Segeln olympisch
Weltmeister Philipp Buhl: zuversichtlich auf der Zielgeraden

Deutschlands erfolgreichster Lasersegler ist gut drauf und in aller Munde: Aktuell wird der Allgäuer im deutschen Norden geehrt, genießt gute Tage in Hamburg

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor einem Monat
Philipp Buhl Philipp Buhl Philipp Buhl

tati Philipp Buhl

tati Philipp Buhl

Er lacht gerade viel und gerne und ist gut drauf: Philipp Buhl ist seit ein paar Tagen in Hamburg bei seiner Freundin Sophia und genießt das Gastspiel im Norden. Dafür gibt es viele schöne Gründe. Nach der Auszeichnung zum Segler des Jahres 2020 ist der 31-jährige Laser-Dynamo aus dem Allgäu nun auch bei der Sportgala der Hansestadt einer der Kandidaten. Hier küren die Stadt Hamburg und das Hamburger Abendblatt mit Partnern aus Wirtschaft, Medien und Sport seit 16 Jahren die erfolgreichsten Athleten der Elbmetropole und der Hamburger Vereine. Buhl ist neben Ruder-Ass Torben Johannesen und Boxer Peter Kadiru einer von drei starken Nominierten. Der Live-Stream der Gala ist am 13. April hier von 19 bis 20 Uhr zu finden (bitte anklicken!) .

Laser-Steuermann Buhl, der seinen heimischen Segelclub Alpsee-Immenstadt am Großen Alpsee in Bayern ebenso schätzt wie seine 2017 dazugewählte Hamburger Clubheimat, den Norddeutschen Regatta Verein, kann auch bei der Hamburger Wahl zu den Sportlern des Jahres mit seinem historischen WM-Titel imposantes Gewicht in die Waagschale werfen. Mit dem Anfang 2020 gewonnenen WM-Gold hatte sich Buhl kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie nicht nur selbst einen seiner beiden großen Lebensträume erfüllt, sondern auch den hiesigen Segelsport nach über zwei Jahrzehnten vom Trauma der WM-Titellosigkeit der deutschen Olympioniken erlöst. Die Früchte dafür erntet er jetzt als willkommene Motivationsschübe auf der Zielgeraden auf Kurs Enoshima. Im Sommer will Philipp Buhl in Japan um eine Olympia-Medaille kämpfen.

German Sailing Team / Lars Wehrmann Philipp Buhl liebt das Lasersegeln, weil der Wettkampf "erbarmungslos und ehrlich" ist

tati Heimatverbundener Allgäuer mit Hang zu Hamburg: Philipp Buhl an der Alster

Trotz der grandiosen Vorleistungen wird der Weg aufs Olympia-Podest für Buhl im 4,19 Meter langen Laser kein Spaziergang werden. Die internationale Spitzengruppe in der Einhandjolle ist eng besetzt und stark umkämpft. Neun Wegbegleiter und Rivalen zählt Buhl in diesem Sommer zu den Medaillenkandidaten – ihn selbst eingerechnet. Das war in seiner Kindheit noch nicht absehbar. Vater Friedl Buhl hatte den Sohn früh mit auf seinen Flying Dutchman auf den idyllischen Großen Alpsee mitgenommen. "Ich war gerne auf Booten, wurde nie zu etwas gedrängt. Wir hatten keine Handys und keine Sorgen. Wir haben Baumhäuser und Staudämme gebaut und hatten vor allem Spaß auf dem Wasser und in den Bergen", erinnert sich der mit zwei Schwestern aufgewachsene bayerische Segel-Stürmer an die unbeschwerte Zeit. Der einst pausbäckige Junge war parallel zum Segelvergnügen ein talentierter Skirennläufer mit strammen Oberschenkeln, die heute noch beim Segeln gute Dienste leisten. Schließlich aber musste er sich entscheiden. Buhl wählte Wind und Wellen: "Ich war ein besserer Segler als Skiläufer. Und besser sein macht ja mehr Spaß."

Der Video-Clip ist von 2017, aber aktueller denn je. Für Philipp Buhl war die Produktion optisch und musikalisch ein Herzensprojekt

John West / Laser Worlds 2020 Dieses WM-Bild ist mit seiner starken Symbolkraft in Erinnerung geblieben: Philipp Buhl in der Phillip Bay vor Melbourne auf WM-Titelkurs

tati Feierten ihre Erfolge gemeinsam im NRV: Philipp Buhl (WM-Gold 2020) sowie das olympische 49er-Duo Erik Heil/Thomas Plößel (WM-Silber 2019, WM-Bronze 2020)

Team Buhl Starkes Trainings-Trio: Nik Aron Willim, Philipp Buhl und DSV-Trainer Alex Schlonski

Bis heute schöpft Philipp Buhl bei Besuchen daheim in den Bergen gerne Kraft. Friedl Buhl, der seinen Sohn Philipp als "sehr guten Autodidakten" beschreibt, hat ihn an die nationale Spitze herangeführt, bevor Landes- und Bundestrainer hinzukamen. Von seinem Vater habe er vor allem gelernt, "alles, aber auch wirklich alles zu hinterfragen". Heute trainiert der 1,87 Meter große Sportler in Regie des Rostockers Alex Schlonski. Mitglied im NRV Olympic Team ist Buhl als Top-Athlet und Antreiber im Olympia-Kader des Deutschen Seglerverbandes (DSV) aus Überzeugung: "Ich finde den Aufbau des Sponsorennetzwerks, die gezielte Förderung der Athleten im NRV Olympic Team und die Vernetzung der Segler mit Spitzenleuten wie Olympiasieger Mathew Belcher im 470er sehr gelungen. Ich habe bei der Bundeswehr erlebt, wie sinnvoll der interdisziplinäre Austausch unter Spitzensportlern sein kann." Weil auch in diesem Jahr schon eine Reihe von großen Regatten Corona-bedingt abgesagt werden mussten, trainiert Buhl nach intensiven Trainingslagern mit seiner internationalen Trainingsgemeinschaft in Südeuropa auch wieder vermehrt am Bundesstützpunkt Segeln des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) in Kiel. Nach der Absage einer weiteren Regatta im Olympiarevier hält Buhl es aktuell auch für möglich, sich in Vorbereitung auf den olympischen Gipfelsturm mit dem jungen deutschen Sparringspartner Nik Aron Willim und dem gemeinsamen DSV-Coach Alex Schlonski im Kieler-Woche-Heimatrevier vorzubereiten statt internationale, schwieriger planbare Last-Minute-Trainingscamps zu absolvieren.

privat Philipp Buhl schließt einen der Container, den das German Sailing Team nach Enoshima schickt. Von ihm stecken ein Laser, eine Matraze ("Für die gute Regeneration verlasse ich mich lieber nicht auf die dünnen japanischen Futonbetten") und zwei Fahrräder drin

tati Seit rund zehn Jahren bei der Bundeswehr in Appen bei Hamburg beheimatet: Hauptbootsmann Philipp Buhl, hier mit DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner

Die Pandemie, die so vielen so vieles abfordert, hat ihn nicht von seinem Kurs abgebracht. "Leistungssport mit Herzblut und Förderung betreiben zu dürfen", sagt Buhl, empfinde er auch weiterhin als "erfüllend und als Privileg, aktuell vielleicht sogar noch etwas mehr als sonst." Der Laser ist für seinen Meister das perfekte olympische Sportgerät: "Mich reizt der erbarmungslose Wettbewerb auf Augenhöhe. Der Laser ist eine extrem ehrliche Disziplin, in der es nicht um technische Vorteile, sondern das reine Segelkönnen geht." Bei Olympia erhalten die Lasersegler gestellte baugleiche Jollen, die ihnen zugelost werden. Weder diesbezüglich noch sonst ist Philipp Buhl abergläubisch. "Ich bin ziemlich rational unterwegs – auf einer Skala von eins bis zehn etwa bei neuneinhalb", sagt er mit funkelnden braungrünen Augen, die seine Freunde lieben und seine Gegner fürchten. Rivalen wissen sein so charmantes Lächeln zu deuten: Sie dürfen zwar jederzeit mit Buhls Fairness, nicht aber mit sportlichem Erbarmen rechnen. Olympisch abgerechnet wird in diesem Sommer für die Lasersegler ab 25. Juli im japanischen Revier von Enoshima. Das finale Medaillenrennen steigt am 1. August. Dieses Mal will der amtierende Weltmeister darin eine glänzende Rolle spielen. Angst vor einem zweiten "Waterloo" wie bei der olympischen Premiere 2016 hat er nicht. Davor bewahrt ihn vor allem das gewonnene WM-Gold, das ihm niemand mehr nehmen kann.

tati In Hamburg zu Gast, Olympia im Visier: In 108 Tagen fällt für Philipp Buhl am 25. Juli der erste olympische Startschuss vor Enoshima


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Themen: EnoshimaOlympiaPhilipp Buhl

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