Segel-Weltmeisterschaft

Schwere Zeiten für die deutschen Segler in Aarhus

Wetterkapriolen wirbelten WM-Programm und Flotten am Mittwoch durcheinander. Auch Philipp Buhl musste einen Dämpfer wegstecken, denkt aber nicht ans Aufgeben

Tatjana Pokorny am 08.08.2018
Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018
Sailing Energy/World Sailing

Tina Lutz und Susann Beucke haben im WM-Revier von Aarhus zu kämpfen

Das German Sailing Team tut sich schwer bei der Weltmeisterschaft in der Bucht von Aarhus. Für die ersten drei Medaillenrennen der jeweils besten zehn Crews in den Klassen Finn, 470er Männer und 470er Frauen, die am Donnerstag ausgetragen werden, hat sich kein GER-Boot qualifizieren können. Auch die drei Nationentickets für die Olympischen Spiele 2020 gingen an andere Nationen. Sechs Punkte fehlten Fabienne Oster und Anastasiya Winkel vom Norddeutschen Regatta Verein zum Einzug ins Finale. Sie beendeten die Weltmeisterschaft als beste deutsche 470er-Frauencrew auf Platz 13. Weder die bei der Europameisterschaft mit Silber (Frederike Loewe/Anna Markfort) und Bronze (Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß) noch so erfolgreichen deutschen 470er-Seglerinnen noch die 470er-Herren konnten die erhoffte frühzeitige Nationenqualifikation für Tokio 2020 sicherstellen. Das gelang auch Phillip Kasüske vom Verein Seglerhaus am Wannsee nicht, obwohl der 23-Jährige mit einigen herausragenden Rängen und einem Tagessieg im Weltklassefeld der Finn-Dinghy-Segler auf Platz 15 segelte und damit die eigene Zielsetzung erreichte.

Sailing World Championships Aarhus 2018

Phillip Kasüske verabschiedet sich als WM-15. aus Aarhus

Am Mittwoch dann kassierte auch der bislang so vielversprechend agierende Hoffnungsträger Philipp Buhl bei seinem Gipfelsturm einen Dämpfer; ein K.-o.-Schlag aber war es noch nicht. Buhl kehrte am Abend nach dem neunten und einzigen Laser-Rennen des Tages in flauen Winden als 23. in den Hafen zurück. Zwar konnte der 28-jährige Sonthofener damit seinen sechsten Platz im Zwischenklassement verteidigen, doch sein großer Traum vom Weltmeistertitel ist in weite Ferne gerückt. Vor der auf Donnerstag verschobenen zehnten Wettfahrt trennen den deutschen Weltranglisten-Zweiten 30 Zähler von Spitzenreiter Pavlos Kontides (29 Punkte) aus Zypern. Sogar zu Platz drei, den ein Rennen vor dem am Freitag geplanten Medaillenfinale der australische Olympiasieger Tom Burton (34 Punkte) hält, fehlen Buhl 25 Punkte. Das Konto des Aktivensprechers des German Sailing Teams ist mit 59 Punkten belastet.

Segel-Weltmeisterschaft 2018 Aarhus

Nach vielen Stunden Flaute und sehr schwachen Winden fiel diese Front am frühen Abend über die Kurse her

Der Allgäuer denkt allerdings nicht ans Aufgeben, haderte nur kurz mit einem eigenen Fehler und den Rennabbrüchen am Dienstag und am Mittwoch: "Ich lag bei beiden abgebrochenen Rennen gut. Insbesondere der heutige Abbruch bei segelbaren vier Knoten war mir nicht ganz verständlich, das war schon wirklich viel Pech. In dem Rennen, was dann durchging, hatte ich mich am Start nicht ganz perfekt positioniert – mein Fehler. Für Theo Bauer ging einem Meter in Lee von mir alles auf, für mich leider nicht ganz. Da fehlten schon am Start ein, zwei Bootslängen." In das zehnte Rennen am Donnerstag startet Buhl noch einmal angriffslustig: "Ich muss optimistisch bleiben. Mit einem richtig guten Rennen kann ich den Anschluss an die Top Drei noch herstellen. Dann wäre im Medaillenrennen am Freitag einiges möglich."

Segel-Weltmeisterschaft 2018 Aarhus

Kämpft weiter: Philipp Buhl im Laser

Die sonst so starken Leistungsträgerinnen der deutschen 49erFX-Teams, deren Flotte am Mittwoch als einzige drei Wettfahrten unter komplizierten Bedingungen absolvieren musste, fanden auch weiter nicht zu ihrer Form. Tina Lutz und Susann Beucke aus Kiel konnten sich zwar in den fragilen drehenden Winden mit den Rängen 25, 16 und 12 über den Tag steigern, segeln aber bei dieser Weltmeisterschaft nicht so zwingend, wie sie es bei ihrem EM-Triumph 2017 oder auch als Kieler-Woche-Zweite in diesem Jahr schon gezeigt haben. Noch schwerer tun sich im dänischen WM-Revier die Vize-Europameisterinnen udn Weltranglisten-Vierten aus Berlin: Vicky Jurczok und Anika Lorenz, Olympia-Neunte in Rio, fehlt das WM-Erfolgsrezept. "Ich habe dafür keine Erklärung", sagte Steuerfrau Jurczok, "inzwischen bin ich so verunsichert, dass ich meinen eigenen Entscheidungen nicht mehr wirklich traue." Dass in den kaum berechenbaren Winden auch Teams wie die brasilianischen Olympiasiegerinnen Martine Grael/Kahena Kunze und die Rio-Silbermedaillen-Gewinnerinnen Alex Maloney/Molly Meech am Mittwoch mehrfach schwer daneben griffen, tröstet die deutschen FX-Seglerinnen nicht. "Wir hatten uns das hier ganz anders vorgestellt", sagte Jurczok. Die aktuell stark gefährdete vorzeitige Nationen-Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 im Frauen-Skiff bereiten Jurczok aber keine Sorgen: "Die sichern wir. Wenn nicht hier, dann eben später." Bei diesen Worten blitzte ihr Kampfgeist auf, an dem Platz 29 im WM-Zwischenklassement schwer nagt. Auch Tina Lutz und Susann Beucke sind mit Platz 21 nach neun Wettfahrten alles andere als zufrieden. Was sie am Donnerstag besser machen können? "Einfach nur gut segeln", sagte Susann Beucke.

Segel-Weltmeisterschaft 2018 Aarhus

Die Österreicherinnen Tanja Frank und Lorena Abicht führen das 49er-Klassement nach gelungenem Tag an

Segel-Weltmeisterschaft 2018 Aarhus

Vicky Jurczok und Anika Lorenz finden vor Aarhus nicht in ihren gewohnten Rythmus und kassieren Platzierungen wie seit Jahren nicht mehr

Nicht zum Zuge kamen am Mittwoch die bislang überzeugend agierenden deutschen 49er-Segler. Ihr gestern erst am frühen Abend nach langer Wartezeit ausgetragenes erstes Rennen des Tages wurde aufgrund unfairer Windbedingungen wieder abgebrochen. Da waren die Rio-Bronzemedaillengewinner Erik Heil und Thomas Plößel gerade in der Spitzengruppe über den Kurs gerast. Für sie geht es heute im Kampf um den Einzug ins Medaillenfinale weiter. Als Dritte und Neunte starten Tim Fischer/Fabian Graf und Erik Heil/Thomas Plößel ab Donnerstagmittag in die Hauptrunde. Als 25. haben sich die Kieler Justus Schmidt und Max Boehme nach ihrem verpatzten Auftakt trotzdem den Sprung ins Medaillenfinale zum Ziel gesetzt.

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Tatjana Pokorny am 08.08.2018

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