Segeln olympisch

"Richtig oder falsch?"

Für das German Sailing Team fällt heute der Startschuss zur ersten Weltcup-Regatta des Jahres. Wie gut ist die Frühform der insgesamt 20 deutschen Teams?

Tatjana Pokorny am 29.01.2019
Weltcup-Regatta Miami 2019
Jesus Renedo

Das mit Spannung erwartete vorolympische Jahr beginnt für das German Sailing Team mit der ersten Weltcup-Regatta vor Miami. Das Kräftemessen mit der europäischen und der gestählten Übersee-Konkurrenz wird erste Aufschlüsse darüber gehen, wo die deutsche Segelnationalmannschaft und ihre Leistungsträger eineinhalb Jahre vor den Olympischen Spielen 2020 stehen. Viele DSV-Kaderteams haben die Wintersaion zum Training in Übersee genutzt. Etwa der WM-Dritte Philipp Buhl vom Segelclub Alpsee-Immenstadt, der sich in Australien und Neuseeland auf die Saison 2019 vorbereitet hat und heute früh das Motto für den Weltcup-Auftakt formulierte: "Die erste Regatta des Jahres beginnt heute in Miami. Zeit zu checken, ob das gute Gefühl infolge meiner Segeleinsätze zu Jahresbeginn richtig oder falsch ist." Der kurz vor Weihnachten 29 Jahre alt gewordene Laser-Steuermann hat sich wie üblich ehrgeizige Ziele gesteckt: "Ich will gut in die Saison reinkommen und Richtung Medaille segeln."

Weltcup-Regatta Miami 2019

Philipp Buhl trainiert für die Weltcup-Regatta vor Miami. Der 29-jährige Weltranglisten-Zweite und WM-Dritte will auch im US-Revier um eine Medaille kämpfen

Weltcup-Regatta Miami 2019

Justus Schmidt und Max Boehme

Etwas mehr Arbeit als die meisten deutschen Teamkameraden hatten die Kieler 49er-Segler Justus Schmidt und Max Boehme vor dem Start zu erledigen. Sie hatte nach dem Zufallsprinzip das Los getroffen, mit ihrer Highperformance-Jolle in die Vorab-Vermessung zu müssen. "Also mussten wir unser Boot am Tag vor dem Start einmal in seine Einzelteile zerlegen, auf die Waage packen und dann wieder alles zusammenbauen." Heute ist auch die Crew vom Kieler Yacht-Club startklar und fühlt sich fit. Steuermann Schmidt sagte: "Wir lagen bei den vorgeschalteten 'Midwinters' im Revier hier vor Miami bis zum letzten Tag auf Platz zwei, haben uns dann bei drehenden Winden noch ganz schön was reingedrückt. Insgesamt aber fühlen wir uns bereit und freuen uns auf die erste große Regatta des Jahres. Wir sind mit 40 Booten ein vergleichsweise großes Feld. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht gleich beim Start dicke Dinger reinwürgt. Das geschieht schneller, als man schauen kann. Wenn wir es vernünftig hinkriegen, sollten wir in den Top Ten segeln. Klappt das, können wir auch nach ganz vorn durchstarten." 

Weltcup-Regatta Miami 2019

Erst die Arbeit, dann…

Weltcup-Regatta Miami 2019

Erik Heil (r.) und Thomas Plößel

Mit im Spiel sind auch die Olympia-Bronzemedaillengewinner Erik Heil und Thomas Plößel, die aufgrund iher Studienverpflichtungen immer noch nicht wieder voll trainieren konnten. Vier Monate fast ohne Segeln müssen die beiden erfahrenen Berliner wegstecken. "Da fehlt es noch an ein paar Ecken und Kanten. Manchmal merkt man das in stressigen Situationen", räumt Steuermann Heil freimütig ein. Das Erfolgs-Duo war vor zehn Tagen in Miami angekommen und trainiert seitdem im Weltcup-Revier. Dabei hat die Crew vom Norddeutschen Regatta Verein aber auch einige positive Erkenntnisse auf der Haben-Seite: "Unser Bootsspeed ist wirklich gut. Am letzten Tag der Vor-Regatta konnten wir zwei Top-Zwei-Platzierungen einfahren. Es wird!"

Weltcup-Regatta Miami 2019

Die 49er-Crew Erik Heil und Thomas Plößel im Training vor Miami

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Tim Fischer und Fabian Graf

Auch die WM-Dritten im 49er, Tim Fischer und Fabian Graf, starten unter nicht ganz einfachen Vorzeichen in den Weltcup. Die jungen Bronzemedaillen-Gewinner gehen mit zuletzt "wenig bis fast keiner Zeit auf dem Boot" in die Rennen, sind aber trotzdem optimistisch. Eine Sprunggelenks-Verletzung von Vorschoter Fischer im rechten Fuß ist so gut wie auskuriert. Man wolle aber lieber "erst einmal tiefstapeln", so Fischer, der andererseits nach den Trainingstagen in Miami feststellen konnte, dass diese "sehr vielversprechend" liefen.

Am Start sind auch die Miami-Titelverteidigerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz. Die Berliner 49erFX-Seglerinnen haben nach der für sie enttäuschend gelaufenen Weltmeisterschaft in Aarhus im vergangenen Jahr hart gearbeitet, um wieder an ihre Top-Form anknüpfen zu können. Im 470er-Feld der Damen kämpfen mit Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß, Frederike Loewe/Anna Markfort und Fabienne Oster/Anastasiya Winkel gleich drei Teams um einen gelungenen Saisonauftakt. Oster sagte: "Wir nutzen den Weltcup als Regatta, um zu sehen, wie weit wir mit unseren Vorbereitungen bislang gekommen sind." Bei den Herren wollen die Kaderteams Malte Winkel/Matti Cipra und Simon Diesch/Philipp Autenrieth unter der Regie ihres neuen Trainers Tytus Konarzewski idealerweise in die Top Ten segeln. Malte WInkel sagte: "Wir fühlen uns optimal auf den Weltcup vorbereitet. Da es der erste große Wettkampf in diesem Jahr ist, muss man erst einmal schauen, wie gut man sich in dem starken Feld zurechtfindet. Ziel für uns ist es, an unsere Leistungen aus dem letzten Jahr anzuknüpfen und uns für das Medal Race zu qualifizieren. Gerade die Japaner haben im letzten Jahr deutlich an Leistung zugelegt. Bei uns steht auch die Eingewöhnung und Findungsphase mit unserem neuen Trainer Tytus Konarzewski im Vordergrund."

Viel vorgenommen haben sich auch die Finn-Segler Phillip Kasüske und Max Kohlhoff, deren Disziplin nach den Olympischen Spielen 2020 nicht mehr olympisch sein soll. Die beiden deutschen Segler müssen in dieser Saison – wie auch einige andere Teamkollegen – um die Nationenqualifikation für die olympische Regatta in Enoshima ringen und im Erfolgsfall um die individuelle Qualifikation kämpfen.

Vielversprechend agiert hatten trotz diverser Widrigkeiten bereits im vergangenen Jahr die deutschen Nacra17-Mannschaften. Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer und Johannes Polgar/Carolina Werner erwarten den ersten Startschuss vor Miami in bester Angriffslaune, auch wenn Kohlhoff/Stuhlemmer aufgrund anderer Vepflichtungen erst kurz vor dem Regattastart ankamen.

Weltcup-Regatta Miami 2019

Konnten erst spät anreisen, präsentierten sich aber in bester Regattalaune: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer mit einer Akrobatik-Einlage beim Training vor Miami

Weltcup-Regatta Miami 2019

So schön kann Training sein: Johannes Polgar und Carolina Werner im Nacra 17

Tatjana Pokorny am 29.01.2019

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online