Volvo Ocean Race
Der Monsun holt tief Luft

Die Messer sind längst geschliffen für die 5200-Meilen-Etappe von Sanya nach Auckland. Doch zunächst mal soll es scharfen Wind geben

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 17.02.2012

Paul Todd/Volvo Ocean Race Müller am Machen. Pumas Bugmann Michael Müller beim Bergen der Fock im Practice Race

Es war ein langer Stopp im chinesischen Sanya. Niemand kam wegen Bruch spät oder gar per Frachter angereist, somit hatte das Bodenpersonal Zeit, die Boote wieder auf Vordermann zu bringen und hier oder dort etwas zu modifizieren, um für Etappe 4 nach Auckland bestmöglich gerüstet zu sein. Doch außer den führenden Spaniern von Telefónica ist natürlich kein Team mit dem bisher Gezeigten zufrieden. Alle hoffen auf den großen Durchbruch, doch wenn die Wettervorhersage korrekt ist, werden sie am Ende froh sein müssen, keinen Bruch zu erleiden.

Paul Todd/Volvo Ocean Race Im Hafen vor dem Start und, vielleicht, auch vor dem Sturm

Denn das kommende Teilstück soll gleich mit einem Paukenschlag beginnen. Hype oder nicht, pünktlich zum Start sagt Wetterprophet Gonzalo Infante dicken Monsun mit bis zu 40 Knoten Windgeschwindigkeit voraus, der sich nördlich von Taiwan zusammenbraut und die Teams kräftig durchbeuteln könnte, sobald sie die geschützten Gewässer Sanyas verlassen werden. „Derzeit ist nur ein sehr kleines Gebiet im Zentrum der Südchinesischen See von Wellen mit sechs bis acht Meter Höhe betroffen”, erklärt Infante, „doch dieser Zustand dürfte sich bis Sonntag auf das ganze Seegebiet ausweiten.” Er empfiehlt den Seglern, sich auf Überlebensmodus einzustellen.

Marc Bow/Volvo Ocean Race) Am Haken. Abu Dhabi geht in Sanya wieder ins Wasser und hoft, bis Auckland verlorenes Terrain gutzumachen

Dies tut das führende Team von Telefónica, das bei einer Routineüberprüfung am Rigg Schwachstellen gefunden zu haben meint. Man ließ deshalb das gestrige Practice Race kurzerhand sausen, um den Mast zu wechseln. „Wir wollen super-sicher sein”, meldet Skipper Iker Martinez, der seine Truppe wieder optimal auf das Kommende einstellen wird, um den Druck auf die Rivalen Camper und Groupama zu erhöhen, die bisher vergeblich auf einen Fehler der Spanier gewartet haben. „Wir haben etwas gefunden, das uns nicht gefällt und uns deshalb zum Tausch für das nächste Teilstück entschlossen. Wir haben ein Ersatzrigg, das wir schon verwendet haben und zu dem wir sehr viel Vertrauen haben.”

Ian Roman/Volvo Ocean Race Tausche in der Zeit, dann hast du keine Not. Telefonica will mit dem Riggwechsel das Risiko minimieren

Der Vorsprung von Telefónica auf Camper beträgt derzeit 15 Punkte und die Neuseeländer wollen auf der Heimetappe alles daransetzen, den zu verringern. „Wir müssen aufhören, bei Inshore-Rennen Punkte zu verschenken”, klagt Teamchef Grant Dalton. „Wenn Telefónica so weitersegelt wie bisher, werden wir sie nie schlagen, und um dies einzusehen, muss man kein Genie sein.” Dalton, der dieses Rennen zweimal gewinnen konnte, erwartet eine Schlacht um den Etappensieg in Auckland und hofft, seine Jungs können vor eigenem Publikum den Siegeszug der Spanier endlich stoppen. „Das ist Druck, aber auch Motivation. Wenn’s sein muss, sitzt man dann halt auch mal zweieinhalb Tage auf der Kante.”

Vor der vierten Etappe

Heute steht in Sanya das Pro-Am Race auf dem Programm, am Samstag um 07:00 Uhr MEZ startet das In-Port Race und am Sonntag zur selben Zeit erfolgt dann der Start zur vierten Etappe, die über 5220 Seemeilen nach Auckland, Neusseland führt.

Zwischenstand:

1. Team Telefónica, 95

2. Camper with Emirates Team NZ, 80

3. Groupama Sailing Team, 71

4. Puma Ocean Racing by Berg, 48

5. Abu Dhabi Ocean Racing, 39

6. Team Sanya, 16

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Aktuelle Positionen und Abstände im Tracker .


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