Star Sailors League

Brasilianisches Segelfestival vor der Kulisse der Bahamas

Am zweiten Segeltag siegten erst die Franzosen Rohart/Ponsot, bevor Südamerikaner die weiteren Rennen dominierten. Lars Grael gewann zum zweiten Mal

Tatjana Pokorny am 07.12.2018
Finale Star Sailors League 2018
Star Sailors League / Gilles Morelle

Finale Star Sailors League 2018 vor Nassau: Die Brasilianer Lars Grael und Samuel Gonçalves gewannen als erste Crew der sechsten Auflage am Donnerstag bereits ihr zweites Rennen

Finale Star Sailors League 2018

Konnten im ersten Rennen des Tages mit fulminanter Geschwindigkeit überzeugen: Die Franzosen Xavier Rohart und Pierre-Alexis Ponsot holten ihren ersten Tagessieg

Dem zweiten vollen Segeltag beim Finale der Star Sailors League drückten die Brasilianer ihren Stempel auf. Zwar konnten die Franzosen Xavier Rohart und Alexis Ponsot die erste Wettfahrt am Donnerstag mit überragender Geschwindigkeit für sich entscheiden, danach aber übernahmen die Südamerikaner das Kommando auf dem Kurs vor Nassau. Den Sieg im sechsten Qualifikationsrennen in der Montagu-Bucht sicherte sich der erst 26 Jahre alte olympische Finn-Hoffnungsträger und amtierende Starbootweltmeister Jorge Zarif mit seinem Vorschoter Pedro Trouche. Das siebte Rennen der Qualifikationsrunde gewannen Lars Grael und Samuel Gonçalves souverän vor ihren Landsleuten Zarif/Trouche und Robert Scheidt/Henry Boening.

Finale Star Sailors League 2018

Auch mit einem Bein eine Macht im Starboot: Steuermann Lars Grael holte mit seinem Vorschoter Samuel Gonçalves schon seinen zweiten Tagessieg

Letztere mussten trotz guter Leistungen am Donnerstag mit den Ränen 2, 12 und 3 die Gesamtführung an Mark Mendelblatt und Brian Fatih abgeben. Die Amerikaner führen das Klassement nach sieben Wettfahrten mit 22 Punkten vor Scheidt/Boening (23 Punkte) und Zarif/Trouche (31 Punkte) an. Bester deutscher Starter ist und bleibt der Berliner Titelverteidiger und Vorschoter Frithjof Kleen an der Seite von Steuermann Diego Negri. Das italienisch-deutsche Duo liegt mit einem Punkt Rückstand auf Zarif/Trouche aussichtsreich auf Platz vier. "Wir segeln konstant gut. Das ist wichtig auf dem Weg ins Viertelfinale", erklärte Kleen. Nach der Vorrunde wird die beste Crew am Freitagabend direkt für das Finale gesetzt, darf die Zwischenrunden überspringen. Die Vorrunden-Zweiten ziehen ins Halbfinale ein, dürfen das Viertelfinale auslassen. Die Crews mit den Vorrunden-Plätzen drei bis zehn bestreiten das Viertelfinale.

Bemerkenswertester Athlet des Tages war am Donnerstag der Brasilianer Lars Grael. Der 54-jährige Bruder von Doppel-Olympiasieger und Volvo-Ocean-Race-Gewinner Torben Grael sowie Onkel von 49er-Olympiasiegerin und Volvo-Ocean-Race-Seglerin Martine Grael hat selbst 1988 und 1996 olympische Bronzemedaillen im Katamaran Tornado gewonnen. Im September 1998 verlor Lars Grael in der Folge einer dramatischen fremdverschuldeten Kollision mit einem Motorboot ein Bein. Er wechselte später ins Starboot und erstaunt seitdem Fachwelt, Fans und Segler. Beim mit Segelstars gespickten Finale der Star Sailors League konnte der Steuermann mit seinem Vorschoter Samuel Gonçalves am Donnerstag als Erster bereits den zweiten Wettfahrtsieg verbuchen – was ihn auf Platz sieben im Feld der 25 Top-Crews hat vorrücken lassen, ein wichtiger Schritt in Richtung Viertelfinal-Qualifikation.

Finale Star Sailors League 2018

Auch sie ersegelten am Donnerstag einen Tagessieg für Brasilien: Jorge Zarif und Pedro Trouche

Pech hatte der italienische America's-Cup-Star Francesco Bruni, dessen Boot nach einer vom Team des 470er-Olympiasiegers und 49er-Weltmeisters Sime Fantela verschuldeten Kollision ein Loch davontrug. Bruni und sein Vorschoter Nando Colaninno mussten das Rennen aufgeben und in den Hafen zurückkehren. Die Protestverhandlung endete erwartungsgemäß damit, dass die Italiener eine Wiedergutmachung in Form des Durchschnittswertes ihrer bis dahin ersegelten Punkte erhielten. Damit lagen Bruni und Colannino zunächst auf Platz zwölf, müssen am Freitag um den Einzug ins Viertelfinale kämpfen.

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Das Loch im Starboot-Rumpf von Francesco Bruni: Zeuge der Kollision mit der Crew von Sime Fantela und Grund für eine Nachtschicht der Landmannschaft

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Nahaufnahme des ärgerlichen Schadens, der bei der Kollision zwischen den Crews von Francesco Bruni und Sime Fantela entstand

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Ein Helfer öffnet das Loch im Rumpf mit dem Messer noch etwas weiter, damit das eingedrungene Wasser besser abfließen kann

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Bei der via Facebook live übertragenen Pressekonferenz sorgten Frithjof Kleen und Robert Scheidt auch für heitere Noten

Der Hamburger Vorschoter Markus Koy liegt mit seinem Steuermann Pavlos Kontides vor den letzten Qualifikationsrennen am Freitag auf Platz 16. Dem Duo fehlen 22 Punkte bis zum rettenden zehnten Platz, der zum Viertelfinaleinzug berechtigt. Als jüngste und leichteste Mannschaft hatten sich der erst 17 Jahre alte italienische Junioren-Laser-Radial-Weltmeister Guido Gallinaro und der 24-jährige Kilian Weise vom Ammersee nach sieben Wettfahrten Platz 19 erkämpft und konnten sich damit nach den ersten beiden Dritteln der Vorrunde noch vor Spitzenseglern wie Sime Fantela, 470er-Weltmeister Kevin Peponnet oder Nacra-17-Weltmeister Ruggero Tita positionieren. Mit Rang acht im letzten Rennen des Tages hatte die in diesem Feld mit 174 Kilogramm leichteste Crew viele Experten beeindruckt. Bei der Pressekonferenz am Abend sagte Gallinaro, der sich bei der Pressekonferenz wie auf dem Wasser im Kreis prominenter Olympiasieger, America's-Cup-Gewinner und Weltmeister in olympischen Klassen wiederfand: "Für mich ist es verrückt, dass ich hier am Tisch sitzen darf. Und verrückt, dass ich in dieser Flotte segeln kann. Ich stelle mir die anderen einfach als normale Segler vor. Würde ich daran denken, wie viele Medaillen sie schon gewonnen haben, wäre alles aus."

Hier geht es zu den Ergebnissen.

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Zusammen jünger als viele ihrer prominenten Gegner allein: Guido Gallinaro (17) und Kilian Weise (24)

Tatjana Pokorny am 07.12.2018

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