Volvo Ocean Race
Die Qual der Wahl: Auckland direkt oder Umweg über Fidschi?

Lieber auf kürzestem Kurs in die Flaute oder auf Umwegen mit Hoffnung auf Wind? Die Teams stehen nach zwei Etappen-Dritteln vor großen Entscheidungen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 18.02.2018
Liz Wardley am Grinder Liz Wardley am Grinder Liz Wardley am Grinder

James Blake/VOR Liz Wardley am Grinder

Bei der Annäherung an die Inselstaaten der Salomonen stehen die Teams im Volvo Ocean Race vor der vielleicht wichtigsten Entscheidung auf dieser sechsten Etappe über insgesamt gut 6000 Seemeilen: Vor ihnen liegt auf Kurs Auckland etwa querab der Solomon-Inseln ein extrem breiter Flautengürtel, der den direkten Südkurs nach Auckland versperrt. Nur wesentlich weiter östlich – auf Höhe der Fidschi-Inseln – verspricht der schmaler werdende Kalmengürtel einen möglicherweise deutlich schnelleren Durchgang. Der Umweg über die Fidschis aber würde beim Abweichen von der direkten südlichen Kurslinie nach Auckland Hunderte zusätzlicher Seemeilen bedeuten. Was tun?

VOR Libby Greenhalgh ist Meteorologin und Navigatorin an Bord der aktuellen Spitzenreiter von David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag. Viel Schlaf bekommt sie in diesen anstregenden Tagen nicht

Jeremia LecaudayVOR Luke Malloy vom Team AkzoNobel schaut ins bildschöne Farbenspiel am Horizont. Doch was liegt dahinter und wo werden die Teams Wind finden?

Mit Blick auf den bereits laufenden Flautenpoker zermartern sich die Navigatoren und ihre Crews seit Tagen die Köpfe, studieren die Wettermodelle mit größter Intensität. In der Nacht zum Sonntag sind die Spitzenreiter von AkzoNobel schon von einer riesigen Wolke gestoppt worden, mussten David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag vorbeiziehen lassen. Solche Szenarien werden sich in den kommenden Tagen wiederholen und die Positionen der Boote immer wieder durcheinanderwirbeln. Aktuell führt Witts Team vor AkzoNobel (6,1 Seemeilen Rückstand), Team Brunel (124,9 Seemeilen), Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic (154,1 Seemeilen), Charles Caudreliers Dongfeng Race Team (187 Seemeilen) und dem spanischen Team Mapfre (194,3 Seemeilen).

Screenshot/VOR Zwischenstände und Route am 12. Tag der sechsten Etappe

Team Brunels Skipper Bouwe Bekking nennt das aktuelle Szenario "Harmonika-Effekt": Weil die Spitzenreiter Sun Hung Kai / Scallywag und Akzo Nobel die Leichtwind-Zone als Erste erreicht haben, eröffnet sich für die Verfolger die Chance zum Aufholen. Doch auch Bekking weiß, welche Frage alle Teams beschäftigt: Wird es – und wenn ja, dann wo genau – eine schnelle Durchfahrtmöglichkeit durch die Flautenzone geben?

Auch die Spezialisten an Land sind sich nicht einig. Das Expertenteam der Renn-Organisatoren vermeldete am frühen Sonntagmorgen: "Die Wettermodelle ergeben eine Vielzahl an extrem unterschiedlichen Routen." Zwischen den vorgeschlagenen Kursen – direkt oder über den Ost-Umweg – liegen bis zu 600 Seemeilen Distanzunterschiede, was rund 10 Prozent der gesamten Kurslänge ausmacht und auf den schnellen Blick wenig verlockend erscheint. Wie die Teams sich entscheiden, werden die kommenden Tage zeigen. Es wäre nicht überraschend, wenn die eine oder andere Mannschaft schon bald von ihrem pro Etappe einmal erlaubten Recht Gebrauch macht und für 24 Stunden in den Tarnkappen-Modus ("Stealth Mode") wechselt, um die getroffene Entscheidung vor der Konkurrenz zu verschleiern.

Hier gab es schon einen Ausblick auf das bevorstehende Entscheidungs-Szenario: Es geht für die Team im Flautenpoker am Äquator darum, den schnellsten Kurs durch den Kalmengürtel zu finden – Schwerstarbeit für die Navigatoren!


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Themen: AkzoNobelBrunelDongfeng Race TeamMapfreSun Hung Kai / ScallywagTurn the Tide on PlasticVolvo Ocean Race

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