Olympia 2012
Zum Auftakt Held vom Mittelfeld

Zum Jubelstart hat es nicht gereicht, aber der achte Platz von Robert Stanjek und Frithjof Kleen nach zwei Rennen nährt Hoffnung auf mehr

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 29.07.2012

onEdition Überraschend Spitzenreiter nach dem ersten Tag: der dänische Finn-Dinghi-Segler Jonas Hogh-Christensen

So schön waren die Bilder, so mitreißend der Anblick: Fast zwei Drittel ihres ersten Olympiarennens dominierten Robert Stanjek und Frithjof Kleen die Flotte der 16 Starboote mit bis zu rund 100 Metern Vorsprung. Doch dann kam ihnen ein 30-Grad-Dreher in die Quere, mit dem sich vor allem die Franzosen Xavier Rohart und Pierre-Alexis Ponsort von Platz 15 auf Platz ein verholten. Vier weitere Mannschaften überholten das Boot mit der schwarz-rot-goldenen Flagge im Segel noch, bevor auch die jüngste Starboot-Mannschaft des Felds die Ziellinie erreichte. Platz sechs zum Auftakt – das konnte sich sehen lassen. Und so sollte es auch weiter gehen.

Doch die Berliner verpatzten ihren zweiten Start gründlich. Eine quälende Runde lang jagten sie dem Feld als 15. und Vorletzte hinterher, bevor ihre furiose Aufholjagd endlich fruchtete. Bis auf Rang 9 konnte sich das Duo noch vorarbeiten. In der Gesamtwertung belegten die Männer vom NRV Olympic Team und dem Verein Seglerhaus am Wannsee am Abend ihrer Olympia-Premiere Platz 8. "Damit sind wir vorerst Held vom Mittelfeld", sagte Frithjof Kleen mit einem Augenzwinkern, "aber im Ernst: wir sind eigentlich ganz zufrieden. Dass man von der Spitze auf Rang sechs zurückfällt, kann passieren. Es war nicht möglich, alle Verfolger zu decken. Wenn die dann auch noch einen 30-Grad-Dreher kriegen und sich beispielsweise die Franzosen dadurch von Rang 15 an die Spitze verholen, dann kann man dagegen wenig ausrichten. Natürlich freut man sich nicht überschwenglich, wenn man so lange führt und dann noch Sechster wird."

tati Frithjof Kleen in der Mixed Zone im Olympiahafen

Auch den neunten Platz im zweiten Rennen wollte Kleen nicht negativ bewerten. "Ja, unsere Starts waren heute mittelmäßig. Und das gilt noch mehr für die zweite Wettfahrt. Dass wir aber von 15 auf 9 vorfahren konnten, dass gibt uns für die kommenden Tage ein gutes Gefühl. Wir wissen, dass wir schnell sind." DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, Deputy Chef de Mission für die Segler in Weymouth, sagte: "Wir haben heute gesehen, wozu die Mannschaft imstande ist. Wir vertrauen den Seglern und glauben, dass da noch einiges drin ist."

onEdition Iain Percy und Andrew Simpson: protestierten gegen die Wettfahrtleitung

Ihrem Ruf als Top-Favoriten im Starboot machten am Sonntag die beiden bereits mit jeweils zwei Goldmedaillen dekorierten Steuerleute Iain Percy und Robert Scheidt alle Ehre. Zwar hatten Percy und sein Vorschoter Andrew "Bart" Simpson in der ersten Wettfahrt mit Rang 11 noch gepatzt, während Scheidt mit Rang 4 solide punktete, doch schon im zweiten Durchgang kam es zum ersten spektakulären Säbelrasseln. Um die Führung ringend, lieferten sich Robert Scheidt und Bruno Prada ein packendes Duell mit Percy und Simpson, in dem bis ins Ziel keine Crew einen Millimeter verschenkte. Am Ende entschied im Fotofinish ein Vorsprung von weniger als einer Sekunde – auf den Ergebnislisten mit "0:00" angegeben – über den Sieg zugunsten der Südamerikaner, die das Klassement nach dem ersten Tag vor den Iren Peter O'Leary und David Burrows und den Engländern anführen. Weil aber die Entscheidung über Platz eins und zwei in diesem zweiten Rennen mehrfach geändert wurde und zwischenzeitlich auch Iain Percy und Andrew Simpson als Sieger in den Listen standen, wurde es dem Briten zu bunt: Er reichte Protest gegen die Wettfahrtleitung ein. Geladener Zeuge: Robert Scheidt. Anhörung und Entscheidung standen am Abend noch aus.

Für Diskussionsstoff sorgte unter den Seglern auch die Positionierung von vier Kilogramm schweren TV-Kameras oder entsprechenden Dummies an Bord der Boote. "Sie werden teilweise so angebracht, dass sie bei Manövern tatsächlich stören können", wusste Finn-Dinghi-Coach Luca Devoti zu berichten. Auch die deutschen Segler glaubten, diese Kameras bei einigen Konkurrenten schon während der ersten Wettfahrt nicht mehr gesehen zu haben. Uups – aus Versehen über Bord gegangen? Mögliche Proteste gab es dazu bislang aber nicht.

Ohne deutsche Beteiligung absolvierten die Finn-Dinghi-Segler ihre ersten beiden Wettfahrten am Sonntag, deren Ergebnisse in der Spitzengruppe beide Male erstaunlich deckungsgleich ausfielen: Jonas Hogh-Christensen wies überraschend zweimal Englands Segelstar Ben Ainslie in die Schranken, gewann beide Rennen vor dem Briten und dem Kroaten Ivan Kljakovic-Gaspic. Hogh-Christensen sagte nach seinem Auftakt-Coup: "Auf dem zuschauerfreundlichen Kurs vor der Festungsanlage The Nothe habe ich mich wie ein Fußballspieler gefühlt, der in ein Stadion einläuft". Auch sei er durchaus bereit, so der Däne lächelnd, den Olympiarekord seines Landsmannes Paul Elvström (4 x Gold) gegen Top-Favorit Ainslie zu verteidigen, der Elvström mit einer weiteren Goldmedaille vom Thron des besten Olympiaseglers aller Zeiten stoßen könnte. Ainslie selbst kommentierte seine beiden zweiten Ränge mit trockenem Humor: «Ich war schon besser, aber entscheidend ist ja, wie man eine Regatta beendet.»

Mit dem zweiten Tag steigen am Montag drei weitere deutsche Crews in die Olympia-Regatta ein: Laser-Steuermann und Hoffnungsträger Simon Grotelüschen aus Lübeck, Laser-Radial-Steuerfrau Franziska Goltz aus Schwerin und die Kieler 49er-Crew Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann starten in ihre Olympia-Premiere.


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Themen: Frithjof KleenIain PercyOlympiaRobert ScheidtRobert StanjekWeymouth

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