Wenn die Winde bei Olympia verrückt spielen…
Laser-Weltmeister Buhl unter Druck, Skiff-Asse stechen

Ein Crash mit Bruch, ein Guthaben auf dem 49er-Sparbuch und ein schwarzer Tag für Buhl markierten den dritten Tag der Olympia-Regatta mit schweren Prüfungen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 27.07.2021
Tage wie dieser ließen die Herzen der Fotografen am Dienstag in der Sagami-Bucht höher schlagen, forderten die Segler aber bis an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Erik Heil und Thomas Plößel meisterten die komplizierten Bedingungen, die sie mögen, zum Auftakt ihres zweiten Olympia-Einsatzes bravourös Tage wie dieser ließen die Herzen der Fotografen am Dienstag in der Sagami-Bucht höher schlagen, forderten die Segler aber bis an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Erik Heil und Thomas Plößel meisterten die komplizierten Bedingungen, die sie mögen, zum Auftakt ihres zweiten Olympia-Einsatzes bravourös Tage wie dieser ließen die Herzen der Fotografen am Dienstag in der Sagami-Bucht höher schlagen, forderten die Segler aber bis an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Erik Heil und Thomas Plößel meisterten die komplizierten Bedingungen, die sie mögen, zum Auftakt ihres zweiten Olympia-Einsatzes bravourös

Sailing Energy / World Sailing Tage wie dieser ließen die Herzen der Fotografen am Dienstag in der Sagami-Bucht höher schlagen, forderten die Segler aber bis an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Erik Heil und Thomas Plößel meisterten die komplizierten Bedingungen, die sie mögen, zum Auftakt ihres zweiten Olympia-Einsatzes bravourös

Verrückt spielende Winde, Kenterungen, Kollisionen, Bruch und Favoritenstürze: Den dritten Tag der Olympia-Regatta in Enoshima werden viele der 350 Segler und Seglerinnen so schnell nicht vergessen. Das Revier der Sagami-Bucht gab die launische Diva und forderte die Medaillenjäger in Japan enorm. Wetterprognosen waren schon in den vergangenen Tagen kaum vernünftig zu stellen und stimmten selten genau. An diesem Dienstag waren von den Seglern vor allem Instinkt, Akrobatik, Flexibilität und Nehmerqualitäten gefordert. Während schon morgens im Olympiahafen überall Schilder prangten, die vor Starkwinden warnten und sogar einige Türen des Medienzentrums aus Sicherheitsgründen verriegelt waren, zerrte der Wind nur gegen Mittag einmal kurz an Zeltdächern und Verankerungen, bevor er sich beinahe gänzlich verabschiedete. Den Aktiven auf den Bahnen begegnete der Wind ähnlich: auf den küstennahen Kursen anfangs böig und wild drehend, später stark abnehmend, aber immer noch so wankelmütig, dass er manch einen Favoriten zur Verzweiflung trieb.

Sailing Energy / World Sailing Die neuseeländischen Silbermedaillen-Gewinnerinnen von Rio beim unfreiwilligen Bad in der Sagami-Bucht: Alexandra Maloney und Molly Meech

Im German Sailing Team meisterten Erik Heil und Thomas Plößel die Herausforderungen am besten. Souverän segelte die Crew vom Norddeutschen Regattaverein bei ihrem ersten Rennen auf Platz drei. Ihre weiteren Wettfahrten mussten nach längerer Wartezeit und einem abgebrochenen Durchgang in unfairen Bedingungen auf den Folgetag verschoben werden. "Das Ergebnis ist schön auf der Bank zu haben. Das liegt jetzt sicher auf dem Sparbuch", sagte Vorschoter Plößel mit Augenzwinkern. Der Auftakt der Rio-Bronzemedaillengewinner hätte kaum besser ausfallen können. Ihre Sparringspartner Diego Botin Le Chever und Iago López Marra segelten auf Platz fünf. In etwa so hatten sich die Deutschen und die Spanier den Lohn für ihre enge Zusammenarbeit in Vorbereitung auf den Olympia-Einsatz vorgestellt. Das gemeinsame Ziel der internationalen Trainingsgruppe: die Attacke auf die Titelverteidiger Peter Burling und Blair Tuke. Die neuseeländischen Olympiasieger von 2016 sind – wie immer seit fünf Jahren – die Top-Favoriten bei diesem olympischen Gipfeltreffen. Doch die wackelten zum Auftakt mehr als üblich, kamen erst als Zwölfte ins Ziel. Die Überflieger hatten in der Anfangsphase des Rennens auf die falsche Seite gesetzt und mussten sich von ganz hinten im Feld wieder vorarbeiten. Das gelang eindrucksvoll, doch bei Platz zwölf war Schluss. Weshalb es nach Tag eins der Skiffregatta der Männer 1:0 für die deutsch-spanische Trainingsgemeinschaft gegen die Throninhaber steht. Erik Heil hatte vor Beginn der Olympia-Regatta vorgerechnet, dass "ein Fünfer-Schnitt" in die Medaillenränge führen müsste. Nach Rang drei am ersten Tag sagte er in Enoshima lächelnd: "Damit haben wir jetzt ein Zwei-Punkte-Guthaben." Die 49er-Führung haben am Dienstag zunächst überraschend die jungen Iren Robert Dickson und Sean Waddilove vor den Briten Dylan Fletcher-Scott und Stuart Bithell übernommen.
Vor den Männern waren die 49erFX-Frauen im Einsatz. Sie bekamen es mit deutlich stärkeren Winden um zwölf bis 19 Knoten zu tun. Keine leichte Aufgabe, hatte Steuerfrau Tina Lutz schon vorab erklärt. Nach Wochen mit mäßigen Winden erlebten die Skiff-Seglerinnen erstmals genau zum Olympia-Start Druck. "Das will man eigentlich vorher mal üben", erklärte Lutz. Die deutschen Seglerinnen aber meisterten die Bedingungen gut, während andere Mitfavoritinnen im Kampf um die Medaillen strauchelten. Die Olympiasiegerinnen Martine Grael und Kahena Kunze wurden Opfer einer verklemmten Gennakerschot und kamen im windreichen Auftaktrennen nach starken Beginn erst als 15. ins Ziel. Die neuseeländischen Rio-Silbermedaillengewinnerinnen Alexandra Maloney und Molly Meech erlebten einen schwarzen Tag, kenterten in Rennen eins, fingen sich in Rennen zwei einen Frühstart ein und konnten ihre ernüchternde Zwischenbilanz mit Rang fünf im dritten Rennen nur noch wenig aufbessern. Die Britinnen Charlotte Dobson und Saskia Tidey dagegen drückten das Gaspedal erfolgreich durch und führen das Klassement nach zwei Tagessiegen und Rang sechs mit nur zwei Zählern auf dem Konto an. Die mit 49er-Steuermann Dylan Fletcher verlobte Charlotte Dobson sagte lächelnd: "Wenn uns jemand dieses Ergebnis für Tag eins vor dem Start angeboten hätte, hätten wir ihm den Arm dafür ausgerissen." Übereinstimmend berichteten Siegerinnen und Geschlagene an diesem Tag von "völlig verrückten Winden" und "gänzlich unberechenbaren Bedingungen".

Sailing Energy Martine Grael und Kahena Kunze, Olympia-Siegerinnen von 2016, hatten am ersten Tag ihrer Olympia-Regatta alle Hände voll zu tun, um ihren 49er zu bändigen. Einmal gelang es nicht…

Sailing Energy Tina Lutz und Susann Beucke gelang in extrem schwierigen Bedingungen ein guter Auftakt ihrer Olympia-Premiere

Sailing Energy / World Sailing Die Britinnen Charlotte Dobson und Saskia Tidey glänzten zum Auftakt mit zwei Tagessiegen

Tina Lutz und Susann Beucke freuten sich entsprechend darüber, die von Erfolgstrainer Ian Barker vorgegebene Zielvorgabe für Tag eins der Medaillenjagd fast genau geliefert zu haben. "Er hat siebte Plätze prognostiziert", erzählte Susann Beucke, "die haben wir mit unseren Rängen im Schnitt genau erfüllt. Vielleicht wird er jetzt ja das neue Orakel?" Ein paar Schreckmomente hatten die deutschen Skiff-Seglerinnen auch zu überstehen, als der norwegische 49erFX kurz vor Rundung einer Wendemarke plötzlich unvorhersehbar in das deutsche Boot raste. Die Europameisterinnen kamen mit dem Schrecken und einem abgebrochenen Stück ihres Backbord-Wings davon, während Helene Næss und Marie Rønningen nicht nur schuldbewusst ihren Strafkringel absolvierten, sondern in der Folge auch noch kenterten. "Wir sind diese Winde einfach nicht gewöhnt", sagte Næss.

Sailing Energy / World Sailing Segelsport kann grausam sein: Der amtierende Laser-Weltmeister Philipp Buhl fand sich an Tag drei der Olympia-Regatta nicht zurecht auf dem Kurs, den er zu seinem hatte machen wollen. Er muss nun als Gesamt-13 über sich hinauswachsen, will er noch ein in den Kampf um die Medaillen eingreifen

Die Bilanz der deutschen Lasersegler fiel an diesem Dienstag ernüchternd aus. Svenja Weger konnte erneut nicht an ihre Gala vom Auftakt anknüpfen und rutschte auf Platz 17 zurück. Und dann das: Laser-Weltmeister Philipp Buhl, der nach zwei Tagen als Sechster so aussichtsreich gut im Rennen lag, fand sich am Abend auf Platz 13 wieder. "Es war schwierig und enttäuschend", sagte der 31-jährige Sonthofener unumwunden. Er hatte sich seinen dritten Olympia-Tag so anders vorgestellt. Die Ursache für die schweren Rückschlage konnte er benennen: "Ich habe underperformed. Da war heute in jedem Rennen ein großer Fehler dabei." Dass er in einem abgebrochenen Rennen auf Platz fünf lag, machte seine Standortbestimmung nicht leichter. "Beispielsweise im letzten Rennen habe ich als Neunter nach dem Gate einen Blick auf den Kompass geworfen und entschieden: hoher Bug. Das hat mich in aussichtsreicher Position fast 20 Plätze gekostet." Buhl bleibt der Ruhetag am Mittwoch, um das Durchlebte zu verarbeiten und sich für die verbliebenen vier Wettfahrten bis zum Medaillenfinale am 1. August neu zu motivieren. Er wird und will dabei durch alle Phasen gehen: "Von Enttäuschung, Frust und Wut über Akzeptanz, Analyse und Erkenntnisse hin zu Schlussfolgerungen, Angriffslust und Motivation."

Philipp Buhl wird das Beste in sich aktivieren müssen, um sich noch einmal in Schlagdistanz zur erhofften Medaille zu bringen und kein Rio-Déjà-vu zu erleben. 2016 musste sich der Fairplayer mit Platz 14 arrangieren und den Siegern tapfer gratulieren. Über sein Ergebnis war er damals bitterer enttäuscht, als er es öffentlich gezeigt hat. Mit dem 2020 gewonnenen WM-Titel hatte er sich selbst erlöst und gezeigt, zu was er imstande sein kann. "Schon wegen der letzten Olympischen Spiele und aufgrund seiner Leistungen hätte Buhli eine Medaille so verdient. Ich wünsche sie ihm sehr", hatte 49er-Steuermann Erik Heil dem Wegbegleiter und Freund vor der Regatta gewünscht. Diese Aufgabe ist nun sehr groß, aber noch nicht ganz unmöglich geworden.

Bessere Aussichten hat sich der Laserflotten-Älteste verschafft. Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt, der bei seinen siebten Olympischen Spielen um die sechste Medaille kämpft, liegt hinter Pavlos Kontides (Zypern) und Matt Wearn (Australien) auf Platz drei. Der Brasilianer bleibt auch als 48-Jähriger, was Philipp Buhl ihm schon vor der Regatta attestiert hatte: sehr gefährlich.

Hier geht es direkt zu den olympischen Ergebnisseiten (bitte anklicken!).


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Themen: Olympia

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