Segel-Bundesliga
Verkehrte Welt beim Bundesliga-Finale

Der YCBG kämpft gegen die drohende Relegation, der VSaW liegt im Kampf um den Vize-Titel zurück, und am Tabellenende geht die Angst um

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 01.11.2014

Lars Wehrmann/DSBL Wie ein Ballett unter Segeln: Bei flauen Winden lieferten sich die 18 Erstligisten spannende Positionskämpfe

Beim Erstliga-Finale in Hamburg wird in Serie gewackelt und gezittert: Jochen Schümanns Team vom Yachtclub Berlin-Grünau belegt nach dem zweiten von drei Regattatagen auf der Alster und einigen strittigen Entscheidungen nur Platz 14 und ist damit der drohenden Relegation einen Segeltag vor Saisonende der 1. Deutschen Segel-Bundesliga gefährlich nahe gekommen. Der Verein Seglerhaus am Wannsee, der mit dem Deutschen Touring Yacht-Club um die Vize-Meisterschaft ringt, kam nach den ersten beiden Renntagen auf der Hamburger Alster nicht über Platz 16 hinaus. VSaW-Steuerfrau Kathrin Kadelbach und ihr Team müssen sich am Schlusstag in den verbleibenden sechs Wettfahrten deutlich steigern, wenn sie Platz zwei in der Gesamtwertung noch erreichen wollen. Ganz stark präsentierte sich im Norden dagegen der Südverein Konstanzer Yacht Club mit Matchrace-Meister Tino Ellegast, Stefan Schneider, Arne Gülzow und Shosholoza-America's-Cup-Segler Alex Runciman. Der KYC des Südens führt das Klassement beim Schlussakkord in der Hansestadt nach neun Wettfahrten am Samstagabend vor dem Kieler Yacht-Club und dem Berliner Yacht-Club an. Der schon vorzeitig zum zweiten Mal in Folge zur deutschen Vereinsmeisterschaft gesegelte Norddeutsche Regatta Verein lag mit Steuermann Johannes Polgar nach zwei Dritteln der Regatta auf Platz vier.

Lars Wehrmann/DSBL Manchmal verliert man,  manchmal gewinnen die anderen: Für Jochen Schümanns Crew vom Yachtclub Berlin-Grünau verlief das Finale bislang nicht wunschgemäß

Lars Wehrmann/DSBL Starteten ganz entspannt ins Finale auf dem Heimatrevier Alster: Der Norddeutsche Regatta Verein ist schon Deutscher Meister

Bei Bilderbuchwetter, aber flauen Winden taten sich viele Crews schwer, ihren Rhythmus zu finden. So auch Jochen Schümann, der sich mit seiner routinierten YCBG-Crew zum Auftakt am Freitag selbst einige Fehler geleistet hatte und deswegen am Samstag angreifen wollte. Doch daraus wurde nichts, denn die Schümänner hatten gleich mehrfach Pech, das ihnen zeitweise den Spaß am Segeln verdarb. In einer Wettfahrt wurde eine Bahnveränderung angekündigt, als Schümanns führende Mannschaft nur noch eine Bootslänge vom Gate mit der Ankündigung entfernt war. Die Folge: nur Platz fünf für das Team in diesem Rennen. Der viermalige Olympiasieger und seine Crew nahmen die kritische Entscheidung jedoch ohne großes Murren auf und setzten weiter auf ihr Können. Wenig später allerdings brachte sie eine Entscheidung der Wettfahrtleitung doch in Rage. Nach einer Veränderung der vorgeschriebenen Shuttle-Zeiten für die Crews zwischen den Wettfahrten und einer missverständlichen Kommunikation waren sie zwar nach eigener Auffassung pünktlich, nach den neuen Vorschriften jedoch einige wenige Minuten später auf dem Steg als gefordert. Obwohl ein Shuttle-Boot vor ihrer Nase bereit lag, wurden die Berliner nicht mehr zur Wettfahrt gebracht. Die Wettfahrtleitung setzte ihr ausgehängtes Reglement minutiös durch, während sich die YCBG-Crew über "Paragraphenreiterei" und die "missverständlichen Situation" ärgerte und eine Wettfahrt aussetzen musste. Am späten Abend rückte die Wettfahrtleitung die Situation wieder gerade und gestand dem YCBG-Team für die verpasste Wettfahrt ein Mittel aus den bis dahin gesegelten Wettfahrten zu. Auf dem Wasser antworteten Schümann und sein Team nach der Zwangspause mit einem Wettfahrtsieg. Sechs Rennen bleiben dem Steuermann mit Ingo Borkowski, Heiko Seelig und Oliver Freiheit am Finaltag, um die Bilanz aus ihrer Sicht wieder zurechtzurücken.

Lars Wehrmann/DSBL Und Action: 18 Crews kämpfen beim Bundesliga-Finale in Hamburg mit jedem Handgriff um wichtige Liga-Punkte

Der Showdown am Sonntag auf dem Revier zwischen dem gastgebenden NRV und dem ebenfalls sehr engagierten Hamburger Segel-Club verspricht jede Menge Spannung. Kann der VSaW das Ruder noch herumreißen und den Deutschen Touring Yacht Club mit Steuermann Maximilian Weiss, Olympionik Patrick Follmann, Phil Binn und Luis Tarabochia auf dem Weg zur Vize-Vereinsmeisterschaft abfangen? Können Jochen Schümann und sein Team dem Relegationskampf entgehen? Gelingt dem Bayerischen Yacht-Club (nach zwei Tagen in Hamburg auf Platz 13) der direkte Klassenerhalt? BYC-Steuermann Ilja Wolf sagte auf die Frage nach den Chancen für sein Team: "Zwischenzeitlich mussten wir beatmet werden, doch inzwischen atmen wir wieder selbst."

Kaum realistische Chancen, dem direkten Abstieg zu entgehen, hat der Mühlenberger Segel-Club als Tabellenschlusslicht. Obwohl die jüngste Crew im Feld mit Steuermann Henry Peters (Deutscher Vize-Meister 420er), Alexander Goltz, Tom Luis Schönfeldt (Deutscher Jugendmeister 420er) und Mathias Grüning vor den letzten Rennen auf Platz zwölf liegt, erscheint der rettende Relegationsplatz 15 doch zu viele Punkte entfernt. Aufgeben werden die Youngster allerdings bis zuletzt nicht. Und wie immer es ausgehen wird: Sie sind Teil einer großen neuen Bewegung, die in Deutschlands Segelvereinen viel Energie und noch mehr Begeisterung freisetzt. Liga-Manager Jocky Hellmich sagte: "Die Projekte werden sehr ernst genommen, sind nicht mehr länger Spielplätze. Die Liga setzt eine riesige Euphorie in den Vereinen frei. Und das generationsübergreifend."

Hier geht es zur Live-Übertragung am Finaltag:

http://www.segel-bundesliga.de

Lars Wehrmann/DSBL Starker Auftritt einer ganz jungen Mannschaft: das MSC-Team beim Bundesliga-Finale


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