine kommerzielle Übung, die den Sport ruiniert”.

Hamish Hooper/Volvo Ocean Race Mit Speed: Franck Cammas und Groupama lagen zuletzt auf Platz 2, in Sichtweite von Camper und Puma

Doch Sicherheit steht vernünftigerweise noch an erster Stelle, und deshalb wurde nach der Analyse von aktuellen Satellitenaufnahmen auch entschieden, die Kursbegrenzung weiter nach Norden zu verlegen, um der Gefahr treibender Eisberge aus dem Weg zu gehen. Die Volvo-Pressestelle verlautete dazu fröhlich, dass sich damit nur die Länge der Etappe ändere, nicht aber der Zwischenstand. Die Navigatoren sahen es freilich etwas differenzierter. Sie, die vor dem Rennen monatelang über Wetter- und Strömungsdaten gebrütet haben, um die beste Route abzusetzen, müssen nun neue Kursvarianten berechnen. „Unguterweise haben sie die Gates 120 Meilen nach Norden verlegt”, sagte Campers Navigator Will Oxley verärgert, dessen Team momentan hinter Telefonica auf Platz 2 liegt. „Das Hoch liegt auf dieser Breite, deshalb gestaltet sich die Etappe stark anders, leichter und mit mehr Gegenwind.”

Die Tracker-Software, die derzeit manchmal leider unverlässliche Angaben liefert, zeigte um 02:47 Uhr früh Telefonica 13 Meilen vor Groupama und weitere zwei bzw. vier Meilen dahinter Camper und Puma.

Mehr auf der Event-Seite und über den Live-Stream  und den YouTube-Kanal .

Aktuelle Positionen und Abstände im Tracker .


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