Olympia 2012
"Wir sind stolz auf unsere Surfer"

Kathrin Kadelbach und Rike Belcher haben das Medaillenfinale der 470er Frauen erreicht. Ehemann Matthew Belcher segelt am Donnerstag um Gold

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 08.08.2012

Marina Könitzer Nach den Rennen ist vor dem Finale: Kathrin Kadelbach und Rike Belcher

Die deutschen Segler werden ohne Medaillen aus Weymouth zurückkehren. Das steht seit heute fest. Kathrin Kadelbach aus Berlin und Rike Belcher aus Hamburg haben in den letzten beiden Rennen mit Risiko um eine letzte Chance auf Edelmetall gekämpft, wurden aber nicht belohnt. Einen Frühstart samt Einzelrückruf in Wettfahrt neun büßten die Damen aus Berlin und Hamburg mit Rang 14 im Ziel. Und auch das letzte Rennen vor dem Finale lief nicht nach Wunsch. "Da war zu viel Verkehr heute auf dem Kurs, an dem wir einfach nicht vorbeikamen", sagte Rike Belcher. Kathrin Kadelbach erklärte: "Wir wollten angreifen. Das bringt natürlich das Risiko eines Frühstarts mit sich. Und dann gab es einen Einzelrückruf. Wir sind sofort zurückgefahren und waren tatsächlich auch die einzigen Frühstarter."

Marina Könitzer Vom Wasser in den Olympiahafen: Kathrin Kadelbach und Rike Belcher

"Wir haben hier nicht ganz unseren Rythmus gefunden und sind vor allem heute deutlich unter unseren Möglichkeiten geblieben", ärgerte sich Kadelbach zum Ende der Serie, "einige Teams sind heute sehr radikal über den Kurs gesegelt." Auch Rike Belcher haderte mit dem Abschluss der Serie vor dem Medaillenfinale der 470er-Damen am Freitag ab 14 Uhr deutscher Zeit: "Wir sind schon ein wenig enttäusch und frustriert, denn eigentlich waren das heute unsere Bedingungen. Wir wollten eigentlich angreifen und zwei schöne Rennen segeln." Dabei hatten Kadelbach/Belcher tags zuvor mit den Rängen fünf und sechs noch erfolgreich aufgeholt und losen Kontakt zur Spitzengruppe hergestellt.

In einer ersten Bilanz erinnerte Kathrin Kadelbach aber auch an die vielen schönen Momente ihrer Olympia-Premiere: "Wir sind so stolz auf unsere Surfer. Und wir hätten ihnen die Medaillen so gegönnt. Moana, Toni und Pierre waren eine tolle Bereicherung für unser Team. Die Atmosphäre im deutschen Haus im Olympischen Dorf war super - wir sind jeden Tag als Team weiter zusammengewachsen." Auch Rike Belcher sagte: "Es war eine Erfahrung, die ich auf gar keinen Fall missen möchte."

onEdition Hier noch vor Dänemark, am Mittwoch aber der Finnin Silja Lethinen unterlegen und im Viertelfinale überraschend ausgeschieden: US-Star Anna Tunnicliffe und ihr Team

Anna Tunnicliffe würde ihre heutige Erfahrung gern missen. Die Laser-Radial-Olympiasiegerin von 2008 und Top-Favoritin im Match Race der Frauen schied am Mittwoch im Viertelfinale überraschend gegen das Team der jungen Finnin Silja Lethinen aus. Die Halbfinalisten der Duellseglerinnen kommen aus Australien, Finnland, Spanien und Russland.

Während die deutschen 470er-Damen für ihr Finale am Freitag "nun nichts mehr zu verlieren haben" und nochmals angreifen wollen, werden sie morgen von Land aus gespannt das Medaillenrennen der 470er Männer verfolgen. Als Spitzenreiter startet Friederikes australischer Ehemann Matthew Belcher in den halbstündigen Kampf der besten zehn Teams um die Medaillen. Belcher und sein Vorschoter Malcolm Page nehmen mit insgesamt 18 Punkten einen Vier-Punkte-Vorsprung vor ihren britischen Jägern Luke Patience und Stuart Bithell mit in das wichtigste Rennen ihrer Karriere. Belcher sagte vor dem Showdown: "Wir sind nur für eine Farbe hier. Es ist fantastisch, in dieser Position zu sein, aber man weiß nie. Wir segeln gut, aber wir hätten liebend gern noch mehr Vorsprung." Luke Patience antwortete gelassen: "Wir segeln hier bislang die Regatta unseres Lebens. Es sind unsere ersten Olympischen Spiele, und wir haben eine Medaille bereits sicher. Aber wir sind nicht hergekommen, um Silber zu gewinnen. Gold liegt im Bereich unserer Möglichkeiten." Sein Vorschoter Stuart Bithill sagte: "Es wird ein Kopf-an-Kopf-Duell. Wir haben keine Angst vor den Australiern. Sie sind nur großartige Regattasegler."

Marina Könitzer Holten das zweite Gold für Australien nach Lasersegler Tom Slingsby: Nathan Outteridge (r.) und Iain Jensen

Das zweite Segel-Gold sicherten bereits am Mittwoch die 49er-Segler Nathan Outteridge und Iain Jensen für Australien. Damit schickt sich Down Under an, die top-favorisierten britischen Gastgeber in der Nationenwertung auf ihrem Heimatrevier zu düpieren. Silber sicherten sich im 49er die Neuseeländer Peter Burling und Blair Tuke. Den Kampf um Bronze entschieden im Medaillenfinale Allan Norregaard und und Peter Lang aus Dänemark für sich. Die Kieler Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann hatten den Einzug in das Medaillfinale der besten zehn Crews als Elfte knapp verpasst.

Marina Könitzer An Feuer mangelte es den deutschen Seglern weder an Land noch auf dem Wasser

Bei ihrer 22. Teilnahme an einer olympischen Regatta gingen die deutschen Segler in England zum siebten Mal leer aus. Zuletzt hatte es vor acht Jahren in Athen eine «Nullnummer» gegeben. Damals allerdings patzten erfahrene Segler wie Roland Gäbler ("Das war die schlechteste Regatta meines Lebens") oder Alex Hagen. In diesem Jahr hingen die Medaillen für eine olympisch unerfahrene junge Mannschaft einfach nur ein kleines bisschen zu hoch. Wie sagte so schön Simon Grotelüschen? "Es hat ja nur ein bisschen nicht geklappt." Bis 2016 soll sich das ändern.


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Themen: 470erBelcherGrotelüschenKadelbachOlympiaTunnicliffeWeymouth

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