Star Sailors League

Die Besten beim Gipfeltreffen im Traumrevier der Bahamas

Heute soll der Vorweihnachts-Klassiker beginnen. Zunächst aber fehlte der Wind. Zeit für einen Blick auf die prominente Flotte mit deutscher Beteiligung

Tatjana Pokorny am 04.12.2018
Finale Star Sailors League 2018
Star Sailors League/SSL

Zählt zu den Top-Favoriten im Kampf um insgesamt 200.000 US-Dollar Preisgeld: Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt (Brasilien) – bei der sechsten Auflage des Vorweihnachts-Klassikers mit Landsmann Henry Boening im Einsatz

Beim sechsten Finale der Star Sailors League geht es von Nassau im Traumrevier der Bahamas erneut um 200.000 US-Dollar Preisgeld, von denen allein die Sieger-Crew 40.000 US-Dollar kassiert. Wer gewinnt? Da ist sich auch die Elite vor Ort im Nassau Yacht Caub nicht einig. Es sind zu viele hochkarätige Segler am Start! Mit der Rumpfnummer 1 geht der britische Doppel-Olympiasieger Iain Percy ins Rennen. Nach dem tragischen Tod seines Freundes und Starboot-Vorschoters Andrew "Bart" Simpson bei einem Trainingsunfall im America's Cup im April 2013 ist Percy erstmals wieder bei einem großen Starboot-Ereignis wie dem Finale der Star Sailors League am Start. Das sei ihm möglich, weil er mit dem Schweden Anders Eckström einen Freund gefunden habe, der sowohl ihm als auch dem verstorbenen Simpson schon früher verbunden gewesen sei.

SSL Training Center am Gardasee

Titelverteidiger: Top-Starboot-Vorschoter Frithjof Kleen

Die Konkurrenz traut Percy trotz der langen Pause einiges zu. Der Berliner Vorschoter Frithjof Kleen, der das Finale der Star Sailors League im vergangenen Jahr an der Seite von Starboot-Neueinsteiger und Shooting Star Paul Goodison gewonnen und am Sieg des Laser-Olympiasiegers aufgrund seiner großen Starboot-Erfahrung einigen Anteil hatte, sagte: "Mit Iain Percy ist definitiv zu rechnen. Sicher in den Top Ten. Vielleicht auch noch deutlich weiter vorn." Kleen selbst startet mit dem Italiener Diego Negri und zählt damit ebenfalls zum Kreis der Favoriten. Kleen weiß aber auch, dass eine Reihe amtierender junger Weltmeister aus den olympischen Disziplinen wie Ruggero Tita (Italien, Nacra 17), Zsombor Berecz (Ungarn, Finn), Kevin Peponnet (Frankreich, 470er) und Sime Fantela (Kroatien, 49er) auch ohne große Starboot-Erfahrung Druck machen werden: "Ich denke, dass die älteren Star-Segler dieses Mal wirklich aufpassen müssen. Die jetzt nachrückenden jungen Typen sind nicht nur fantastische Segler, sondern zu diesem Zeitpunkt auch sehr gut vorbereitet. Wer für dieses Finale nicht trainiert hat, der wird ziemlich alt aussehen!” Zur Segelpartnerschaft mit Negri sagt Kleen, dass beide 2012/13 schon einmal eine erfolgfreiche Kampagne absolviert haben. "Ich kenne ihn sehr gut – sowohl seine schlechten als auch seine guten Seiten! Er hat es immer durch die Round-Robin-Vorrunden-Rennen geschafft. Wir kennen unser Boot und unsere Segel – alle diese Variablen sind klar definiert. Nun liegt es an uns. Aber es wird hart sein – wie in jedem Jahr.” 

Olympiasiegerin und Moderatorin Shirley Robertson berichtet, auf was sich die Fans freuen dürfen, auch wenn die ersten Starts am Dienstag aufgrund der hartnäckigen Flaute nicht sehr wahrscheinlich erschienen

Zwei weitere deutsche Vorschoter sind beim Gipfeltreffen vor Nassau im Einsatz: Der Hamburger Markus Koy sitzt mit Doppel-Laser-Weltmeister Pavlos Kontides in einem Boot. Der Zypriote, einziger olympischer Medaillengewinner seiner Heimat über alle Sportarten, ist gerade zum Weltsegler des Jahres 2018 gewählt worden und als extrem ehrgeizig bekannt. Kontides sagte vor dem Finalbeginn: "Es ist ein großartiges Gefühl, gegen die Segellegenden antreten zu können – die Leute, zu denen ich mit meiner Jugend aufschaute, die ich bewundert habe, die mich inspiriert haben und die mir dabei geholfen haben, meine Ziele hoch zu stecken und groß zu träumen. Es ist fantastisch, an der gleichen Startlinie wie sie aufzukreuzen.” Kilian Weise vom Ammersee unterstützt mit dem Italiener Guido Gallinaro den erst 17 Jahre alten Junioren-Welt- und Europameister im Laser Radial. Philipp Buhl, der die Segelwelt im vergangenen Jahr bei seiner Starboot-Premiere im Topfeld mit Platz fünf hatte beeindrucken können, musste die erneut erfolgte Einladung in diesem Jahr ausschlagen, weil die Regatta mit seinen Winter-Trainingsplänen kollidierte.

Was Robert Scheidt, Pavlos Kontides und ihre Konkurrenten vor dem ersten Start sagten

Der genaue Blick aufs Teilnehmerfeld verrät: Selten sind so viele Hochkaräter bei einer Regatta aufeinander getroffen wie bei diesem Finale der Star Sailors League. Zusammen haben die 50 Segler der 25 startenden Crews 21 olympische Medaillen gewonnen! Fünf davon gehören dem zwölfmaligen brasilianischen Weltmeister Robert Scheidt, den viele zum engsten Favoritenkreis zählen. Der Doppel-Olympiasieger tritt mit seinem Landsmann Henry Boening an. Scheidts Trauzeuge Frihjof Kleen, der wie der Brasilianer und seine Familie auch am Gardasee lebt und dort ein Trainingszentrum der Star Sailors League betreibt, weiß: "Robert hat sehr, sehr intensiv trainiert. Dem ist hier definitiv alles zuzutrauen." Ebenso wie dem dreimaligen olympischen Medaillengewinner und Olympiasieger Freddy Lööf aus Schweden, der mit dem Italiener Edoardo Natucci nach den Sternen greift. Mit Landsmann Max Salminen ist auch Lööfs ehemaliger Gold-Vorschoter der Olympischen Spiele 2012 Teil der Starparade. Seine olympische Premiere als Finn-Steuermann hatte Salminen 2016 in Rio de Janeiro gefeiert. 2017 gewann Salminen die Weltmeisterschaft der Einhandjollen für die athletischen Schwergewichte unter den Olympioniken. Vor Nassau will er mit Landsmann Johan Tillander nicht nur seinen ehemaligen Steuermann fordern.

Einer, der sich bei den vergangenen Finals vor Nassau jedes Mal in den Top Ten platziert hat, ist der polnische Olympiasieger und zweimalige olympische Medaillengewinner Mateusz Kusznierewicz, der mit seinem Stammvorschoter Dominik Zycki antritt. Francesco Bruni hat sich eine kurze Auszeit von seinem America’s-Cup-Engagement für Patrizio Bertellis Team Luna Rossa genommen und will mit Nando Colaninno im Boot seinen zehnten Platz vom Vorjahr verbessern. Der Norweger Eivind Melleby, Starboot-Weltmeister des vergangenen Jahres, geht mit Joshua Revkin aus den USA ins Rennen.

Zum fünften Mal ist Multitalent Paul Cayard bei einem Finale der Star Sailors League am Start. Wie gut der Amerikaner in Form ist, hat er mit Vorschoter Athur Lopez bei der Starboot-Weltmeisterschaft in diesem Jahr mit der Bronzemedaille bewiesen. Zu Cayards größten Erfolgen zählt bis heute der Sieg bei der hochkarätig besetzten Star-WM vor 30 Jahren. "Ich habe seit meinem ersten Start beim Finale der Star Sailors League viel Zeit ins Starboot investiert, ein gutes Ergebnis erzielt und mich davon zu noch mehr Training motivieren lassen”, sagt der 59-jährige frühere Whitbread-Round-the-World-Sieger und America’s-Cup-Veteran. Weiter berichtet Cayard: "Ich habe mir einen P-Star gekauft, weil ich im Finale vor einem Jahr vor dem Wind etwas langsam war. Das hat mir ein bisschen geholfen. Ich fühle mich jetzt ziemlich gut. Jedes Jahr sind hier einige neue Gesichter zu sehen. Und sie sind alle qualitativ gute Segler. Um hier eingeladen zu werden, musst du schon ein olympischer Medaillengewinner oder ein Weltmeister sein oder sonstwie Außergewöhnliches geleistet haben.”

Das Final-Format der Star Sailors League, die sich der Förderung des internationalen Segel-Spitzensports verschrieben hat, ist mit seinen vielen Knockout-Runden und den spannenden Finalläufen für die Öffentlichkeit leicht zu verstehen. Das sechste Finale beginnt mit der Qualifikationsrunde von Dienstag bis Freitag, wird am Samstag mit dem Viertel- und Halbfinale sowie dem Showdown der besten vier Mannschaften fortgesetzt. Dabei dürfen die Vorrunden-Besten die Zwischenrunde überspringen: der sogenannte "Round Robin”-Sieger segelt direkt ins Finale, die Zweiten ins Halbfinale. Die im Viertelfinale auf den Plätzen drei bis zehn platzierten Crews erreichen das Halbfinale. Die Top Drei aus dem Halbfinale treffen im Finale auf den dort bereits gesetzten Vorrundensieger. Die Rennen werden im Internet live übertragen. Zu den Übertragungen gelangt man via YACHT online per Klick auf die täglich aktuell angezeigten Links ganz leicht.

Tatjana Pokorny am 04.12.2018

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