Star Sailors League

Dominator Scheidt erteilt der Starboot-Prominenz Lehrstunden

Mit einem überzeugenden dritten Segeltag hat sich Robert Scheidt als überlegener Vorrundensieger vor Nassau direkt ins Finale katapultiert

Tatjana Pokorny am 08.12.2018
Star Sailors League 2018
Star Sailors League/Marc Rouiller

Drei Siege und ein siebter Rang in vier Rennen: Die Bilanz von Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt und seinem Vorschoter Henry Boening war am letzten Tag der Qualifikationsrunde beim Finale der Star Sailors League vor Nassau beinahe makellos. Kinderleicht sah es am Freitag aus, wie der 45-jährige Brasilianer sein Starboot über den Kurs steuerte. "Auch wenn es das ganz und gar nicht war", lachte Scheidt.

Finale Star Sailors League 2018

Kam bestgelaunt an Land: Robert Scheidt nach seiner Galavorstellung am letzten Tag der Qualifikation

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Kurz nach dem Start…

Mit traumwandlerischer Sicherheit fand der fünfmalige olympische Medaillengewinner und zwölffache Weltmeister die besten Startpositionen, guten Speed an der Kreuz und dominante Geschwindigkeit vor dem Wind. Es war ein Fest, seinen Manövern und seinem Können auf dem Wasser oder bei der Live-Übertragung zuzusehen. Lohn der Brasilianer, die in insgesamt elf Wettfahrten in der Star-Flotte bei einem Streicher nur 33 Punkte und damit weniger als halb so viele Zähler wie die folgenden Crews sammelten: Sie dürfen Viertel- und Halbfinale überspringen und im Finale auf ihre künftigen Gegner warten. 

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Nach dem überragenden Vorrundensieg bereits fürs Finale gesetzt: Robert Scheidt udn Henry Boening aus Brasilien

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Paul Cayard wieder im Spiel

Als Vorrunden-Zweite zogen die Amerikaner Mark Mendelblatt und Brian Fatih direkt ins Halbfinale ein. Für das Viertelfinale qualifizierten sich auf den Plätzen drei bis sieben das italienische-deutsche Duo Diego Negri/Frithjof Kleen (3.), der amtierende Starboot-Weltmeister und brasilianische Finn-Hoffnungsträger Jorge Zarif mit Pedro Trouche (4.), der polnische Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz mit Dominik Zycki (5.), der Noweger Eivind Melleby mit Joshua Revkin (6.) sowie Paul Cayard und Arthur Lopes (7.), die sich nach dem verpatzten Vortag mit herausragenden Leistungen (2, 1, 3, 14) zurück ins Spiel brachten.

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Paul Cayard und Arthur Lopes haben sich am letzten Tag der Qualifikation mit herausragenden Leistungen wieder ins Spiel gebracht

Für kriminale Spannung sorgten am Freitag aber vor allem die Mannschaften im Mittelfeld, die bis ins Ziel der insgesamt elften und letzten Wettfahrt der Qualifikationsrunde Tages um den zehnten Platz rangen. Denn nur die Teams auf den Vorrundenplätzen drei bis zehn konnten das Viertelfinal-Ticket lösen. Es kam zu einem Sechskampf mit ständig wechselnden Positionen. Der erste bittere K.o.-Schlag erwischte den nach Mastbruch am ersten Tag wieder aussichtsreich um einen Viertelfinalplatz kämpfenden Neuseeländer Hamish Pepper und seinen Vorschoter Steve Mitchell. Das Duo war brilliant in die entscheidende letzte Wettfahrt gestartet, als kurz danach das Großsegelfall brach und das Segel von oben kam. Damit waren alle Hoffnungen des Starboot-Weltmeisters von 2006 auf den Einzug in die nächste Runde geplatzt. Bangen und kämpfen mussten während der gesamten Wettfahrt der schwedische Olympiasieger Freddy Lööf mit Edoardo Natucci, die Franzosen Xavier Rohart und Pierre Alexis Ponsot, der ungarische Finn-Weltmeister Zsombor Berecz mit Michael Maier, der zweimalige brasilianische Medaillen-Gewinner Lars Grael mit Samuel Gonçalves sowie Laser-Ass Tonci Stipanovic mit Frederico Melo und America's-Cup-Segler Francesco Bruni mit Nando Colaninno. Alle sechs Crews lagen in der Hochrechnung während der elften Wettfahrt mindestens einmal, teilweise immer wieder außerhalb der Top Ten.

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Aus der Traum vom Viertelfinal-Einzug: Hamish Pepper and Steve Mitchell müssen mit Bruch in den Hafen zurückkehren

Durchsetzen konnten sich im Kampf um die Plätze acht bis zehn schließlich Lööf/Natucci, Rohart/Ponsot und Grael/Gonçalves. Sie überstanden den Cut. Punktgleich mit den Brasilianern schieden der junge Finn-Weltmeister Zsombor Berecz aus Ungarn und sein tschechischer Vorschoter Michael Maier trotz ihres imposanten Endspurts aus, weil sie im letzten Rennen erst nach Grael/Gonçalves ins Ziel kamen. "Wir haben gekämpft, alles gegeben, konnten auf dem letzten Vorwind-Gang noch drei Boote überholen", berichtete Berecz, der auf dem Wasser aufgrund eines Rechenfehlers zunächst als glücklicher Zehnter beglückwünscht worden war, bevor er an Land von der Korrektur und seinem Ausscheiden erfuhr.

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Alles gegeben und den Einzug ins Viertelfinale bei Puntgleichheit mit dem zehntplatzierten Lars Grael doch verpasst: Finn-Weltmeister Zsombor Berecz konnte seiner Enttäuschung kaum verbergen

Bester deutscher Starter war auch am Freitag Diego Negris Vorschoter Frithjof Kleen. Der Berliner hatte das Finale der Star Sailors League im vergangenen Jahr an der Seite des britischen Laser-Olympiasiegers Paul Goodison gewonnen. Jetzt qualifizierte er sich mit seinem italienischen Steuermann als starker und vor allem konstanter Vorrunden-Dritter sicher für das Viertelfinale, das ebenso wie Halbfinale und Finale am "Super-Samstag" im K.o.-Modus ausgetragen wird. Auf den dritten Platz führte Negri/Kleen am Abend in Nassau ein Protest gegen den Norweger Eivind Melleby. "Melleby hat uns im ersten Rennen des Tages an der Top-Marke das Großsegel aufgeschlitzt", berichtete Kleen, dessen Team dieses Rennen aufgeben musste. Steuermann Negri raste mit einem Motorboot in den Hafen des Nassau Yacht Clubs, während Kleen auf dem Wasser alles für den Segelwechsel vorbereitete. Binnen weniger als einer halben Stunde war das Starboot von Negri/Kleen wieder einsatzbereit und konnte in die zweite Wettfahrt des Tages starten.

Ausgeschieden ist der Hamburger Markus Koy, der mit Pavlos Kontides (Zypern), Doppel-Weltmeister im Laser und Weltsegler des Jahres, auf Platz 18 segelte. Nur einen Platz dahinter konnte sich in der Endabrechnungen die jüngste und leichteste Mannschaft der Regatta platzieren: Mit Platz 19 und vielen wertvollen Erfahrungen sowie reichlich Lob der Spitzensegler nehmen der erst 17 Jahre alte italienische Lase-Radial-Jugendweltmeister und sein 24-jähriger Vorschoter Kilian Weise vom Ammersee Abschied von der Starparade vor Nassau. Zur Live-Übertragung der Finalläufe am "Super-Samstag" geht es ab 17 Uhr deutscher Zeit vial Link und Klick bei Yacht online.

Tatjana Pokorny am 08.12.2018

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