Philipp Buhl beendet seinen Olympia-Einsatz als Fünfter
Der verflixte dritte Tag

Ohne Medaille, aber versöhnt verlässt Philipp Buhl die olympische Arena der Sagami-Bucht. Boris Herrmann drückt die Daumen für Tina Lutz und Susann Beucke

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 01.08.2021
Laser-Weltmeister Philipp Buhl im Einsatz in der japanischen Sagami-Bucht. Der Allgäuer sorgte auch ohne Medaille für unvergessliche olympische Momente, ging vor Enoshima durch alle Tiefen und Höhen, die sein Sport zu bieten hat Laser-Weltmeister Philipp Buhl im Einsatz in der japanischen Sagami-Bucht. Der Allgäuer sorgte auch ohne Medaille für unvergessliche olympische Momente, ging vor Enoshima durch alle Tiefen und Höhen, die sein Sport zu bieten hat Laser-Weltmeister Philipp Buhl im Einsatz in der japanischen Sagami-Bucht. Der Allgäuer sorgte auch ohne Medaille für unvergessliche olympische Momente, ging vor Enoshima durch alle Tiefen und Höhen, die sein Sport zu bieten hat

Sailing Energy / World Sailing Laser-Weltmeister Philipp Buhl im Einsatz in der japanischen Sagami-Bucht. Der Allgäuer sorgte auch ohne Medaille für unvergessliche olympische Momente, ging vor Enoshima durch alle Tiefen und Höhen, die sein Sport zu bieten hat

Ohne die erhoffte Medaille, aber erhobenen Hauptes und vom ganzen German Sailing Team gefeiert: Laser-Weltmeister Philipp Buhl kehrte am Finalsonntag in viele offene Arme im Olympiahafen zurück. Da hatte er sein erstes olympisches Medaillenrennen gerade beendet. In Leistung und Tagesergebnis war es eine Bronze-reife Vorstellung. Doch in der olympischen Endabrechnung reichte sie nicht für die ersehnte Medaille. Schon vor dem Finale war klar gewesen, dass Buhls Chancen auf Edelmetall auch mit einer erneuten Ausnahmeleistung nach dem Tagessieg im letzten Rennen der Hauptrunde nur minimal sein würden. Mit drei starken Rivalen vor sich, die nach dem vorzeitigen Olympiasieg des Australiers Matt Wearn wie Buhl um Silber und Bronze kämpften, hätte (zu) viel zusammenkommen müssen, um den Steuermann vom Großen Alpsee noch aufs Podest springen zu lassen. Das Happy End blieb aus, obwohl Buhl das Medaillenrennen der besten zehn Lasersegler mit einem herausragend souveränen Start eröffnete und zwischenzeitlich sogar den Rennsieg in Sicht hatte. Später erzählte er, dass er durchaus von einem Szenario geträumt habe, das ihm doch noch eine Medaille möglich gemacht hätte. Mit Rang drei im Finale verabschiedete sich Buhl trotz verpasster Medaille stilvoll und als fairer Gratulant seiner Bezwinger von der Bühne der Sagami-Bucht und fliegt am Dienstag als Olympia-Fünfter heim.

© Sailing Energy / World Sailing So wie auf diesem Bild ging es bei der WM 2020 in Australien öfter zu: Philipp Buhl vor dem Australier Matt Wearn. Das hätte sich der Allgäuer auch für seinen Olympiaeinsatz gewünscht. Doch was Anfang 2020 in Australien zum WM-Titel für Buhl führte, wiederholte sich vor Enoshima nicht. Dieses Mal setzte sich Matt Wearn durch und segelte zum Olympiasieg

Bis zu seinem Rückflug und darüber hinaus wird Philipp Buhl noch oft an den verflixten dritten Tag seiner Olympia-Regatta denken. Denn der "Schwarze Dienstag" war es, der den Hoffnungsträger früh um eine zwingendere Position im Finale und schließlich um das angestrebte Edelmetall gebracht hatte. An jenem ernüchternden Tag war er abends mit den Rängen 21, 12 und 22 als Gesamt-13. in den Olympiahafen von Enoshima zurückgekehrt. Seine Kernaussage nach den Tiefschlägen: "Ich habe underperformed." In anderen Worten: Buhl hatte den Tag und jedes der drei Rennen mit mindestens einem gravierenden Fehler versemmelt. Diese Last trug er bis ins Finale mit sich herum. Sie war bis zum Kreuzen der Ziellinie im Medaillenrennen auch durch abschließende Glanzleistungen nicht mehr ganz loszuwerden. Die schmerzliche Erkenntnis hat den Analytiker Buhl und seinen Coach intensiv beschäftigt – und wird es weiter tun. Doch beide wissen, dass "hätte", "würde" und "könnte" im Regattasport so viel wert sind wie ein verlorener Lottoschein mit den richtigen Zahlen.

"Man muss bei Olympia erst einmal Fünfter werden"

Im German Sailing Team ist man trotzdem stolz auf ihn. Und Philipp Buhl darf es selbst auch sein. "Man muss bei Olympia erst einmal Fünfter werden", zollte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner ihrem besten Lasersegler viel Respekt. "Philipp hat alles gegeben und die Serie mit einem Rennsieg am Freitag und dem dritten Rang im Finale sehr überzeugend zu Ende gebracht." Und Stegenwalner ging weiter: "Ich schätze Philipp als Sportler, als Mensch und als Persönlichkeit. Wir würden uns als Verband natürlich sehr freuen, wenn er seine Karriere noch weitere drei Jahre bis zu den nächsten Olympischen Spielen fortsetzen und das German Sailing Team auf Kurs Marseille 2024 mit seiner Erfahrung und seinen Leistungen bereichern würde.“

privat Eine Momentaufnahme aus Enoshimas Olympiahafen: Philipp Buhl mit Sonnenhut

Die Entscheidung über eine weitere Olympia-Kampagne hat Buhl auf die Zeit nach der Weltmeisterschaft Ende des Jahres in Barcelona verschoben. Er will erst mit seinen Partnern, mit dem Verband, mit seiner Freundin Sophia sprechen. Er will ausloten, ob er weiter auf Höchstniveau "brennt" wie bislang. Er will "mit meinem Kopf und meiner Seele sprechen", ob eine weiterer Gipfelsturm auf Höchstniveau in Frage kommt. Wer Buhl kennt, darf annehmen, dass sein Athleten-Kopf und seine Segel-Seele die Antwort schon parat haben. Von seinem Coach Alex Schlonski erhielt der Dauerbrenner an diesem Sonntag, als sich der Vorhang der spannenden Laser-Schau senkte, den passenden Rückenwind, ehrliche Worte und Anerkennung: "Philipp hat heute alles gegeben, und deswegen sind wir sehr stolz auf ihn. Wir beenden die Olympischen Spiele mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Wir sind angetreten, hier eine Medaille zu gewinnen. Das ist nicht gelungen. Die Medaille haben wir am dritten Tag verloren. Nicht heute. Philipp hat die Serie mit dem Rennsieg am Freitag und dem dritten Rang im Finale sehr überzeugend zu Ende gebracht. Ein fünfter Platz bei Olympia ergibt keine Medaille, ist aber immer noch eine sehr, sehr starke Leistung.“

privat Philipp Buhl und sein Trainer Alex Schlonski in Enoshima

Auch Buhls Teamkameraden leisteten am Sonntag Bemerkenswertes

Im Schatten des ersten Medaillenrennens von Bedeutung für das German Sailing Team bei dieser Olympia-Regatta, bei dem viele Teams, Flaggen und Jubel auf der Mole des Hafens von Enoshima endlich für einen wohltuenden Hauch der so vermissten Olympia-Stimmung sorgten, leisteten Buhls jüngere Teamkameraden am Sonntag Bemerkenswertes. Im Nacra 17 hielten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer die von hinten aufkommende Konkurrenz auch unter Druck weiter in Schach. Die Crew vom Kieler Yacht-Club verteidigte ihren dritten Rang im Weltklassefeld, als sei es ein Heimritt bei der Kieler Woche. Dabei ging es für den 26-jährigen Steuermann und seine erst 21 Jahre alte Vorschoterin um nichts weniger als die bestmögliche Ausgangsposition für das Finale der jüngsten und schnellsten Olympia-Disziplin. Die Norddeutschen bestanden auch ihren vierten Olympiatag mit Auszeichnung. Nadine Stegenwalner war beeindruckt: "Paul und Alica haben einen weiteren starken Tag hingelegt. Ihre konstanten Leistungen in den Top Drei als eines der jüngsten Teams bei dieser Olympia-Regatta darf man schon fast als sensationell bezeichnen."

© Sailing Energy / World Sailing Die Teams der Laser-Finalteilnehmer sorgten auf der Mole von Enoshimas Olympiahafen endlich für einen Hauch von Fanstimmung in der für Zuschauer gesperrten Arena

© Sailing Energy / World Sailing Schnell und erfolgreich auf zwei Rümpfen unterwegs: die Mixed-Crew Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer

© Sailing Energy / World Sailing Wie es auf dem Nacra-17-Kurs zur Sache gehen kann… Der sich aufbäumende foilende Katamaran gehört den Argentiniern Santi Lange und Cecilia Carranza Saroli, Olympiasieger von 2016

Paul Kohlhoff blieb bei seinen betont nüchternen Zwischenbilanzen: "Unterm Strich stimmen die Zahlen. Jetzt gehen wir übermorgen als Dritte ins Medal Race. Wir haben ein kleines Punktepolster, aber wir dürfen uns trotzdem nichts erlauben.“ Die Ausgangslage für den Kampf der Kat-Könner: Die top-favorisierten Italiener Ruggero Tita und Caterina Banti sind dem rasanten Feld mit nur 23 Punkten auf dem Olympia-Konto schon ein gutes Stück enteilt. Auf die zweitplatzierten Briten John Gimson und Anna Burnet (35 Punkte) haben Kohlhoff/Stuhlemmer (47 Punkte) zwölf Zähler Rückstand, vor den viertplatzierten Australiern Jason Waterhouse und Lisa Darmanin (54 Punkte), die 2016 Silber gewannen, sieben Zähler Vorsprung. Im Medaillenrennen am 2. August wird sich zeigen, ob die bislang so hochkarätig bestrittene Serie von Kohlhoff/Stuhlemmer im Powerplay mit den Schwergewichten der olympischen Kat-Elite auf Foils hält, was sie verspricht.

© Sailing Energy / World Sailing Kontrolliert und konstant: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer starten am Dienstag als Gesamt-Dritte mit Medaillenchancen ins Finale der besten zehn Nacra-17-Crews

© Sailing Energy / World Sailing Da sieht man Luise Wanser schon die Freude an: Die deutschen 470er-Seglerinnen holten einen weiteren Tagessieg für das German Sailing Team

Und als wäre das noch nicht genug der guten Nachrichten an diesem Sonntag gewesen, setzten auch die 470er-Seglerinnen Luise Wanser und Anastasiya Winkel weitere Glanzpunkte auf dem angestrebten Weg ins Medaillenfinale. Die Crew vom Norddeutschen Regatta Verein ließ es bei ihrer Olympia-Premiere unverdrossen von der Doppel-Disqualifikation zum Auftakt nach Rang sieben noch mit einem Tagessieg krachen. „Wir sind aggressiv und gut als erstes Boot am Pinend gestartet und waren schnell. Die linke Seite war deutlich besser“, erklärte Luise Wanser den unwiderstehlichen Lauf ihrer Crew. Das Duo hat seinen Spaß in der Sagami-Bucht wiedergefunden. Die Seglerinnen wollen sich selbst auf höchstmöglichem Niveau beweisen, „dass unser Endergebnis durch die beiden DSQs nicht unserem Potenzial entspricht. Deswegen wollen wir von Rennen zu Rennen unser Bestes geben." Zwei Wettfahrten bleiben Luise Wanser und Anastasiya Winkel am Montag, um sich den Einzug ins 470er-Frauenfinale zu sichern und trotz hoher Punktbelastung noch weiter vorzustoßen.

© Sailing Energy / World Sailing Luise Wanser und Anastasiya Winkel setzten am Sonntag glücklich ihr Lieblingsmotto um: "Gewinnen! Und nochmal gewinnen!"

Achtung, Hochspannung! Am Montag preschen die deutschen Skiff-Asse ins Rampenlicht. Sowohl Tina Lutz/Susann Beucke als auch Erik Heil/Thomas Plößel wollen in ihren Finalläufen angreifen und um Medaillen kämpfen. Mit besserer Ausgangsposition starten die 49erFX-Damen als Gesamt-Dritte in ihr Medaillenrennen, aber auch die Männer haben sich als Gesamt-Vierte trotz fordernder Ausgangsposition einiges vorgenommen. Die Damen sind ab 14.33 Uhr Ortszeit (7.33 Uhr deutscher Zeit) als Erste gefordert, die Herren folgen eine Stunde später. Segelfans in Deutschland können sich freuen: Die ARD berichtet am Morgen, das ZDF verantwortet den Live-Stream.

Boris Herrman, Sportsenator Andy Grote und Fans fiebern in Hamburg mit

Eine besondere Grußbotschaft erhielten die 49erFX-Damen vor dem Finale von ihrem Fan Boris Herrmann aus Hamburg. Der Vendée-Globe-Held schickte dies: "Ich bin gerade beim Blankeneser Segel-Club – kleiner verregneter Sonntagsausflug mit Malou und Birte und Lilli. Währenddessen denke ich die ganze Zeit an Sanni und bin schon ganz aufgeregt wegen morgen. Und ganz viele andere auch. Wir sind morgen früh in der Handelskammer – Hamburg Active City. Da gibt es eine Art Public Viewing in der Olympia-Lounge. Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote ist da. Klaus Lahme wird das kommentieren, Sven Jürgensen und viele NRV-Leute sind dabei. Wir kommen mit allen vom Team Malizia, die da sind, und drücken live morgens ab 7.15 Uhr die Daumen. Wir lassen uns keine Sekunde dieses Rennens entgehen. Wir sind ganz stolz auf Sanni und Tina. Die haben eine ganz irre Performance hingelegt. Netto wären sie nach Punkten eigentlich Zweite, wenn das so wie früher bei mir beim Segeln im 505er ginge. Dann gäbe es zwei Streicher bei 13 Wettfahrten, und dann hätten sie morgen vielleicht sogar noch etwas weniger Druck. Aber so ist jetzt Olympia – alles hängt an den letzten 45 Minuten. Das wird ganz spannend, aber die Performance haben sie ja schon hingelegt. Man sieht, dass sie absolut medaillenwürdig sind. Und deswegen sind wir jetzt schon ganz stolz auf sie."

Boris Herrmann Mit Fangrüßen aus Hamburg nach Japan: Boris Herrmann und seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann drücken mit Tochter Malou die Daumen für Tina Lutz und Susann Beucke im 49erFX-Finale am Montag

Hier geht zu zu den olympischen Ergebnissen (bitte anklicken!).

© Sailing Energy / World Sailing Das olympische Laser-Radial-Podium nach packendem Finalkrimi: Die dänische Siegerin Anne-Marie Rindom, vor zwei Tagen noch infolge eines eigenen Fehlers stundenlang in Tränen, strahlte heute mit der heißen japanischen Sonne um die Wette und bescherte den Fans in Aarhus und im ganzen Land einen Wonnetag. Silber sicherte sich die Schwedin Josefin Olsson vor der dieses Mal mit Bronze ausgezeichneten Marit Bouwmeester, die damit nach Silber 2012 und Gold 2016 einen seltenen kompletten Medaillensatz den ihren nennen darf


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Themen: Olympia

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