The Ocean Race Europe 2021
Drei-Länder-Quartett unter deutscher Flagge am Start

Die Crew steht, und das Training in Les Sables-d’Olonne hat begonnen: Das Offshore Team Germany blickt der ersten großen Regatta 2021 entgegen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 28.04.2021
Die "Einstein"-Crew zum Trainingsauftakt in Les Sables-d'Olonne: Skipper Robert Stanjek (2.v.r.), Phillip Kasüske (r.), Annie Lush und Neuzugang Benjamin Dutreux aus Frankreich Die "Einstein"-Crew zum Trainingsauftakt in Les Sables-d'Olonne: Skipper Robert Stanjek (2.v.r.), Phillip Kasüske (r.), Annie Lush und Neuzugang Benjamin Dutreux aus Frankreich Die "Einstein"-Crew zum Trainingsauftakt in Les Sables-d'Olonne: Skipper Robert Stanjek (2.v.r.), Phillip Kasüske (r.), Annie Lush und Neuzugang Benjamin Dutreux aus Frankreich

Felix Diemer Offshore Team Germany / Felix Diemer Die "Einstein"-Crew zum Trainingsauftakt in Les Sables-d'Olonne: Skipper Robert Stanjek (2.v.r.), Phillip Kasüske (r.), Annie Lush und Neuzugang Benjamin Dutreux aus Frankreich

Skipper Robert Stanjek, 39, Team-„Benjamin“ Phillip Kasüske, 25, die britische Weltumseglerin Annie Lush, 41, und der französische Vendée-Globe-Neunte Benjamin Dutreux, 31, bilden das Drei-Länder-Quartett im Offshore Team Germany, das am 29. Mai in Lorient unter deutscher Flagge in die Premiere des The Ocean Race Europe starten wird. Als Anbord-Reporter ist Felix Diemer dabei. Fünf Imoca-Yachten, darunter die deutsche „Einstein“, und sieben VO65-Teams bilden die beiden Flotten in den ausgeschriebenen Klassen, die auch das The Ocean Race 2022/2023 zweigleisig prägen sollen.

Am Montag hat die Mannschaft ihre Imoca „Einstein“ (Ex-„Acciona von 2011) in Frankreich in den Trainingsbetrieb genommen. Ein Monat und insgesamt drei Trainingsblöcke bleiben dem Team, um sich auf den ersten Sommer-Schlagabtausch unter dem The-Ocean-Race-Dach vorzubereiten. Bei einer Online-Pressekonferenz berichteten Skipper Robert Stanjek, CEO Michael End, Co-Initiator und Team-Manager Jens Kuphal und die Crew über den Stand ihrer Vorbereitungen. Jens Kuphal zog rund fünf Jahre nach dem Kampagnenstart eine Zwischenbilanz: „Es war ein langer und nicht immer einfacher Weg mit vielen Wendungen. Wir haben bis jetzt schon viel erlebt. Aber letztendlich bleibt es unser großes Ziel, im nächsten Jahr, 20 Jahre nach der ‚illbruck‘, das erste Mal wieder als deutsches Team ein Ocean Race zu fahren. Das war immer unser Ziel.“ Die „illbruck Challenge“ hatte die damals noch unter dem Namen Volvo Ocean Race ausgetragene wichtigste Teamregatta um die Erde 2001/02 mit dem amerikanischen Skipper John Kostecki und internationaler Crew unter deutscher Flagge gewonnen.

Das The Ocean Race Europe bezeichnet Kuphal „als tolle Möglichkeit, uns mal auszuprobieren“. Weiter sagte Kuphal: „Wir lernen das Rennen von innen kennen und haben die Möglichkeit, uns zu präsentieren, um dann letztlich auch hoffentlich den großen Schritt zu machen, um bei dem großen Rennen im nächsten Jahr dabei zu sein.“

Felix Diemer Offshore Team Germany / Felix Diemer Einen Monat vor dem Rennstart: die "Einstein" ist bereit für den ersten Trainingsblock in den Gewässern vor Les Sables-d'Olonne

Den Anlauf dazu, die deutschen Farben wieder ins Spiel zu bringen, nimmt das Segelteam um Robert Stanjek, Olympia-Sechster von 2012, ab Ende Mai. Unterstützt wird er dabei vom Finn-Dinghy-Segler Phillip Kasüske (Junioren-Weltmeister 2016 im Finn), der viermaligen britischen Matchrace-Weltmeisterin und Olympiastarterin Annie Lush und dem technisch extrem versierten Imoca-Solisten Benjamin Dutreux. Der Franzose will das neue Team-Engagement auf dem Weg zu seinem nächsten Vendée-Globe-Start zum Ausbau des eigenen Erfahrungshorizonts nutzen. Das deutsche Team wird andersherum stark von der Expertise des 31-jährigen Werkstoff-Technikers und Segelprofis profitieren.

Auf seinem Kurs ist das Offshore Team Germany weiter auf der Suche nach Partnern für das große Ziel. CEO Michael Ende sagte: „Unsere Idee ist nicht, einen großen Sponsor zu finden, der das Boot dann gelb, rot, weiß oder grün macht. Wir wollen wirklich eine ‚Made in Germany‘-Kampagne machen, am besten mit vielen mittelständischen Unternehmen, um mit diesem Logo ‚Made in Germany‘ einmal um die Welt zu fahren. Das war der Grundgedanke dieser Kampagne.“ Das eigene Unternehmen End-Armaturen aus Bad Oeyenhausen, ein Hersteller und Lieferant von Industriearmaturen mit 110 Mitarbeitern, ging voran und engagiert sich. Weitere große Durchbrüche an der Sponsorenfront sind in fordernder Corona-Zeit noch nicht gelungen, doch das Team bleibt optimistisch. CEO Michael End sagt: „Die Herausforderungen der Corona-Pandemie haben die Sponsorensuche nicht einfacher gemacht. Aber wir hoffen natürlich auch, dass wir für das The Ocean Race Europe noch den einen oder anderen Unternehmer-Kollegen für unsere Gedanken gewinnen können. Ansonsten soll das The Ocean Race Europe, wenn es so läuft, wie wir uns das vorstellen, ein gutes Beispiel für das eigentliche The Ocean Race im nächsten Jahr sein, um da die Sponsorengewinnung ein bisschen leichter zu machen. Wir sind frohen Mutes, wie wir schon fünf Jahre frohen Mutes sind.“ Das gilt auch für Skipper Robert Stanjek: „Wir haben hier jetzt ein unglaublich tolles Team aufgestellt. Es ist sehr wichtig, dass wir da qualifizierte und tolle Leute drin haben. Wir merken, dass wir jetzt gut zusammenwachsen.“

Die erfahrensten beiden Segler im Team sind Annie Lush und Benjamin Dutreux. Stanjek sagt: „Ich bin auf alle Fälle der Offshore-Rookie unter den Internationalen. Beide haben ganz klar auch eine Trainer-Funktion. Annie ist wahnsinnig stark darin, unsere Teamzusammenarbeit und die Mannschaftsleistung zu optimieren. Sie ist da total akribisch von der Planung bis zur Auswertung. Benjamin bringt spezifische Imoca-Erfahrung mit, und die Navigation ist seine Aufgabe. Es ist uns gelungen, wirklich Top-Leute zu holen.“ Das Boot, sagt Stanjek, ist „super in Schuss“, auch wenn es immer „einzelne kleine Kinderkrankheiten“ gäbe, „die noch rausgearbeitet werden müssen“.

Felix Diemer Offshore Team Germany / Felix Diemer Die deutsche Imoca-Yacht "Einstein" an ihrem Liegeplatz in Les Sables-d'Olonne

In der kommenden Woche erhält die Imoca "Einstein", als Non-Foiler nicht unter den Rennfavoriten, noch einen neuen Satz Segel. „Dann sind wir materialmäßig fertig für das Rennen. Das wird ein großartiger Moment werden“, sagte Stanjek. Der Skipper weiß: "Natürlich wird die erste Etappe zu hoher Wahrscheinlichkeit ein langes Downwind-Rennen im Atlantik. Ich will nicht sagen, dass wir die Schlusslaterne gebucht haben, aber es wird schon schwer gegen das Top-Line-Up der neuen Schiffe. Dann geht's jedoch hinein ins Mittelmeer. Und das kennt jeder, der mal da war: Das Mittelmeer kann sehr flau werden. Vor allem nachts. Wir müssen mal schauen, was da so passiert. Da hat ein Non-Foiler, also ein Daggerboard-Boot, auch starke Vorteile. Ich bin auch ganz gespannt, denn unser Schiff ist 2011 mit den höchsten R&D-Kosten geplant worden. Das ist eigentlich ein Verdränger-Boot, das wahnsinnig schnell gerechnet worden ist, aber noch nie an sein Potenzial geführt wurde. Das wird auch noch mal interessant."

Auch die Regeländerung im Crew-Bereich, die an Bord der Imoca-Yachten nur noch vier segelnde Mannschaftsmitglieder statt der ursprünglich geplanten fünf erlaubt, wird die Aktiven maximal fordern. Annie Lush sagt: „Wir haben das Fastnet Race mit fünf Leuten auf der Imoca gesegelt. Das fühlte sich im Vergleich zum dem Seesegeln, das ich zuvor erlebt habe, schon sehr short-handed an. Bei meinem ersten Rennen mit Team SCA waren wir elf, im Team Brunel waren es neun. Dass wir jetzt nur noch vier sind, ist ein wichtiger Bereich des Rennens. Jeder muss alles beherrschen, jeder muss ein Allrounder sein. Wir müssen erarbeiten, wir wir uns gegenseitig unterstützen und ein gutes Energiemanagement betreiben können.“

Der Startschuss zum The Ocean Race Europe fällt am 29. Mai vor Lorient. Das Rennen führt die Teilnehmer via Etappenstopps in Cascais (Portugal) und Alicante (Spanien) in den italienischen Zielhafen Genua.

The Ocean Race The Ocean Race Europe: der Kurs


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