Rekord-Olympiateilnehmer Scheidt greift nach Medaille sechs
"Da stehen schon die Richtigen in den Top Ten"

Der brasilianischer Lasersegler Robert Scheidt nimmt zum siebten Mal an Olympischen Spielen teil. Er ist so lange dabei wie die Laserklasse selbst – seit 1996

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 26.07.2021
Nimmermüde, erfolgshungrig und ein Olympionike wie aus dem Bilderbuch: Der Brasilianer Robert Scheidt greift im Alter von 48 Jahren bei seinem siebten Olympiaeinsatz nach seiner sechsten Medaille. Zu seinen stärksten Rivalen zählt Laser-Weltmeister Philipp Buhl Nimmermüde, erfolgshungrig und ein Olympionike wie aus dem Bilderbuch: Der Brasilianer Robert Scheidt greift im Alter von 48 Jahren bei seinem siebten Olympiaeinsatz nach seiner sechsten Medaille. Zu seinen stärksten Rivalen zählt Laser-Weltmeister Philipp Buhl Nimmermüde, erfolgshungrig und ein Olympionike wie aus dem Bilderbuch: Der Brasilianer Robert Scheidt greift im Alter von 48 Jahren bei seinem siebten Olympiaeinsatz nach seiner sechsten Medaille. Zu seinen stärksten Rivalen zählt Laser-Weltmeister Philipp Buhl

Sailing Energy Nimmermüde, erfolgshungrig und ein Olympionike wie aus dem Bilderbuch: Der Brasilianer Robert Scheidt greift im Alter von 48 Jahren bei seinem siebten Olympiaeinsatz nach seiner sechsten Medaille. Zu seinen stärksten Rivalen zählt Laser-Weltmeister Philipp Buhl

Damals setzte sich im furiosen Finale mit allen Mitteln der Regelkunst der 23-jährige Scheidt gegen seinen erst 19 Jahre alten britischen Herausforderer Ben Ainslie durch. Scheidt tat es, indem er Ainslie in einen Fehlstart verwickelte – die Disqualifikation beider Segler brachte dem Brasilianer Gold. Ainslie revanchierte sich vier Jahre später bei den Spielen in Sydney 2000: Er nahm Scheidt in Deckung und segelte den Gold-Rivalen bis ans Ende der Flotte. Das schlechteste Ergebnis ihrer Serie konnten zwar beide streichen. Genau das aber – präzise von Ainslie vorausberechnet – sicherte dem Briten die erste von vier Goldmedaillen, mit denen er zum bis heute erfolgreichsten Olympiasegler der Sportgeschichte aufstieg. Das Duell zwischen Scheidt und Ainslie hätte lange weitergehen können, doch Ainslie wechselte lieber ins Finn-Dinghy – weg von Scheidt. In der olympischen Einhand-Segeldisziplin für schwere Athleten machte Ainslie seine historische Leistung mit drei weiteren Olympiasiegen komplett. Scheidt blieb dem Laser treu und über Jahrzehnte dessen Galionsfigur.

Sailing Energy / World Sailing Gibt immer 100 Prozent und zählt wieder zu den Medaillenkandidaten: Laser-Idol Robert Scheidt

In Enoshima zählt der 48-jährige Vater von zwei Jungs zum siebten Mal in Folge zum Kreis der Favoriten. Zwar ist die einstige Dominanz des zweimaligen Olympiasiegers und insgesamt fünfmaligen Medaillengewinners mit dem Alter geschrumpft. Doch Scheidt bleibt der Rockstar in der olympischen Einhandjolle. „Da brennt noch ein Feuer in mir“, hatte Scheidt zum Rücktritt vom Rücktritt nach dem vierten Platz bei seinen Heimspielen in Rio de Janeiro 2016 erklärt. Für das Comeback hatte er sich das Okay seiner Söhne Erik und Lukas sowie seiner Ehefrau Gintaré Scheidt eingeholt, die selbst bei den Olympischen Spielen 2008 eine Silbermedaille im Laser Radial gewonnen hatte. „Meine Familie steht hinter mir“, sagt der Enkel eines deutschen Großvaters, der nach dem Ersten Weltkrieg nach Brasilien auswanderte und dort eine Papier- und Tuchfabrik aufbaute. „Meine Großmutter lernte er in São Paulo kennen“, erzählt Scheidt, „sie hatten sechs Kinder. Eines hieß Fritz, und das war mein Vater.“ Scheidts Mutter ist Schwedin. Zu Deutschland habe er, so der Ausnahmesportler, eine besondere Beziehung: „Ich habe sechzehnmal an der Kieler Woche teilgenommen, mag das Land und habe viele Freunde da.“

Sailing Energy / World Sailing Hatte als Schuljunge Scheidts Bilder auf seinen Ordnern kleben und studierte ihn per Video und live intensiv: Laser-Weltmeister Philipp Buhl

Ein guter Bekannter ist Philipp Buhl. Der amtierende deutsche Laser-Weltmeister hatte als Teenager Bilder von seinem Idol Robert Scheidt in den Schulheften kleben. Der Brasilianer war es, dessen Segelstil der im Allgäu seglerisch auf dem Großen Alpsee großgewordene Philipp Buhl zur eigenen Fortbildung oft und intensiv studierte. 17 Jahre trennen den südamerikanischen Vater aller Laser-Erfolge und seinen süddeutschen Gegner. Bei der letzten Testregatta vor Beginn des laufenden olympischen Gipfelsturms in Enoshimas Sagami-Bucht hat Buhl sich mit einem Punkt Vorsprung gegen Scheidt durchsetzen können. So würde Buhl es sich nach seiner mit Platz 14 verpatzten Olympia-Premiere 2016 auch für seinen zweiten Olympia-Einsatz wünschen. Doch Buhl weiß: „Robert ist immer noch gefährlich und für eine Medaille gut.“ Scheidt wird alle seine Erfahrung in die Waagschale werfen, um Buhl und weitere etwa mindestens acht Laser-Medaillenkandidaten noch einmal zu bezwingen. Warum er sich die Qualen in seinem Alter noch antut? „Beweisen muss ich nichts mehr“, weiß Scheidt, „aber es macht noch so viel Spaß.“

Für seine siebte Olympia-Teilnahme binnen eines Vierteljahrhunderts musste er sich aber auch schinden, seinem Körper nach hartem Training immer wieder benötigte Ruhephasen gönnen. Jetzt ist er wieder voll da, auch wenn sich die Strapazen stärker in das Gesicht des neunmaligen Weltmeisters malen als ins Antlitz von starken Herausforderern wie Matt Wearn aus Australien oder Sam Meech aus Neuseeland, beide 27 Jahre alt. Scheidt verrät in einem Satz, warum ihn nicht nur sein herausragendes Segelkönnen so stark macht: „Man muss wissen, dass Olympia vor allem ein mentales Spiel ist.“ Dass er es beherrscht, hat Scheidt schon 1996 beim ersten Olympiasieg bewiesen. Was jetzt noch drin ist, wird sich spätestens im Medaillenrennen der zehn besten Lasersegler am 1. August erweisen. Scheidts Kampfansage in Enoshima: „Es ist natürlich nicht mehr so einfach, weil die Jahre vergangen sind. Aber ich werde hart für einen Podiumsplatz kämpfen.“ Am zweiten Tag der Olympia-Regatta lag Scheidt knapp hinter Philipp Buhl auf Platz acht und sagte: "Da sind schon die richtigen in den Top Ten." Dass er die Olympia-Regatta in fordernden Zeiten bestreiten darf, empfindet er wie Buhl als "Privileg".

Der deutsche Rivale Buhl konnte am zweiten Tag der Olympia-Regatta mit den Rängen 2 und 10 auf Platz sechs vorfahren. Der Sonthofener war am Montag froh und dankbar, den fordernden Tag in kaum lesbaren Winden ohne die Patzer überstanden zu haben, die andere Top-Leute haben stolpern lassen. Buhl hat sich eine starke Ausgangsposition verschafft und mit dem Beinahe-Tagessieg seine Möglichkeiten bei diesem olympischen Gipfeltreffen unterstrichen. Der 31-Jährige hat alle Karten für den Kampf um die Medaillen in der Hand. Svenja Weger musste nach ihrer Gala zum Auftakt an Tag zwei mit den Rängen 21 und 29 Federn lassen, liegt aber als Achte nach vier Wettfahrten immer noch in den Top Ten. Am Dienstag steigen die deutschen Skiff-Segler in ihre Olympia-Serie ein. Gleichzeitig wiesen die jüngsten Wetterprognosen auf starke Winde hin. Zunächst aber wurde der Start aller für Dienstag angesetzten Disziplinen bestätigt.

Sailing Energy Svenja Weger konnte an ihrem zweiten Olympia-Tag nicht an die Gala vom Vortag anknüpfen, verteidigte aber eine Top-Ten-Position und genoss trotz schwacher Ergebnisse das besondere Gefühl, an diesem Tag im gelben Trikot der Spitzenreiterin auf Kurs Enoshima im Einsatz zu sein

Hier geht es zu den Ergebnissen der Segelregatta der Olympischen Spiele (bitte anklicken!).


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Olympia

Anzeige