Volvo Ocean Race
"800 Liter Wasser in Lee sind nicht schnell"

Warum Vestas 11th Hour Racing bei der Ansteuerung von Porto Santo kurzzeitig ein Geschwindigkeitsproblem hatte und wie die Verfolger die Spitzenreiter jagen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 26.10.2017
Etappe 1, Vestas 11th Hour Racing Etappe 1, Vestas 11th Hour Racing Etappe 1, Vestas 11th Hour Racing

James Blake/Vestas/VOR Etappe 1, Vestas 11th Hour Racing

Es lief alles bestens für Charlie Enrights Team Vestas 11th Hour Racing, bis der Skipper in der Navigationsecke plötzlich rauschendes Wasser hörte: Ein Schlauch des Wasserballast-Systems war geplatzt. In der Folge strömte das Wasser in die Bilge. Sarkastischer Kommentar des Skippers: "800 Liter Wasser in Lee sind nicht schnell... Jetzt haben wir auch das Leistungsdefizit geklärt." Zwei Crewmitglieder schöpften das Wasser mit zwei Eimern per Hand aus der Bilge. "Es ist ganz schön hart, diesen Whirlpool trockenzulegen", scherzte ein Crew-Mitglied. Der Bruch ist inzwischen repariert. Und Vestas führt die Flotte der sieben Volvo-Ocean-Race-Yachten nach der Rundung von Porto Santos auf dem Weg zur nächsten, von der Wettfahrtleitung neu gesetzten Bahnmarke weiter an. Damit die Flotte den Zielhafen Lissabon auch wirklich erst am Samstagnachmittag erreicht, wurde diese zusätzliche Bahnmarke nördlich von Porto Santo platziert.

James Blake/Vestas/VOR Spitzenreiter auch nach vier Tagen auf See: Charlie Enrights Team Vestas 11th Hour Racing – hier in einer spannenden Perspektive eingefangen

Zwei Tage vor dem geplanten Zieleinlauf hatte Vestas 11th Hour Racing am Donnerstagmorgen immer noch zwölf Seemeilen Vorsprung auf die in den vergangenen Tagen mit besserer Geschwindigkeit stark aufgekommenen Spanier auf "Mapfre" und 13,3 Seemeilen Vorsprung auf die ebenfalls schnelle "AkzoNobel" mit Comeback-Skipper Simeon Tienpont, der seine mit Ersatzleuten vervollständigte Last-Minute-Crew bislang beeindruckend gut im Rennen hält.

Screenshot/Tracker/Volvo Ocean Race Die Zwischenstände von Donnerstagmorgen inklusive Tracker-Positionen: Charlie Enrights Team Vestas 11th Hour Racing verteidigt auch nach vier Tagen die Führung auf der ersten Etappe von Alicante nach Lissabon. Oben links im Tracker ist die von der Wettfahrtleitung zusätzlich gesetzte Bahnmarke zu sehen. So soll gewährleistet werden, dass die Flotte Lissabon am zuschauerfreundlichen Samstagnachmittag erreicht

Vom zwischenzeitlich letzten Platz auf dieser Etappe hat sich Mitfavorit "Dongfeng" mit dem französischen Skipper Charles Caudrelier inzwischen auf Platz vier vorgekämpft. Am Donnerstagmorgen betrug "Dongfengs" Rückstand auf die Spitzenreiter aber immer noch 22,9 Seemeilen. Schwer zu kämpfen haben die drei Schlusslichter, darunter Bouwe Bekkings Team Brunel, das seit dem Penalty kurz nach dem Start zur ersten Etappe von Alicante nach Lissabon immer wieder strauchelt und bislang vergeblich um den Wiederanschluss an die Top-Boote ringt. Am Donnerstagmorgen trennten Brunel und Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic am Ende des Feldes nur 0,7 Seemeilen.

Brunels "Golden Boy" Peter Burling, Olympiasieger und America's-Cup-Gewinner, berichtete von Bord: "Die letzten beiden Nächte waren definitiv voller Kontraste. Vorletzte Nacht hatten wir das Wasser bei 30 Knoten Wind überall. Letzte Nacht sind wir bei zwei, drei Knoten vorangetrieben und haben einfach nur um volle Segel gekämpft." Der stets wissbegierige Kiwi versuchte, das Beste aus der misslichen Position zu machen und erklärte: "Es ist interessant für uns in dieser Gruppe von vier Booten auf der Jagd nach den Spitzenreitern. Die sind ziemlich weit weg, aber wir lernen beim Segeln so dicht an den anderen Booten über einen so langen Zeitraum sehr viel." Schmecken wird dem sieggewohnten Burling der aktuell vorletzte Rang in der Flotte allerdings nicht.

Martin Keruzore/Team Brunel/VOR In seinem neuen Element: 49er-Olympiasieger, America's-Cup-Gewinner und VOR-Steuermann Peter Burling aus Neuseeland


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