Mini-6.50-Regatta

Biskaya statt Azoren: erstes Kräftemessen der Mini-Segler

72 Solosegler im Mini 6.50 segeln ihre erste Regatta der Saison – drei Deutsche sind dabei. Statt dem offenen Atlantik warten anspruchsvolle Etappen

Kristina Müller am 05.08.2020
SAS en Baie de Morlaix
Blanchard/SAS en Baie de Morlaix

Das neue Regattaformat ist der Corona-Pandemie geschuldet und führt die Mini-Segler statt zu den Azoren mehrfach über die Biskaya und den Ärmelkanal

Lange haben sie in dieser Saison auf den ersten Regattastart warten müssen – gestern war es endlich so weit: Am Dienstagmittag sind 72 Minis zu ihrem Corona-bedingt stark verspäteten Saisonauftakt gestartet. Und damit gleichzeitig zum ersten direkten Vergleich der Einhand-Segler auf dem Wasser, von denen viele im Herbst 2021 das Mini-Transat segeln wollen.

Drei Deutsche sind unter den Solisten, die um kurz nach 13 Uhr über die Startlinie vor Les Sables d’Olonne segelten: Lennart Burke (Pogo 3 "Vorpommern"), Melwin Fink (Pogo 3 "Maximum Sailing") und Lina Rixgens (Wevo 6.50 "Whomper").

SAS en Baie de Morlaix

Start vor Les Sables d'Olonne

Wie alle anderen Miniisten mussten sich auch die drei Deutschen in dieser eigentlich so wichtigen Vorbereitungssaison auf das große Atlantikrennen in gut einem Jahr vor allem in Geduld üben. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte die französische Klassenvereinigung Classe Mini einen Großteil der Frühjahresregatten absagen müssen. Die nun gestartete Regatta "Les Sables – Les Açores en Baie de Morlaix" ist die erste Klassenregatta der Saison und ein Ersatzformat für die Regatta Les Sables–Les Açores–Les Sables, die eigentlich zu den Azoren und zurück geführt hätte.

Drei Etappen statt Atlantik-Segeln

Wettfahrtleiter Denis Hugues erklärt: "Es war in diesem Sommer aufgrund der Auswirkungen der Gesundheitskrise nicht möglich, Horta auf der Azoreninsel Faial anzulaufen, was sehr schade ist." Als Alternativprogramm haben die Veranstalter aus Les Sables d’Olonne – wo im November auch die Vendée Globe starten wird – ein sehr spezielles Alternativprogramm erdacht. Statt einem langen Schlag zu den Azoren und einem weiteren zurück werden nun über mehrere Wochen verteilt drei Etappen gesegelt, die sich in Länge und Schwierigkeitsgrad steigern und quer über die Biskaya und den Ärmelkanal führen. 

"Ein bisschen ist es, als würden wir zum Solitaire du Figaro im Mini starten", sagte Skipper Tanguy Bouroullec kurz vor Beginn. Als Viertplatzierter im Proto-Classement beim Mini-Transat 2017 ist er als Favorit in dem aktuellen Feld gestartet, in dem sich die Segler noch schwer gegenseitig einschätzen können. "Man kennt noch nicht alle, es ist ja die erste Regatta des Jahres", so Bouroullec über die ungewöhnliche Situation.

Die Etappen: mehrfach über Ärmelkanal und Biskaya

Die erste Etappe führt die Mini-Segler derzeit von Les Sables d’Olonne nach Norden, um die Insel Belle Île herum und wieder zurück nach Les Sables. Sie sollte mit 197 Seemeilen ein flotter Auftakt werden, doch bisher lassen Flaute und schwacher Wind vermuten, dass die ersten Protos erst im Laufe des morgigen Donnerstags ankommen werden.

SAS en Baie de Morlaix

Etappe 1: Les Sables–Les Sables

Die zweite Etappe wird am 10. August ebenfalls in Les Sables d’Olonne starten, um den Felsen Wolf Rock bei Land's End am Südwestzipfel Englands führen und in Roscoff in der Bretagne am Ärmelkanal enden. Die dabei zu segelnden 470 Seemeilen inklusive zwei Ärmelkanal-Querungen dürften gerade die noch unerfahrenen Mini-Segler ordentlich fordern.

SAS en Baie de Morlaix

Etappe 2: Les Sables–Roscoff

In Roscoff an der Bucht von Morlaix startet Etappe Nummer drei am 19. August, führt wieder um den Wolf Rock, quer über die Biskaya um eine Boje kurz vor dem Hafen von Gijón in Nordspanien, hoch in die Südbretagne bei Concarneau und dann zum Zieleinlauf nach Les Sables d'Olonne. Mit insgesamt 970 Seemeilen Länge nähert sich die die Distanz dieser Etappe schon der von Frankreich zu den Azoren.

SAS en Baie de Morlaix

Etappe 3: Roscoff–Les Sables

Für einige Skipper der insgesamt 72 Boote ist es die erste Mini-Regatta überhaupt. "Für viele ist es ein Start ins Unbekannte", sagt Wettfahrtleiter Denis Hugues. "Entsprechend neugierig und zwangsläufig etwas gestresst waren viele vor dem Start."

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Kristina Müller am 05.08.2020

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