Segeln olympisch
Von "Wonder Kids" zu Olympioniken

Porträtserie Teil 3: Paul Kohlhoff und Carolina Werner starten als jüngste Mannschaft in die olympische Premiere der 20 Nacra-17-Katamarane

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 02.08.2016

Sailing/Energy/Pedro Martinez Eine typische Szene: Paul Kohlhoff steuert den Nacra 17 und Carolina Werner agiert als Vorschoterin

Als Paul Kohlhoff und Carolina Werner vor zwei Jahren bei der Kieler Woche erstmals ins öffentliche Rampenlicht segelten, waren sie fast die einzigen, die an ihre olympische Chance für 2016 glaubten. Die weite Mehrheit der Experten hatte zwar das Talent der Mixed-Crew vom Kieler Yacht-Club erkannt, das damals noch sehr junge Duo aber doch eher für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 auf der Liste. Nun haben sie es trotz einiger Rückschläge in der nationalen Ausscheidung geschafft und sind Teil der olympischen Premiere der Katamarane vom Typ Nacra 17. 20 Teams aus ebenso vielen Nationen kämpfen um die Medaillen. Paul Kohlhoff, 21, und Carolina Werner, 22, sind die Jüngsten. Sie haben wenig zu verlieren und alles zu gewinnen.

Paul Kohlhoff und Carolina Werner stellen sich und ihre Erwartungen und Träume für die olympische Regatta vor Rio de Janeiro vor.

STG/Lars Wehrmann Paul Kohlhoff und Carolina Werner

Auf dem Weg in die Weltspitze der neuen olympischen Mixed-Disziplin hatte und hat das Kieler Team neben eigenem Können und enormer Willenskraft viel nennenswerte Unterstützung. Engagierte Eltern, den heimatlichen Kieler Yacht-Club, starke Trainer wie Mark Bulkely, Partner und Unterstützer im Hintergrund, Mentor und Berater Marc Pickel, das Audi Sailing Team Germany und der Deutsche Segler-Verband haben den Aufstieg der "Wonder Kids" zu ernsthaften Olympioniken beflügelt. Paul Kohlhoff sagt deshalb: "Wir hoffen, dass wir bei den Olympischen Spielen mit guten Leistungen etwas von dem Vertrauen zurückgeben können, das in uns gesetzt wurde."

privat Alles begann im 29er, in dem Paul Kohlhoff und Carolina Werner erstmals zusammen in einem Boot saßen und an Regatten teilnahmen

Der smarte Steuermann Kohlhoff (Berufsziel: Profisegler) und seine dynamische Vorschoterin Werner sitzen seit sechs Jahren und den gemeinsamen ersten Schlägen und Regatten im 29er in einem Boot, ergänzen sich hervorragend. Vor Rio treten sie gegen starke Konkurrenz an. Top-Favoriten sind die mehrfachen Weltmeister Franzosen Billy Besson und Marie Riou. Aktuell belegen Kohlhoff/Werner Platz 13 in der Weltrangliste. Dass die Kieler zu den wenigen Teams zählen, die Besson/Riou beim Weltcup vor Weymouth im Juni unter Ausscheidungsdruck schlagen konnten, ist ein Zeichen dafür, was in diesem deutschen Team steckt. Die Essenz des Nacra-17-Segelns brachte Carolina Werner einmal so auf den Punkt: "Es geht um gutes und schnelles Handling. Und darum, die Karre schnell und geradeaus zu fahren."

Dieses Video ist schon ein Jahr alt, aber dennoch interessant. Kohlhoff und Werner stellen darin den neuen olympischen Nacra 17 vor und sprechen über ihre Zukunftspläne. Ihr großer Traum von der Olympiateilnahme hat sich inzwischen erfüllt. Die Hoffnung auf Olympische Spiele in Hamburg und Kiel nicht.

©www.segel-bilder.de Ein starkes Duo: Paul Kohlhoff und Carolina Werner

Ein erstes bemerkenswertes internationales Ausrufezeichen hatten Kohlhoff/Werner 2015 mit Platz fünf bei der Weltmeisterschaft gesetzt. Die dänische Pressesprecherin nannte die Deutschen daraufhin "German Wonder Kids". Und die beeindruckten danach mit Platz vier und der knapp verpassten Medaille bei der olympischen Testregatta im Rio-Revier gleich noch einmal. In der Folge wurden sie bei den STG Awards zu "Deutschlands Aufsteigern des Jahres 2015" gewählt.

Ab 10. August wollen Paul Kohlhoff und Carolina Werner die Großen des olympischen Katamaransports herausfordern. Der DSV-Cheftrainer sagt über die deutsche Nacra-17-Crew: "Paul und Caro haben in den letzten zwei Jahren die wohl steilste Lernkurve absolviert. Sie sind noch jung, aber sehr talentiert und ehrgeizig. Sie haben 2015 starke Leistungen gezeigt, mussten zu Jahresbeginn aber auch einige Dämpfer einstecken. Mit Blick auf Rio haben die beiden im Kampf um die Medaillen eine Außenseiter-Chance."

Am Montag sind Paul Kohlhoff und Caro Werner ins Olympische Dorf eingezogen. Kohlhoff berichtete: "Unsere ersten Eindrücke sind super, es ist total spannend und aufregend. Die Atmosphäre im Dorf ist der Hammer. Jetzt versuchen wir, uns auf uns zu konzentrieren. Morgen geht die Arbeit endlich los." Die "Arbeit" ist das Stichwort des Hobby-Fußballers Kohlhoff: "Ich glaube weniger an Talent als an harte Arbeit, die zum Erfolg führt."

Laura Carrau/BISC Paul Kohlhoff und Carolina Werner bei der Europameisterschaft 2015


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Themen: Billy Besson/Marie RiouCarolina WernerKielKieler Yacht-ClubNacra 17OlympiaPaul KohlhoffRio de Janeiro

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